Mehrere Systeme parallel

Als konkreten Anwendungsfall einer Kombination aus mehreren derzeitigen Innovationen beschreibt Poettering die Möglichkeit, mehrere Betriebssysteme oder mehrere Instanzen eines Systems sowie multiple Runtimes und Frameworks in einem Btrfs-Volume gleichzeitig vorzuhalten und auszuführen.

So skizziert er als Beispiel ein System, in dem Fedora, Mandriva und Arch Linux diesem Schema folgen und entsprechende Images bereitstellen. Das setzt aber voraus, dass die Entwickler zusätzlich die Desktop-Umgebungen und Applikationen anpassen. Poettering zeigt auf, wie all dies mittels Sub-Volumes in verschiedenen Architekturen in einem einzigen Btrfs-Volume möglich wäre. Ob nun die verschiedenen Versionen von Apps wie Firefox mit Mandriva oder Arch Linux starten, spielt keine Rolle, da das System ihnen jeweils beim Start die passende Runtime zuordnet.

Bis solche Visionen in den Mainstream der Distributionen einfließen, vergehen vermutlich noch Jahre. Allerdings existiert genau dieses Konzept bereits heute in der Nischen-Distribution Bedrock, der sich ein eigener Artikel in dieser Ausgabe widmet.

Firmware und XDG-Apps

Red Hat beschäftigt wahre Heerscharen an Entwicklern, sodass andere rote Hüte ebenfalls zukunftsträchtige Techniken entwickeln: Das aktuelle Release 23 von Fedora bringt die Möglichkeit mit, Firmware-Updates aus Gnome heraus zu erledigen, sowie als weitere Innovation XDG-Apps [28].

Die Firmware-Updates aus dem System heraus sollen die Zeiten vergessen machen, in denen ein USB-Stick mit Free-DOS oder Ähnlichem vonnöten war, um unter Linux das BIOS zu aktualisieren. Mit der neuen Technik brauchen Sie nicht einmal mehr ins BIOS/UEFI zu wechseln, sondern aktualisieren das BIOS oder andere Firmware direkt per Gnome-App [20] (Abbildung 6).

Abbildung 6: Firmware-Updates direkt aus dem Software-Center von Gnome würden für Anwender sehr viel mehr Komfort bedeuten.

Das Projekt ist allerdings auf die Mitarbeit der Hardware-Hersteller angewiesen: Es setzt voraus, dass die Firmen die aktuelle Firmware in eine Datenbank einstellen, damit das System sie automatisch findet und den Anwender benachrichtigt. Hoffnung macht, dass Dell als größter Computerhersteller weltweit begonnen hat, seine Updates dort einzustellen [21].

Das Konzept XDG-Apps befindet sich noch in einem frühen Stadium und liegt Fedora 23 als technische Vorschau bei (Abbildung 7). Das neue App-Format ist dem Cloud-Computing entlehnt. Es geht darum, Sicherheit und Handhabbarkeit von Desktop-Anwendungen zu erhöhen und die Abläufe in der Entwicklung zu vereinfachen.

Abbildung 7: Das Gnome-Modul Software als XDG-App ließe sich theoretisch sehr einfach zwischen zwei Systemen verschieben.

Dazu laufen die Anwendungen jeweils in einer Sandbox, prinzipiell ähnlich vom Rest des Systems isoliert wie bei den derzeit allseits beliebten Container-Formaten. Das ermöglicht es, so der Plan der Entwickler, Applikationen gepackt unabhängig von der jeweiligen Distribution zu verteilen.

Als Grundlagen dienen hierbei das Container-Format LXC sowie Colin Walters' Projekt OSTree [22]. Letzteres scheint wiederum Anleihen bei Bedrock und dem Nix-Paketmanager [23] gemacht zu haben, wenn es darum geht, Pakete aus mehreren gleichzeitig in einem Dateisystem lebenden Distributionen zu verwalten (Abbildung 8).

Abbildung 8: Beim Treffen der Gnome-Entwickler kam als zentraler Punkt unter anderem das Projekt OSTree von Colin Walters auf die Agenda.

Jedes Programm in einem mit XDG-Apps laufenden System greift auf eine klar definierte Laufzeitumgebung zu, wobei unterschiedliche Umgebungen in einem Dateisystem existieren dürfen. Damit ergibt sich eine Schnittmenge mit den oben erwähnten zustandslosen Systemen mit Usr-Dateisystem ohne veränderlichen Inhalt.

Für das laut Plan im Juni erscheinende Fedora 24 planen die Entwickler einen "Gnome IDE Builder", der bereits in der Lage sein soll, XDG-Apps zu packen. Auch das Programm "Gnome Software" soll dann den Umgang mit dem neuen Format beherrschen.

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