Einschränkungen

Derzeit gibt es beim Testen einer Wayland-Sitzung noch einige Einschränkungen. Zum einen müssen Sie freie Grafiktreiber zum Test nutzen, da weder AMD noch Nvidia auf Wayland angepasste Treibern liefern können. Wollen Sie Wayland in einer virtuellen Umgebung testen, fällt Virtualbox dazu aus, da dessen virtueller Grafiktreiber ebenfalls noch nicht mit Wayland zurechtkommt. Hier müssen sie zu KVM oder Vmware Player greifen. Des Weiteren fehlt noch die Implementation von gebräuchlichen Funktionen wie Copy & Paste per Maus sowie die Unterstützung für den Betrieb mehrerer Monitore. Zu guter Letzt wirkt es störend, dass der Mauszeiger oft erst nach einigen Sekunden reagiert.

Sämtliche Kernpakete von Gnome arbeiten bereits mit Wayland zusammen. Weitere Anwendungen wie etwa Firefox bedienen sich noch der Zwischenschicht Xwayland [11], die als Server unter dem Wayland-Protokoll läuft (Abbildung 9). Ein sichtbarer Unterschied zwischen nativer Wayland-Unterstützung und der Verwendung von Xwayland lässt sich nicht feststellen. Der Befehl xlsclients zeigt eine (nicht immer vollständige Liste) der Software, die noch Xwayland benötigt.

Abbildung 9: Xwayland läuft als modifizierter X-Server unter Wayland.

Fazit

Die Darstellung von Fenstern und Menüs gelingt Wayland inzwischen, anders als bei ersten Tests vor einem halben Jahr, sehr sauber und flackerfrei. Alle Fensterelemente erscheinen an den richtigen Stellen. Im Normalbetrieb läuft eine Wayland-Sitzung zwar stabil, doch kommen Abstürze hin und wieder vor. Hier springt dann in der Regel X11 ein, manchmal fällt man aber auch auf den Anmeldemanager zurück. Stören Sie solche kleinen Einschränkungen nicht, spricht ansonsten wenig gegen eine Dauernutzung von Wayland. Fehler im Zusammenhang mit Wayland melden Sie den Entwicklern am besten über den Bugzilla von Gnome [12].

Nach sieben Jahren Entwicklung befindet sich Wayland damit im Endspurt auf die Ziellinie, auch Plasma 5.5 harmoniert bereits mit ihm [13]. Angesichts fehlender proprietärer Treiber und noch bestehender Fehler erscheint trotzdem die Absicht des Fedora-Projekts, Wayland bereits im nächsten Release zum Standard zu machen, als ambitionierter Plan – im Mai 2016 wissen wir mehr. In jedem Fall begleitet uns der klassische X.org-Server unter Linux noch für einige Jahre, selbst wenn Wayland tatsächlich 2016 in einigen Distributionen als Standard einzieht. 

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