Ladehemmung

Linux lädt die Firmware-Dateien jedoch nicht automatisch beim erneuten Start, Sie müssen sie manuell ins Betriebssystem einbinden. Dazu dient ein kleines Programm namens Gobi-Loader, das Sie bei Debian und Ubuntu bereits in den Software-Repositories vorfinden und bequem über die Paketverwaltung installieren.

Für alle anderen Distributionen beziehen Sie den Quellcode als Tar-Archiv aus dem Internet [1] und kompilieren das Tool selbst. Sie entpacken das Archiv zunächst mittels des Befehls tar -xzvf gobi_loader-0.7.tar.gz. Anschließend wechseln Sie in das neu angelegte Unterverzeichnis gobi_loader-0.7 und kompilieren den Quellcode durch Eingabe von make && make install. So integrieren Sie den Gobi-Loader ins System.

Der Loader sorgt nach einem Warmstart dafür, dass die Firmware des UMTS-Modems lädt und das Modem in einen betriebsbereiten Zustand versetzt. Dies prüfen Sie, indem Sie am Prompt lsusb eingeben: Nun ist hinter der Angabe zum Gobi-Gerät der Zusatz (QDL Mode) verschwunden (Abbildung 4).

Abbildung 4: Haben Sie mittels eines Windows-Systems die Firmware extrahiert und ordnungsgemäß geladen, meldet sich das UMTS-Modem endlich einsatzbereit.

Im nächsten Schritt aktivieren Sie die Verbindung. Dazu bietet jede Distribution eigene Software zum Verwalten der Schnittstellen an, die meist eine Option für das mobile Breitband offeriert. Alle gängigen Programme verfügen über eine nach Ländern geordnete Liste der wichtigen Provider samt der Zugangsdaten. Im Regelfall brauchen Sie also nicht mehr umständlich Anwahl- und APN-Daten sowie Passwörter auf den Webseiten der Anbieter zusammenzusuchen; das Einrichten des UMTS-Modems lässt sich somit in wenigen Schritten erledigen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Mit den gängigen Werkzeugen zum Verwalten der Netzwerkschnittstellen haben Sie das UMTS-Modem mit wenigen Mausklicks konfiguriert.

Da die in den Distributionen integrierten Tools meist keine Funktionen bieten, die über das Einrichten der Komponenten hinausgehen, empfiehlt es sich, das UMTS-Modem mithilfe von zusätzlicher Software zu überwachen. Das gilt insbesondere dann, wenn der Anbieter den Zugang per UMTS, HSPA oder LTE nur mit beschränktem Volumen anbietet. Überschreiten Sie die monatliche Grenze, fallen hohe Kosten an. Daher empfiehlt es sich, das speziell für den Umgang mit UMTS-Modems entwickelte Werkzeug ModemManager und dessen grafisches Frontend Modem Manager GUI zu installieren. Die meisten gängigen Distributionen führen beide Pakete in ihren Software-Repositories.

Das Programm integriert sich als D-Bus-Dämon ins jeweilige System und überwacht neben internen UMTS-Modems auch per USB-Dongle, via Cardbus, per Bluetooth sowie über die RS232-Schnittstelle mit dem Computer verbundene Geräte. Die Projektseite [2] listet mit der Software getestete Geräte nach Herstellern alphabetisch geordnet auf, wobei sie teilweise auch die von Notebook-Herstellern vergebenen eigenen Typenbezeichnungen für interne UMTS-Modems anderer Herkunft berücksichtigt. So ist sichergestellt, dass diese bei Einsatz einer modifizierten Firmware mit dem ModemManager arbeiten.

Das grafische Frontend erhalten Sie zusätzlich im Quellcode von der Projektseite. Dort finden sich darüber hinaus Anleitungen für die Installation für eine stattliche Anzahl von Distributionen [3]. Haben Sie Ihr UMTS-Modem in der Liste gefunden und die Software installiert, vereinfacht die GUI den Einsatz des UMTS-Modems unter Umständen deutlich. Das Programm mit seiner modernen GTK3-Oberfläche bietet über das Überwachen des Gerätes hinaus eine stattliche Anzahl zusätzlicher Funktionen.

So sehen Sie im grafischen Frontend beispielsweise SMS-Nachrichten ein und können auch solche versenden. Bei Bedarf finden Sie durch einen Suchlauf heraus, welche Anbieter in der jeweiligen Umgebung ein Netz betreiben. Die Software arbeitet dabei sogar mit mehreren UMTS-Geräten simultan. Darüber hinaus liest Modem Manager GUI alle wichtigen Daten der SIM-Karte aus, zeigt die Stärke des Empfangs an und kommuniziert über per USSD-Protokoll eingegebene Requests (Abbildung 6).

Abbildung 6: Das grafische Frontend gestaltet den Umgang mit dem UMTS-Modem sehr komfortabel, wie die Suche nach verfügbaren Netzen.

Verkehrskontrolle

Mithilfe von ModemManager erhalten Sie zusätzlich die Möglichkeit, umfangreiche statistische Daten zur UMTS-Verbindung zu erfassen und den Datenverkehr zu regeln. Dazu klicken Sie im Programmfenster oben rechts auf den Schalter Datenverkehr. Die Software zeigt einen in kurzen Zeitabständen aktualisierten Graphen, der mittels farbiger Kurven Auskunft über die transferierte Datenmenge gibt. Zusätzlich zeigt die Software links daneben in einem gesonderten Bereich verschiedene statistische Daten in absoluten Zahlen an.

Über die Schaltfläche Begrenzung setzen legen Sie in einem gesonderten Dialog Transfervolumina fest, die das System nicht überschreiten darf. Damit vermeiden Sie das Risiko, dass hohe Zusatzkosten entstehen, sobald Sie mehr als das vertraglich festgelegte monatliche Kontingent verwenden (Abbildung 7).

Abbildung 7: Sie erhalten einen genauen Überblick über die Datenmengen und Geschwindigkeiten, und vermeiden durch Grenzwerte, dass zusätzliche Kosten entstehen.

Dass das grafische Frontend für ModemManager zuverlässige Werte generiert, setzt voraus, dass die Software bei eingeschalteter UMTS-Verbindung ebenfalls aktiv ist. Um dies zu gewährleisten, bietet das Programm die Option des automatischen Starts. Damit es nicht permanent auf dem Desktop erscheint, verbannen Sie es in die Kontrollleiste.

Über die Einstellungen, die Sie im geöffneten Programm über das Menü Edit | Preferences erreichen, aktivieren Sie diese Funktionen im Reiter Behaviour durch Setzen eines Häkchens vor Fenster beim Start in Kontrollleiste einbetten und Add program to autostart list. Nach einem Klick auf den Schalter Anwenden berücksichtigt das Programm die Optionen ab dem nächsten Systemstart.

Beim Verlassen des Tools fragt dieses in einem gesonderten Fenster nach, ob es sich wirklich beenden oder minimiert im Panel weiterlaufen soll. Dies verhindert ein versehentliches vorzeitiges Ausschalten des Frontends.

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