Slitaz

Das mit einer Image-Größe von gerade einmal 35 MByte ("Stable"-Version) geradezu winzige Betriebssystem Slitaz [11] kommt wie alle anderen Probanden mit einer grafischen Oberfläche und vorinstallierter Software. Der Desktop basiert wie bei SalentOS auf dem Fenstermanager Openbox. Die Lokalisierung stellen Sie gleich im Bootmanager ein, das gesamte Betriebssystem kopiert sich anschließend von der Live-CD in den Arbeitsspeicher. So erreicht Slitaz selbst auf ältesten Computersystemen eine ansprechende Arbeitsgeschwindigkeit.

Dabei sollte der Arbeitsspeicher jedoch eine Kapazität von 256 MByte nicht unterschreiten. Für Systeme mit weniger RAM bieten die Entwickler eine sogenannte LoRAM-Version an, die mit 128 MByte Speicher auskommt. Die zusätzlich verfügbare LoRAM-CDROM-Variante begnügt sich gar mit nur 24 MByte RAM. Sämtliche Spielarten erlauben das Installieren des Systems auf einen Massenspeicher. Nach dem Systemstart erscheint umgehend der grafische Desktop. Dort finden Sie am oberen Bildschirmrand horizontal eine Panelleiste mit Startmenü und einem System-Tray. Der Desktop erlaubt das Ablegen von Icons und Dateien, sodass er sich optisch kaum von Boliden wie XFCE oder LXDE unterscheidet (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der Desktop von Slitaz unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von XFCE oder LXDE.

Das in der Schweiz entwickelte Slitaz kommt mit einem eigenen Paketverwaltungssystem und einem dazugehörigen grafischen Paketverwaltungstool. Da nicht überall schnelle Internetverbindungen zur Verfügung stehen, lassen sich die mehrere Tausend Pakete umfassenden Quellen auf einer DVD sichern und anschließend von dieser installieren. Der Gesamtumfang der Pakete beläuft sich derzeit dabei auf rund 3 GByte.

Das Taz-Panel fungiert in Slitaz als zentrales Verwaltungswerkzeug. Mit seiner Hilfe installieren Sie nicht nur neue Anwendungen oder bringen vorhandene Software auf den aktuellen Stand, sondern erledigen auch verschiedenste Verwaltungsaufgaben. Das Softwareangebot von Slitaz erreicht zwar nicht den Umfang der Probanden mit Debian- oder Ubuntu-Herkunft und umfasst auch nicht die großen Applikationen wie LibreOffice, Gimp, Thunderbird oder Firefox. Im Praxiseinsatz auf sehr alter Hardware jedoch überzeugt Slitaz mit schlankeren, aber nicht weniger brauchbaren Alternativen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Auch Slitaz ermöglicht das Einrichten neuer Programme ohne den Umweg über die Kommandozeile.

Fazit: Slitaz empfiehlt sich für sehr alte Hardware ab etwa der Pentium-II-Leistungsklasse, wobei jedoch ein relativ gut ausgebauter Arbeitsspeicher von 256 MByte vorhanden sein sollte. An Massenspeicher oder Grafikhardware stellt das System überhaupt keine Ansprüche. Für den tagtäglichen Gebrauch müssen Sie eine Reihe von Anwendungen nachinstallieren, was jedoch dank des grafischen Paketmanagers kein Problem darstellt.

Gesamteindruck

Die vier getesteten Distributionen zeigen eindrucksvoll, dass sich auch betagte Hardware unter Linux noch sinnvoll und produktiv einsetzen lässt, sofern eine passende Distribution dem alten Schätzchen neues Leben einhaucht. Dabei räumen alle vier Betriebssysteme mit der sich hartnäckig haltenden Mär auf, dass kleine Linux-Distributionen zwangsläufig funktionelle Mängel aufweisen und sich nur schwer bedienen lassen. Für ältere und alte Computer-Hardware sollten Sie diesen modernen und sicheren Betriebssystemen auf jeden Fall den Vorzug gegenüber alten, unsicheren und längst nicht mehr gepflegten Windows-Varianten geben. 

Der Autor

Diesen Artikel erstellte unser langjähriger Stammautor Erik Bärwaldt ursprünglich im Auftrag unserer Online-Schwester Golem.de, er erscheint hier in einer aktualisierten und überarbeiteten Fassung.

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