Felsenfest

Bitwig 1.3 braucht zum Start nicht länger als Ardour auf demselben Rechner und reagiert anschließend genauso schnell – kein schlechtes Resultat für eine Software, die Java für ihre Oberfläche verwendet. Das Programm muss wie jede komplexe Audio-Software die Herausforderung bewältigen, mit weniger als 10 Millisekunden Verzögerung zu reagieren und dabei Daten und Plugins zu verarbeiten, die aus den obskursten Quellen stammen. Unter diesen Umständen scheint es daher schwierig, einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten: Plugins und Audio-Dateien können Fehler enthalten, Exportfunktionen dritter Programme erzeugen nicht standardkonforme Dateien. In Bitwig fiel es im Test jedoch recht schwer, ein Versagen des Programms zu provozieren.

Fehlerhafte Plugins bringen Bitwig Studio in der Regel nicht aus dem Tritt, die Probleme wirken sich nur auf den Betrieb des Plugins selbst aus. Das an sich sehr nützliche Carla-VSTX-Plugin jedoch schafft es tatsächlich, auch Bitwig selbst Schwierigkeiten zu bereiten. Schon einfache Aktionen bringen das Plugin zum Einfrieren und erzeugen hörbare Probleme im jeweiligen Kanal. Sobald Sie das Plugin wieder entfernen, läuft jedoch alles wieder, wie es soll. Erst eine auf heimtückische Weise absichtlich beschädigte WAV-Datei lässt den Play-Cursor von Bitwig komplett einfrieren und die Sound-Ausgabe verstummen.

Der Schalter mit dem Bitwig-Logo oben links im Fenster bringt die Audio-Engine nach dem Absturz mit dem gleichen Projekt an der gleichen Stelle wieder in Gang. Hier bewährt sich die konsequente Trennung der eigentlichen Audio-Engine von der GUI und dem operativen Teil des Programms.

Fazit

Bitwig Studio erweist sich als gut durchdachtes Komplettpaket für Produzenten moderner Popmusik und kreative Elektrokomponisten. Die ausführliche Dokumentation erleichtert Ein- und Umsteigern den Einstieg (siehe Kasten "Dokumentation und Hilfe"). Für den Einsatz als Live-Instrument steht es unter Linux praktisch einzigartig da. Abgesehen von der noch nicht vollständigen Unterstützung für den aktuellen Stand von Midi unter Linux erweist sich die Bitwig-DAW als gut integriert und vorbildlich stabil.

Dass Bitwig Studio als proprietäre Anwendung von Vollzeitentwicklern vorangetrieben wird, zeigt sich nicht nur an der Qualität der Software und der mitgebrachten Samples, sondern auch an der Entwicklungsgeschwindigkeit: Einen Tag vor Redaktionsschluss stellte Bitwig bereits die Version 1.3.5 von Studio zur Verfügung, die neben Fehlerkorrekturen auch etliche Detailverbesserungen mitbringt. 

Dokumentation und Hilfe

Wie man es von kommerzieller Software erwarten darf, investiert Bitwig nicht nur viel Arbeit in die Entwicklung des Programms, sondern auch in Hilfe und Dokumentation. Dazu gehören neben einem in verständlichem Englisch geschriebenen Handbuch vor allem Videos und Demo-Songs sowie einige Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Eine Übersicht dazu finden Sie direkt auf der Webseite von Bitwig Studio [2]. Im Community-Bereich [3] gibt es neben weiterführenden Informationen auch zahlreiche Tipps und Tricks. Für Programmierer bietet Bitwig eine API [4] für die Controller-Schnittstelle von Studio.

Der Autor

Hartmut Noack arbeitet in Celle und Hannover als Dozent, Autor und Musiker und er findet schon immer, dass freie Software und selbst gemachte Musik prima zusammenpassen. Auf seinem Webserver unter http://lapoc.de können Sie einige klingende Ergebnisse seiner Arbeit mit freier Musiksoftware herunterladen.

Glossar

DAW: Eine Digital Audio Workstation setzt alle Funktionen eines Musikstudios in einer Anwendung um. Ursprünglich ging das nur auf kostspieligen Spezialmaschinen. Heute meint DAW fast immer eine Software-Suite, die auf einem herkömmlichen Rechner läuft.

Faltungshall

Um den Hallanteil eines beliebigen Raums, die "Impulsantwort", auf ein anderes Signal abzubilden, sodass es sich anhört, als würde das Signal in diesem Raum erklingen, vermischen sogenannte Impuls-Convolver auf eine mathematisch komplexe Weise zwei Audio-Signale. Impulsantworten im herkömmlichen WAV-Format gibt es von allen großen Konzerthallen, Kirchen und Parkhäusern sowie von beliebten, teuren Effektgeräten.

Infos

[1] Bitwig: http://bitwig.com

[2] Feature-Übersicht zu Studio: https://www.bitwig.com/en/bitwig-studio.html

[3] Community-Portal von Bitwig: https://www.bitwig.com/en/community/learning.html

[4] Controller-Scripts: https://www.bitwig.com/en/community/control_scripts.html

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