Lightworks

Das kommerzielle Schnittprogramm Lightworks [5] kam bereits bei der Produktion von bekannten Kinofilmen wie "The King's Speech" oder "Pulp Fiction" zum Einsatz. Der Hersteller EditShare bietet Lightworks in einer kostenlosen und einer kommerziellen Variante an.

Lightworks Free lässt sich kostenlos herunterladen, verlangt aber nach dem Start eine Registrierung bei EditShare. Zudem erzeugt diese Version ausschließlich Videos im MPEG4-Format, obendrein fehlen ihr einige Funktionen. Dazu zählen unter anderem die Unterstützung für 3D-Videos und Teamfunktionen.

Lightworks Pro mit dem kompletten Funktionsumfang können Sie entweder für rund 338 Euro kaufen oder für 20 Euro pro Monat mieten. Wer ein Jahresabo abschließt, zahlt 135 Euro. Die Pro-Version müssen Sie in jedem Fall über das Internet aktivieren.

Der Hersteller offeriert die Linux-Version als DEB-Paket für Ubuntu, Lubuntu und Xubuntu ab Version 14.04, Linux Mint 17 sowie als RPM-Paket für Fedora ab Version 20. In jedem Fall verlangt Lightworks nach den proprietären Grafikkartentreibern von Nvidia oder AMD, unter den freien Treibern kann es zu Problemen während der Videobearbeitung kommen.

Nach dem Start nimmt Lightworks direkt den kompletten Bildschirm in Beschlag (Abbildung 5). Das Hauptfenster lässt sich jedoch auch verkleinern. Die Anordnung der einzelnen Unterfenster merkt sich Lightworks in den gespeicherten Projekten. Die vom Schnittprogramm angebotenen Funktionen aktivieren Sie durchweg über kleine Symbole an den Fensterrändern, das Kontextmenü der rechten Maustaste oder Tastenkürzel. In den Grundeinstellungen lassen sich die Elemente der Benutzeroberfläche vergrößern und so auch auf Monitoren mit hoher Auflösung noch bedienen.

Abbildung 5: In Lightworks jonglieren Anwender selbst bei kleineren Projekten mit zahlreichen Fenstern.

Eingelesene Clips lassen sich in sogenannten Bins gruppieren. Ergänzend dürfen Sie Filter erstellen, die nur noch Clips mit den festgelegten Eigenschaften anzeigen. Damit behalten Sie auch bei vielen Filmschnipseln den Überblick. Lightworks öffnet Clips in einem eigenen Vorschaufenster, in dem diese sich mit wenigen Mausklicks beschneiden lassen. Das Ergebnis ziehen Sie schließlich auf eine Zeitleiste, von denen Lightworks bei Bedarf mehrere verwaltet. Sie dürfen Zeitleisten ineinander verschachteln und so einen Film aus mehreren Sequenzen zusammensetzen. Die Spuren in der Zeitleiste lassen sich beliebig skalieren und so auch auf Monitoren mit hoher Auflösung gut bearbeiten. Lightworks bietet zahlreiche Schnittwerkzeuge, mit denen Sie Schnittstellen sogar nachträglich verschieben ("rollen") können.

Zudem glänzt Lightworks mit einer umfangreichen Farbkorrektur: Sie dürfen im HSV-Modell arbeiten sowie Vektorskop- und Waveform-Darstellungen zur Kontrolle einblenden. Die mitgelieferten Effekte genügen zudem auch professionellen Ansprüchen. Neben den üblichen Verdächtigen wie der Farbkorrektur gibt es auch Splitscreen- und Bluebox-Effekte. Keyframes verändern die Einstellungen der Effekte über die Zeit. Einen Titel erzeugt ebenfalls ein entsprechender Effekt, zwei weitere kümmern sich um einen horizontal oder vertikal durch das Bild laufenden Filmabspann.

Eine spezielle Ansicht ermöglicht, mehrere Effekte zusammenzuschalten. Dabei erscheint jeder davon als Kästchen mit Ein- und Ausgängen, die Sie dann über virtuelle Kabel miteinander verbinden. Mit mehreren Kameras aufgenommene Szenen schneidet Lightworks auf Wunsch über die Multi-Cam-Funktion bequem zusammen.

LiVES

LiVES [6] richtet sich in erster Linie an VJs und Videokünstler, die ihre Videos auf Veranstaltungen produzieren. In LiVES lassen sich deshalb Effekte und Clips einzelnen Tasten zuweisen. Während der Vorführung genügt dann ein Tastendruck, um den entsprechenden Film abzurufen oder den Effekt anzuwenden. Zur Steuerung können neben der Tastatur auch Joysticks und MIDI-Controller dienen. Außerdem kann das Programm Clips über das Netzwerk an andere LiVES-Installationen streamen und das während der Vorstellung produzierte Video aufzeichnen.

Quasi nebenbei arbeitet LiVES aber auch als herkömmliches Schnittprogramm. Im Clip-Editor aus Abbildung 6 kürzen Sie zunächst einzelne Filmabschnitte und versehen sie mit Effekten. Anschließend wechseln Sie in den Multitrack-Modus, in dem Sie alle vorbereiteten Clips zum kompletten Film arrangieren. Die vom Software Center in Ubuntu 15.10 angebotene LiVES-Version stürzte auf unserem Testrechner reproduzierbar ab. Das vom Packman-Repository für OpenSuse Leap angebotene Paket funktionierte auf unserem System hingegen einwandfrei.

Abbildung 6: Die Benutzeroberfläche von LiVES ist extrem unübersichtlich und die Bedienung umständlich (hier im Multitrack-Modus).

LiVES importiert Dateien nicht nur von der Festplatte, sondern digitalisiert auch Videos von einer Webcam oder einer analogen TV-Karte, liest DVDs aus oder lädt Clips von YouTube herunter. Das Schnittprogramm konvertiert allerdings jedes so geladene Video in eine Folge von PNG-Bildern. Das erlaubt zwar, die Effekte während einer Vorführung viel schneller anzuwenden, doch das Video belegt dadurch wesentlich mehr Platz auf der Festplatte – bei einem einminütigen Video in Standardauflösung knapp 1,6 GByte. Den Importversuch eines 10 Sekunden dauernden, handelsüblichen AVCHD-Videos brachen wir nach rund einer Stunde ab. LiVES hatte in dieser Zeit den Prozessor des Testrechners voll im Griff. Bei anderen Videoformaten zeigte das Schnittprogramm mitunter zerstörte Bilder an.

Sofern der Import gelingt, steuern die Wiedergabe wahlweise Tastenkürzel, die Schaltflächen im Hauptmenü oder die entsprechenden Punkte im Menü Play. Sie beschneiden einen Clip, indem Sie einen weißen Balken zusammenschieben und so das zu entfernende Stück markieren – komplizierter geht es kaum, obendrein ist ein bildgenauer Schnitt nur in extrem kurzen Clips möglich.

Der Multitrack-Modus zeigt links oben eine kleine Vorschau. Rechts daneben warten alle vorhandenen Effekte auf ihren Einsatz, zudem zeigt LiVES hier auch eine Liste mit den geladenen Videos an. Letztere arrangieren Sie per Drag & Drop auf der Zeitleiste im unteren Bereich des Fensters.

Überblendungen lassen sich nur extrem umständlich erzeugen: Nachdem Sie die betroffenen Spuren markiert haben, legen Sie den Bereich fest, in dem die Überblendung stattfinden soll. Dazu schieben Sie einen grauen Balken oberhalb der Zeitleiste passend zusammen. Anschließend ziehen Sie einen Überblendeffekt auf die Zeitleiste, woraufhin sich ein Fenster mit dessen Einstellungen öffnet. Die Spuren in der Zeitleiste lassen sich nicht in ihrer Höhe verändern, wodurch sie sich auf hochauflösenden Monitoren in schmale Bänder verwandeln.

Die Effekte stammen aus der Frei0r-Sammlung, die vor allem mit drastischen Verfremdungen wie etwa einem Strudel die anvisierte Zielgruppe zufriedenstellen dürfte. Der Titelgenerator sieht aus wie das Pult eines Raumschiffs: Über Regler stellen Sie die Länge, die Position und die Farbe des anzuzeigenden Textes ein.

Um den erzeugten Film auszugeben, müssen Sie ihn zunächst in einen einzelnen Clip umwandeln, dann zurück in den Clip-Editor wechseln und dort exportieren. Der Funktionsumfang von LiVES lässt sich über eine eigene Plugin-Schnittstelle erweitern.

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