Frankreich und Großbritannien

Derzeit kommen aber auch vermehrt Nachrichten über Migrationen zu LibreOffice und offenen Formaten aus Frankreich und Großbritannien. Gerade die Briten machen in dieser Hinsicht keine halben Sachen und legten im Sommer 2014 ODF, HTML und PDF/A als offene Standardformate fest, die künftig für alle Behörden verbindlich gelten [4]. Vor wenigen Wochen schloss Großbritanniens Regierung einen Vertrag mit dem britischen Unternehmen Collabora über die Einführung von LibreOffice auf den Rechnern der britischen Verwaltung [5]. Collabora bietet eine auf Unternehmen, Organisationen und Verwaltungen ausgerichtete Version von LibreOffice an, die sich auch in der Cloud nutzen lässt, und beschäftigt einen Stamm von anerkannten LibreOffice-Experten, die bei der Umstellung helfen.

Frankreich lässt es dagegen auf hohem Niveau etwas ruhiger angehen und spricht lediglich Empfehlungen aus [6]. Die Erfahrung andernorts zeigt aber, dass diese Vorgehensweise wenig bewirkt. Sie widerspricht der wohlbekannten Tendenz, Vertrautes beibehalten zu wollen. Das empfanden auch Frankreichs Bürger so und machten Druck: Im Rahmen des Projekts "La République numérique", vergleichbar mit der europaweiten digitalen Agenda, wählten sie im Rahmen einer Umfrage das Thema Open-Source-Software in der Verwaltung und im Bildungsbereich auf den dritten von zehn Plätzen – nun muss das Parlament darüber debattieren.

Dabei haben sich Teilbereiche der öffentlichen Hand in Frankreich schon lange auf Open Source ausgerichtet: Bereits 2002 beschloss die französische Gendarmerie eine strikte Open-Standards-IT-Richtlinie. Ab 2004 installierte sie zunächst nach und nach OpenOffice auf den 90 000 Rechnern der Behörde. 2007 folgte dann der Beschluss, von Windows XP nicht auf Windows Vista zu wechseln, sondern stattdessen Ubuntu den Vorzug zu geben. Vor zwei Jahren gab ein Major der Gendarmerie auf einer Konferenz bekannt, die Polizeibehörde hätte ihre IT-Kosten (TCO) durch die Migration auf Linux und eine freie Bürosuite um 40 Prozent gesenkt [7]. Dabei steht die Polizei Frankreichs mit dem Einsatz von Open Source nicht alleine da: Bereits 2006 kündigten das französische Finanzministerium, das Innenministerium mit 240 000 Rechnern [8] und eine Reihe weiterer untergeordneter Behörden mit schätzungsweise 80 000 weiteren Desktops den Umstieg auf freie Software an.

Italien

Italien ging ab 2012 europaweit wohl den radikalsten Weg und schrieb Open-Source-Software in Behörden per Gesetz vor. Nur in begründeten Ausnahmefällen, wenn Open Source keine Option bietet, dürfen die Beschaffungsbehörden proprietäre Software kaufen. Als Konsequenz aus diesem Gesetz kündigte das italienische Militär an, seine 150 000 Rechner bis Ende 2016 auf LibreOffice umzustellen [9]. Viele Städte und Gemeinden in Italien haben diesen Schritt bereits hinter sich gebracht, um ihre ständig leeren Kassen zu schonen.

Zudem fand sich am obersten Gerichtshof ein Richter, der einer Sammelklage der italienischen Verbraucherschutzorganisation Associazione Diritti Utenti e Consumatori (ADUC) aus dem Jahr 2010 in Florenz recht gab und die zwangsweise Bündelung des Betriebssystems mit einem PC oder Notebook für Unrecht erklärte. Käufer haben damit das Recht, von Microsoft die Gebühren für eine Windows-Lizenz zurückzufordern, wenn sie das Betriebssystem nicht einsetzen wollen. Davon können deutsche User nur träumen.

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