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© Marco Tomasini, 123RF

Editor Atom mit neuen Funktionen erweitern

Anbau leicht gemacht

Das Unternehmen Github bewirbt den Atom Editor als gelungenen Kompromiss zwischen Vi, Emacs, Sublime und Textmate. Über die gute Anbindung ans hauseigene VCS hofft man auf neue Nutzer.

Als Github im Juni 2014 Atom [1] ankündigte, stöhnten viele Kommentatoren: Braucht die Welt wirklich noch einen Editor? Die Github-Macher jedenfalls glauben das. Sublime Text [2] und Textmate [3] seien zwar komfortabel, aber zu wenig anpassbar. Emacs und Vi ließen sich zwar extrem modifizieren, seien aber für Einsteiger wenig komfortabel. Ein weiterer Grund für Atom, den die Macher nicht ausdrücklich nennen: Dank guter Github-Anbindung dürfte der Editor der Softwareplattform neue Nutzer bescheren.

Die Github-Macher wissen recht genau, wie die Open-Source-Welt tickt, und machen bislang nichts verkehrt – das gilt auch für Atom. Projekte wie Vi und Emacs funktionieren nur deshalb gut, weil sie offen sind und über eine große Community verfügen. Daher gehe Github mit Atom, der unter einer MIT-Lizenz steht, ein langfristiges Engagement ein, lassen die Macher wissen. Das bedeutet nicht, das Github den Editor nicht irgendwann forkt, um eine Enterprise-Variante anzubieten – doch bei Version 1.0, die im Juni 2015 erschien, war dies noch nicht der Fall.

Atom-Modell

Mit dem Editor sollen Entwickler plattformübergreifende Desktop- und Webapps entwickeln. Die Software bringt dabei Grammatiken für verschiedene Programmiersprachen mit, von Javascript über Perl und Python bis hin zu C/C++ oder Java. Letztlich handelt es sich bei der Software um eine spezialisierte Variante des Browsers Chromium, die Fenster sind nichts anderes als lokal gerenderte Webseiten. Die darin angezeigten Inhalte dürfen dabei auf das API von Node.js zugreifen.

Der Editor besteht aus einem überschaubaren Kern ("Atom Core"), die meisten anderen Komponenten liegen hingegen als Pakete vor, die der integrierte Atom Package Manager (APM) verwaltet. Kern und Pakete laufen dabei in einer Umgebung namens Electron [4], vormals "Atom Shell". Diese kümmert sich um automatische Updates, bringt einen Windows-Installer mit, fertigt Crash-Reports an und liefert Benachrichtigungen aus. Diese Funktionen erreichen Sie über Javascript-APIs.

Der Einfachheit halber verwenden und empfehlen die Entwickler für die Arbeit mit Atom Coffeescript anstelle von Javascript sowie Less als Ersatz für CSS. Allerdings ist es möglich, den Editor mit Javascript und CSS auszubauen.

Steuerpult

Nach der Installation (siehe Kasten "Atom installieren"), die ruhig etwas weniger aufwendig ausfallen dürfte, landen Sie auf einer grafischen Oberfläche (Abbildung 1). Diese besteht aus verschiedenen Bereichen, als "Panes" bezeichnet, die Sie bei Bedarf flexibel vergrößern und verkleinern oder auf Wunsch neu anordnen. Die einzelne Datei, an der Sie arbeiten, heißt im Atom-Jargon "Buffer".

Abbildung 1: Der Editor Atom besteht aus verschiedenen flexibel verschiebbaren Bereichen, den sogenannten Panes.

Atom installieren

Die Installation erforderte im Test unter Ubuntu 14.04 mit LXDE-Desktop ein wenig Aufwand, was vor allem an der für Atom benötigten Node.js-Umgebung liegt. Es gibt zwar Pakete dafür, aber wer die Software selbst kompilieren möchte, muss zunächst die passenden Dateien installieren (Listing 1, Zeile 1). Dann gilt es, die neueste Node.js-Version zu besorgen, die Nodesource.com [6] betreut (Zeile 2).

Die Befehlsfolge aus Listing 1 holt im Wesentlichen ein Setup-Skript für die aktuelle Node-Version auf den Rechner und führt es mit Root-Rechten aus. Vorsichtige Zeitgenossen setzen nach der Pipe ein more, um vor dem Ausführen einen Blick auf das Skript zu werfen. Ist das Skript durchgelaufen, installiert der Befehl aus Zeile 3 die neueste Variante des Frameworks.

Zeigt der Befehl which node kein Ergebnis, liegt das wahrscheinlich daran, dass das Binary nodejs heißt, Atom aber nach /usr/bin/node sucht. Der Befehl aus Zeile 4 korrigiert das Problem. Die nächste Befehlsfolge klont das Atom-Repository auf Github und checkt dann vom Verzeichnis atom die letzte Release von Atom aus (Listing 1, Zeile 5 bis 8).

Schließlich führt die Routine das Build-Skript aus und startet dann den Javascript-Task-Runner Grunt [7], um die ausführbare Datei atom und den Paketmanager apm nach /usr/local/bin zu installieren. Dazu benötigen Sie Root-Rechte. Über script/grunt mkdeb erzeugen Sie bei Bedarf ein Debian-Paket.

Listing 1

$ sudo apt-get install build-essential git libgnome-keyring-dev fakeroot gconf-service libnss3
$ curl -sL https://deb.nodesource.com/setup | sudo bash -
$ sudo apt-get install -y nodejs
$ sudo update-alternatives --install /usr/bin/node node /usr/bin/nodejs 10
$ git clone https://github.com/atom/atom
$ cd atom
$ git fetch -p
$ git checkout $(git describe --tags `git rev-list --tags --max-count=1`)

Im linken Bereich des Hauptfensters sehen Sie den Verzeichnisbaum für das aktuelle Projekt, ins große Feld in der Mitte gehört der Code. Über [F11] gelangen Sie in den Vollbildmodus; die Einstellungen öffnet Atom als zusätzlichen Reiter, sobald Sie diese über [Strg]+[,] oder Edit | Preferences aufrufen.

Wissen Sie nicht genau, was als Nächstes zu tun ist, hilft der Editor über [Strg]+[Umschalt]+[P] mit einer Liste sämtliche Befehle weiter. Im Internet gibt es zudem ein hilfreiches Flight Manual [5], das bislang nur auf Englisch vorliegt.

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