Loopsamples

Bei der Arbeit mit Loopsamples schöpft Bitwig aus dem Vollen – nur LMMS bietet unter Linux ebenfalls Sammlungen von Samples und Presets an, allerdings mit deutlich weniger Möglichkeiten. Ähnliches gilt für die Arbeit mit auf Audio-Spuren aufgenommener und von Hand eingespielter Musik. So lassen sich beispielsweise einzelne Klangereignisse in einer Aufnahme mit einer intuitiven Methode zeitlich verzerren, um Timingfehler von Musikern auszugleichen oder Takes aus verschieden schnell gespielten Sessions aneinander anzupassen.

Prinzipiell klappt das auch in Ardour oder Qtractor, dort aber vergleichsweise umständlicher. Dennoch dürften viele klassisch orientierte Musikproduzenten eher Ardour oder Tracktion bevorzugen. In Studio lassen sich einzelne Spuren nur in zwei Stufen vertikal vergrößern, was präzise Schnitte erschwert. Wer den Umgang mit Regionen direkt in der Spur in Ardour oder Tracktion kennt, dem fällt wahrscheinlich auch der Umstieg auf den separaten Editor von Studio schwer.

Die spezielle Vorlage Audio Editing im Menü File | New from Template ändert nicht viel daran, dass Studio nicht unbedingt für die Bearbeitung von klassischen Audio-Aufnahmen gebaut ist. Selbst einfache Funktionen wie Normalisieren oder Umkehren sucht man vergeblich. Dafür arbeiten alle Werkzeuge in Echtzeit – auch das ganz hervorragende Stretch-Werkzeug, mit dem sich ohne hörbaren Qualitätsverlust und ohne Änderung der Tonhöhe Musik strecken und stauchen lässt.

Gewöhnungsbedürftig wirkt die Idee, dass das Gitter, auf das Schnitte und geschobene Regionen einrasten, sich nur am Zoomfaktor orientiert. Aufnahmen von per Hand eingespielter Musik machen es jedoch oft nötig, auf das einzelne Sample genau zu schneiden. In die Nähe dieser Präzision kommen Sie in Studio nur bei sehr starkem Vergrößern der Darstellung. Standardmäßig markieren schon bei Sechzehntel-Noten die Grenze der Genauigkeit.

Automatisch

Andererseits lässt es sich in Studio sehr leicht und schnell zoomen, indem Sie bei gedrücktem Mausrad den Cursor nach oben oder unten bewegen. Das Schneiden geht flott von der Hand, wenn man die Rastergenauigkeit nicht dauernd per Hand anpassen muss. In der rechten unteren Ecke des Arrangers lässt sich das Einrastverhalten detailliert einstellen. Möchten Sie allerdings einen anderen Wert als die Sechzehntel-Voreinstellung nutzen, fällt das automatische Reagieren des adaptiven Rasters auf die Zoomeinstellung flach.

Alle von Bitwig mitgelieferten Samples passt Studio mit geradezu gespenstischer Sicherheit an das Tempo des gerade laufenden Songs an. Das klappte im Test auch mit vielen vom Autor selbst aufgenommenen und geschnittenen Loopsamples. Ob die Kombinationen von Loops verschiedener Geschwindigkeiten tatsächlich der Intention des Künstlers entsprechen, sei dahingestellt, Studio lässt jedenfalls alles gut und passend klingen. Dank dieser Automatik und weiterer Funktionen (siehe Kasten "Extrem manipulierbar") ändern Sie problemlos jederzeit das Tempo eines Stücks. Per Hand eingespielte Aufnahmen passen ihr Tempo automatisch an. Dabei ändert sich weder die Tonhöhe, noch lässt sich selbst bei starken Änderungen ein Qualitätsverlust heraushören.

Extrem manipulierbar

Einer der Vorteile von Musikproduktion mit Software liegt darin, dass sich mit dem zeitlichen Ablauf der Musik auch Eingriffe in die Wiedergabe hineinprogrammieren lassen. Solche Automation genannten Manipulationen entwickelten die Hersteller der entsprechenden Programme vor allem für den Mixer: Lautstärke und Stereopanorama einzelner Spuren lassen sich an bestimmten Stellen im Stück nach Bedarf verändern. Moderne DAWs weiten diese Möglichkeiten mindestens auf die Parameter von eingebundenen Effekten und Instrumenten aus.

Bitwig geht auf diesem Gebiet weiter als die meisten Mitbewerber. Zum einen automatisieren Sie mit dem Programm nicht nur die Parameter eines Instruments in einer Midi-Spur, sondern bearbeiten auch innerhalb der Spurmanipulationen einzelne Noten (Abbildung 6). Zum anderen dürfen Sie neben der klassischen Methode, in der eine Kurve den Verlauf eines Parameters im Stück bestimmt, diverse kurvenartige Ereignisse im Musikstück als Automation für einen Parameter nutzen. So lässt sich zum Beispiel der Lautstärkeverlauf einer Bassdrum von einer Spur auf den Filter eines Synthesizers auf eine andere Spur übertragen.

Von Bitwig als Makro bezeichnete Funktionen erlauben es außerdem, Kurven für mehrere Parameter gleichzeitig anzulegen. Viele der mitgelieferten Presets enthalten raffinierte Anwendungen der Makrotechnik. Für das Manipulieren von Noten nach vorgegebenen Mustern bringt Studio einige Midi-Plugins mit. Neben den üblichen Arpeggiator-Funktionen weiß besonders der diatonische Transposer zu gefallen, der eingehende Noten nicht nur auf Dur und Moll trimmt, sondern auch auf anspruchsvollere Kirchentonarten.

Abbildung 6: Auf Midi-Spuren lassen sich Kurven für Parameter (wie hier die Tonhöhe) für jede einzelne Note einzeichnen, im Layer-Modus auch auf verschiedenen Spuren gleichzeitig.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Bitwig Studio macht Linux zur Musikworkstation
    Bitwig Studio ist die erste für Linux kommerziell angebotene, vollständige Musik-Workstation. Damit bietet sich nun endlich eine Linux-Alternative zu Steinberg Cubase, Magix Samplitude oder Abelton Live.
  • Bitwig Studio 1.0 erschienen
    Der deutsche Entwickler Bitwig hat die erste Version seiner Digital Audio Workstation (DAW) veröffentlicht. Die kommerzielle Musiksoftware spielt in einer Liga mit Ableton Live, ist aber gegenüber der Konkurrenz auch für Linux erhältlich.
  • Bitwig: Professionelle Musik-Workstation für Linux
    Mit neuen Konzepten, innovativen Werkzeugen und flexiblen Verschaltungsmöglichkeiten für Plugins verspricht das kommerzielle Bitwig Studio die Welt der Musikproduktion unter Linux zu revolutionieren.
  • Geregelte Verhältnisse
    Die digitale Audio-Workstation Bitwig bringt in der aktuellen Version 1.1 eine ganze Reihe bedeutender Verbesserungen mit – wir stellen Ihnen die wichtigsten davon vor.
  • Klangwunder
    Über den Plugin-Host Carla binden Sie jetzt Plugins beliebiger Formate in jede Audio-Anwendung ein. Als kleines Extra bringt Carla noch einen universellen Baukasten für modulare Klangerzeuger mit.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Broadcom Adapter 802.11n nachinstallieren
Thomas Mengel, 31.10.2017 20:06, 2 Antworten
Hallo, kann man nachträglich auf einer Liveversion, MX Linux auf einem USB-Stick, nachträglich...
RUN fsck Manually / Stromausfall
Arno Krug, 29.10.2017 12:51, 1 Antworten
Hallo, nach Absturz des Rechners aufgrund fehlendem Stroms startet Linux nicht mehr wie gewohn...
source.list öffnet sich nicht
sebastian reimann, 27.10.2017 09:32, 2 Antworten
hallo Zusammen Ich habe das problem Das ich meine source.list nicht öffnen kann weiß vlt jemman...
Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 6 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...