Fenstermanager i3 unter Manjaro nutzen

Kachelkünstler

Viele Distributionen setzen in Sachen Desktop auf umfangreiche, ressourcenfressende Oberflächen. Mit dem Tiling-Window-Manager i3 bringt der Arch-Ableger Manjaro jetzt eine besonders schlanke Alternative auf den Bildschirm.

Unter Linux herrscht auch auf dem Desktop innovative Vielfalt statt langweiliger Einfalt. Die Grundlage für das höchst wandlungsfähige Äußere der grafischen Oberflächen für das freie Betriebssystem bilden die Window-Manager, die Fensterfunktionen und Dekorationen für Anwendungsprogramme auf dem Desktop bereitstellen. Die gängigen Arbeitsumgebungen wie KDE, Gnome, XFCE oder LXDE bringen in der Regel ihre eigenen Window-Manager mit, wobei man aufgrund des modularen Aufbaus der Oberflächen durchaus auch auf alternative Fenstermanager ausweichen kann.

Dabei bestimmen zwei konkurrierende Konzepte beim Aufbau eines Window-Managers dessen Fähigkeiten: Das metaphorische Konzept gestattet analog zum herkömmlichen Schreibtisch sich überlappende Fenster am Bildschirm. Die lassen sich auch stapeln sowie in Größe und Anordnung vom Benutzer frei anpassen – das sogenannte Floating.

Demgegenüber bildet das Konzept der rahmengebundenen Fenstermanager die einzelnen Applikationsfenster nicht überlappend ab, sondern in fest definierter Größe horizontal und vertikal getrennt. Dabei bedecken die Fenster stets die gesamte zur Verfügung stehende Bildschirmfläche. Ausnahmen bilden hier nur wenige Spezialfälle, wie beispielsweise Dialoge zur Passworteingabe, die der Window-Manager schwebend über den anderen Fenstern anordnet. Die meisten dieser als Tiling-Window-Manager bezeichneten Fenstermanager lassen sich recht gut durch Tastaturkürzel bedienen, sodass geübte Anwender sehr schnell auf dem Desktop navigieren können, ohne dabei ständig zwischen Maus und Tastatur wechseln zu müssen.

Newcomer i3

Zu den neueren Tiling-Window-Managern zählt der seit 2009 von Grund auf neu entwickelte, in C geschriebene i3 [1]. Der unter einer BSD-Lizenz stehende Fenstermanager wendet sich in erster Linie an Profis und Programmierer und weist eine Reihe von Besonderheiten auf: So unterstützt das sehr schlank gehaltene Tool auch Funktionen wie Fensterstapel, die es ähnlich wie ein Webbrowser in einer Tab-Struktur stapelt.

Mit mehreren angeschlossenen Monitoren kommt i3 nicht nur problemlos zurecht, sondern entfaltet in dieser Konstellation sogar erst sein volles Potenzial. Dabei stehen auch virtuelle Arbeitsoberflächen zur Verfügung, wobei Sie deren Anzahl jedoch nicht wie bei anderen Window-Managern fest definieren müssen. Ein neuer Arbeitsbereich lässt sich jederzeit auf Knopfdruck öffnen; befinden sich darauf aber keine geöffneten Fenster mehr und wechseln Sie auf einen anderen virtuellen Desktop, deaktiviert i3 sie wieder. Dadurch bleibt die Anzahl offener virtueller Arbeitsoberflächen überschaubar, was Systemressourcen schont.

Als Window-Manager für unixoide Betriebssysteme steht i3 in direkter Konkurrenz zu unzähligen anderen Fenstermanagern. Daher hat der schlanke Newcomer bislang erst in eine überschaubare Anzahl von Linux-Distributionen Einzug gehalten. Neben Debian bringen auch der aus den USA stammende Winzling Tiny Core Linux sowie das innovative Arch-Derivat Manjaro i3 mit. Vom aktuellen Manjaro 15.12 "Capella" gibt es sogar eine Variante mit i3 als Standard-Fensterunterbau [2]. Daneben unterstützt auch PC-BSD i3 als alternativen Fenstermanager [3].

Das funktionelle Konzept von i3 entspricht einer Baumstruktur, deren einzelnen Knoten der Fenstermanager als Container behandelt. Ausgehend vom X11-Root-Fenster, das als primärer Container den Hintergrund für alle weiteren Ebenen bildet, verzweigen die nachfolgenden Hierarchien bis hin zum X11-Window-Container, der als Endpunkt ein einzelnes Fenster repräsentiert. Die Container bilden dabei unterschiedlichste Funktionen ab: Sie können sowohl aus einer leeren oder mit nur einem geöffneten Fenster belegten Arbeitsoberfläche bestehen als auch als gesplitteter Container mehrere Applikationsfenster enthalten. Das Layout des Baums ist also nicht statisch angelegt, sondern ändert sich permanent.

Manjaro Linux

Das auf Arch Linux basierende Manjaro hat durch seine höchst aktive Community und viele innovative Ideen inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt, bei Distrowatch zählt es mittlerweile dauerhaft zu den Top Ten der beliebtesten Distributionen [4]. Die seit Ende Dezember 2015 erhältliche Variante Manjaro i3 2015.12 liegt in 32- und 64-Bit-Varianten vor, wobei Sie obendrein beim Init-System die Wahl zwischen Systemd und dem von Gentoo gepflegten OpenRC haben. In jedem Fall bringt das ISO-Image es auf rund 1,2 GByte Größe [5].

Manjaro lässt sich zunächst nur als Live-System starten. Nach dem Hochfahren öffnet sich automatisch ein Übersichtsfenster, das verschiedene Optionen zum Fortfahren anbietet. Für das Einrichten auf einem Massenspeicher offeriert das Arch-Derivat nicht weniger als drei Installationsmethoden: Neben den grafischen Routinen Thus und Calamares steht auch noch ein CLI-Installer zur Auswahl.

Die Installationsroutinen führen Sie dabei in wenigen Schritten zu einem einsatzfertig vorkonfigurierten System (Abbildung 1). Dabei benötigt Manjaro während der Installation mindestens 1 GByte Arbeitsspeicher – anderenfalls weist der Installer Sie auf fehlende Minimalvoraussetzungen hin und bricht ab.

Abbildung 1: An Auswahloptionen beim Systemstart mangelt es bei Manjaro-Linux nicht.

Nach dem Installieren bootet der Computer nach einem Neustart auch auf Rechnern mit Einkern-Prozessor erstaunlich zügig in den schlicht gehaltenen, jedoch gewöhnungsbedürftigen Desktop von Manjaro i3. Zunächst weist ein Dialogfenster darauf hin, dass das System eine Nutzerchronik mitprotokolliert. Wünschen Sie das aus Sicherheitsgründen nicht, schalten Sie diese Funktion einfach ab. Danach zeigt Manjaro einen recht nackt wirkenden Desktop. Er kommt ganz ohne Icons aus, bietet dafür jedoch mit Conky im rechten oberen Bereich eine Statusanzeige (Abbildung 2).

Abbildung 2: Schlicht, aber nicht unansehnlich: der i3-Desktop von Manjaro.

Die am unteren Rand horizontal verlaufende, als i3-Bar bezeichnete Panelleiste fällt durch einige Statusanzeigen zum Speicherverbrauch, der CPU-Auslastung und den Netzwerk-Verbindungen auf. Daneben sticht unten links auf der Arbeitsoberfläche eine Liste von Tastenkombinationen für die Bedienung des Desktops ins Auge. Hier finden Sie die wichtigsten Shortcuts zum Steuern der Oberfläche über die Tastatur, die alle auf einer als Mod bezeichneten Taste beruhen. In der Voreinstellung dient [Super] als Mod, also die im Linux-Einsatz sonst völlig überflüssige Windows-Taste.

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