Canonical und Konvergenz

Aber nicht nur von Red-Hat-Entwicklern gehen Impulse aus auf die Art und Weise, wie Linux sich in den nächsten Jahren entwickelt. Canonical mischt ebenfalls kräftig mit am Linux der Zukunft. Wer jedoch einen Ubuntu-Anwender in den letzten zwei Jahren auf Innovation angesprochen hat, lief Gefahr, sich lächerlich zu machen: Ubuntu auf dem Desktop war so langweilig wie nie zuvor.

Das liegt vermutlich daran, dass Canonical im Hintergrund keinen Stein auf dem anderen gelassen hat, um als erstes Unternehmen – im Gegensatz zu Microsofts Continuum [24] – echte Konvergenz mit der gleichen Basis an Quellcode für mehrere Plattformen zu liefern. Das bedeutet etwa, dass Sie ein Smartphone oder Tablet mit Ubuntu Touch in ein Dock mit Monitor, Keyboard und Maus stellen, wo es sich in einen realen Desktop verwandelt. Sie brauchen dann also keine Apps mehr zu verwenden, sondern nutzen die Anwendungen des Ubuntu-Desktops (Abbildung 9).

Abbildung 9: Setzen die Entwickler von Canonical ihre Vision um, gehören Laptop und Desktop-PC bald zu einer aussterbenden Art: Ein Tablet in Kombination mit einem Dock übernimmt dann die Aufgabe beider.

Hierzu erdachte Canonical das Paketformat Snappy, das es aus den Klick-Paketen von Ubuntu Touch heraus entwickelte. Allerdings ist das Unternehmen vermutlich sehr optimistisch in Bezug auf die anstehenden Probleme gewesen. Immerhin haben die Entwickler im Rahmen dieser Umbauten mit Mir gleich noch einen eigenen Display-Manager auf die Beine gestellt, der zusammen mit Unity 8 die Grundlage der neuen Plattform bildet.

Angesichts des Umfangs der Veränderungen ist das Vertrauen in den Erfolg stark geschrumpft. Nun soll das demnächst lieferbare Ubuntu-Tablet BQ Aquaris M10 das erste Gerät sein, das die Kritiker Lügen straft und Konvergenz in einem produktiven Zustand präsentiert.

Snappy Core

Das Snappy-Paketformat, das starke Anleihen bei Konzepten von CoreOS [25] und Red Hats Atomic Host [26] (Abbildung 10) genommen hat, kommt zudem in Ubuntu Snappy Core zum Einsatz, einem leichtgewichtigen Betriebssystem auf der Basis des Ubuntu-Kerns, das für Geräte wie Gateways, Router und Gerätschaften des Internets der Dinge gedacht ist. Dabei kommen atomare Upgrades mit Rollback-Funktion zum Einsatz. Router mit Snappy Core könnten somit stets aktuelle Firmware erhalten.

Abbildung 10: Red Hat Atomic bietet atomare Updates mit Rollback-Funktion.

Ende Februar hat das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem taiwanesischen Hersteller MediaTek bekannt gegeben, der Ubuntu Core auf dem MT7623, einem Router für das Smart Home, einsetzen möchte [29]. Das SoC-Gerät verfügt über zahlreiche Möglichkeiten zum drahtlosen Vernetzen und eignet sich so als Schaltzentrale für die steigende Zahl der Geräte in einem Haushalt, die einen Zugang zum Internet oder zu einem lokalen Netzwerk voraussetzen.

Canonical ist zwar eine vergleichsweise kleine Firma, hat aber beim Cloud-Computing mit OpenStack einen Fuß in der Tür. In diesem Zusammenhang entstand auf Basis von Linux-Container (LXC) das neue Format LXD [27]. Der Hybrid zwischen Container-Engine und Hypervisor soll das Beste aus beiden Welten vereinen, ohne den Overhead eines herkömmlichen Hypervisors.

Mark Shuttleworth nennt das neue Format Hypertainer, und es zeichnen sich sinnvolle Szenarien für dessen Einsatz auf dem Desktop ab. In die gleiche Richtung zielt Intel mit seinem für die Cloud bestimmten Betriebssystem Clear Linux. Mehr über dieses System lesen Sie in dieser Ausgabe ab Seite 26.

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