AntiX

Das aus Griechenland stammende AntiX [5] rühmt sich, in der 32 Bit-Variante für ältere Computersysteme mit lediglich 64 MByte Hauptspeicher auszukommen. Das setzt allerdings einen Swap-Bereich auf dem Massenspeicher von mindestens 128 MByte voraus. Auch beim Prozessor begnügt sich das System mit sehr wenig Ressourcen, die unterste Schranke bildet eine Pentium-II-CPU. Der freie Festplattenspeicher sollte für eine stationäre Installation noch mindestens 2,2 GByte betragen.

Das auf Debians "Testing"-Zweig basierende Betriebssystem nutzt wie 4MLinux einen sehr schlanken Window-Manager und Desktop: Hier kommt von Haus aus IceWM [6] zum Einsatz (Abbildung 2), wobei als Alternativen auch Fluxbox, JWM oder der exotische HerbstluftWM zur Verfügung stehen. Anders als die meisten anderen schlanken Linux-Distributionen bringt AntiX bereits einige Standardanwendungen für den Alltagsbetrieb mit: So befinden sich der Webbrowser Iceweasel und das Büropaket LibreOffice von Haus aus mit an Bord. Die Entwickler integrierten zudem einige Programme aus dem Fundus von Gnome, XFCE und LXDE in ihr System.

Abbildung 2: Optisch einfach, jedoch funktionell: der Desktop von AntiX Linux.

Für Systemwartungsarbeiten steht zudem ein stattliches Arsenal an Werkzeugen bereit: So finden Sie im Menü System Tools beispielsweise Bleachbit zum Löschen überflüssiger Datenbestände, GParted zum Partitionieren von Datenträgern, Htop zur Anzeige laufender Dienste und Prozesse, den Midnight Commander für das effiziente Arbeiten mit Dateien und Verzeichnissen sowie Synaptic, das grafische Frontend zur Programmverwaltung. Aufgrund seiner Debian-Historie kann AntiX im Gegensatz zu den komplett eigenständigen Distributionen auf einen beachtlichen Softwarebestand zurückgreifen: Die aus Debian übernommenen Repositories listen über 50 000 Pakete auf.

Der Desktop von AntiX-Linux präsentiert sich erwartungsgemäß spartanisch-funktionell: Einzig Conky und eine schlanke Panelleiste zieren den Bildschirm. Optische Gimmicks bleiben zur Schonung der Ressourcen außen vor. Der Leistungshunger fällt im Test tatsächlich sehr gering aus: Mit teils weniger als 100 MByte Arbeitsspeicherbedarf kommt AntiX in der Tat noch mit 15 Jahre alten Pentium-III-Systemen gut zurecht. Selbst bei drei oder mehr geöffneten Programmen steigt die Auslastung des Arbeitsspeichers selten über 300 MByte an. Dabei reagiert das Betriebssystem stets agil.

Fazit: Äußerlich wirkt es zwar etwas langweilig, doch punktet AntiX mit enormer Geschwindigkeit und vor allem sehr guter Softwareausstattung; typische Alltagsanwendungen finden Sie von Haus aus auf der Festplatte. Dank der Debian-Basis sowie der grafischen Softwareverwaltung Synaptic erfüllt das Betriebssystem zudem nicht nur ausgefallene Software-Wünsche, sondern lässt sich auch von Ein- und Umsteigern ohne große Einarbeitung problemlos bedienen. Seinem Anspruch als Allrounder für leistungsschwächere ältere Computersysteme wird AntiX-Linux somit voll gerecht.

SalentOS

Das nach der italienischen Stadt Salento benannte Ubuntu-Derivat SalentOS [7] gibt es auch in einer Version für betagte Hardware. Da das System Openbox [8] als Fenstermanager nutzt, begnügt es sich mit deutlich weniger Ressourcen als alle herkömmlichen Ubuntu-Abkömmlinge. Um den Desktop und das Angebot an Apps und Systemtools abzurunden, finden sich Elemente aus Gnome und XFCE im Betriebssystem.

Die Entwickler von SalentOS wollen ihr Betriebssystem nicht nur als Alternative für betagte Hardware am Markt positionieren, sondern peppen das Ubuntu-Derivat auch optisch auf, sodass der Anschluss an moderne Desktops nicht verloren geht. So finden Sie – für Openbox reichlich ungewöhnlich – am oberen Bildschirmrand die Panelleiste Tint2 [9], die der Arbeitsoberfläche nicht nur eine professionell anmutende Optik verleiht, sondern auch deren Funktionalität erhöht (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Desktop von SalentOS verzichtet auf jeglichen Schnickschnack.

Tint2 lässt sich mit einem in SalentOS integrierten grafischen Werkzeug zudem sehr detailliert konfigurieren. Außerdem nutzt SalentOS die bereits legendären Konfigurationsmöglichkeiten des Window-Managers Openbox: In der aus dem Hauptmenü erreichbaren Menügruppe Openbox settings finden Sie alle relevanten Optionen. Dazu zählen neben Skripten, die Sie im Terminal Ihren Wünschen gemäß anpassen, auch grafische Werkzeuge (Abbildung 4).

Abbildung 4: Im SalentOS-Kontrollzentrum finden Sie die wichtigsten Einstelloptionen.

SalentOS lässt Ihnen beim Start die Wahl zwischen Live-Betrieb und stationärer Installation. So können Sie das System zunächst ansehen, ohne dabei die Festplatte antasten zu müssen. Spracheinstellungen nehmen Sie wie gewohnt direkt im Auswahlfenster vor. Verfügt der genutzte Rechner über ausreichend potente Grafikhardware, dann lässt sich der Desktop mithilfe des Composite-Managers Compton [10] optisch aufpeppen. Die Einstellungen dazu erreichen Sie direkt aus dem Hauptmenü.

Da die Distribution auf den Paketquellen von Ubuntu aufsetzt, steht Ihnen dessen komplettes Softwarerepertoire zur Verfügung. Das italienische System bringt jedoch bereits von Haus aus mehrere Standardanwendungen mit. Im Hauptmenü steht zudem das grafische Paketverwaltungstool Synaptic bereit, mit dem Sie neue Anwendungen bequem mit wenigen Mausklicks ins System einbinden.

Fazit: Ebenso wie das auf Debian aufsetzende AntiX glänzt auch SalentOS mit hoher Stabilität und enormer Softwarevielfalt. Das System eignet sich als Allrounder für alltägliche Aufgaben und stellt auch Ein- und Umsteiger vor keine großen Hürden. Im direkten Vergleich der beiden Distributionen zeigt sich SalentOS jedoch deutlich behäbiger im Betrieb: Das System verlangt nach mehr Ressourcen als AntiX und eignet sich daher nicht für den Einsatz auf Computern mit weniger als 100 MByte Arbeitsspeicher.

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