Archbang

Das minimalistische Archbang fällt etwas aus dem Rahmen der hier vorgestellten Distributionen: Es setzt sich nicht zum Ziel, die Installation von Arch Linux zu erleichtern oder Teile der Arch-Infrastruktur in anderen Zusammenhängen zu nutzen. Stattdessen richtet es sich wie das Vorbild eher an erfahrene Anwender, die eine sehr leichtgewichtige Distribution für ältere Hardware suchen und sich unter Umständen bereits mit Arch auskennen.

Das weniger als 500 MByte große Archbang-Image setzt für die Arbeitsoberfläche auf den vorkonfigurierten Fenstermanager Openbox [20] und kommt als Live-Medium mit einer angepassten Version des Arch-Installerskripts. Dazu gibt es eine Anleitung im Archbang-Wiki [21], die nicht nur die Installation erläutert, sondern auch die spätere Handhabung des installierten Systems.

Archbang ging aus der Anfang 2015 in der damaligen Form eingestellten Distribution #Crunchbang hervor. "#", wie die Distro in der Szene abgekürzt wurde, basierte auf Ubuntu beziehungsweise später Debian und verwendete ebenfalls ein vorkonfiguriertes Openbox als Fenstermanager. Dessen Konfiguration übernahm Archbang und setzte das aktuellere und ständig rollende Arch Linux als Basis darunter.

Beim Start des Live-Mediums bietet das System neben dem normalen Start an, Archbang mit optimaler Geschwindigkeit gänzlich im Hauptspeicher laufen zu lassen. Das setzt jedoch einen Rechner mit mindestens 2 GByte Arbeitsspeicher voraus. Mangelt es dem System an USB-Ports, dürfen Sie in diesem Modus den Speicherstick nach dem Hochfahren abziehen. Der Speicherbedarf nach einem normalen Start beträgt rund 130 MByte, starten Sie Archbang hingegen komplett im RAM, belegt das System anfangs rund 500 MByte, was logischerweise der Größe des Abbilds entspricht.

Nach dem Start finden Sie sich auf einem Desktop wieder, der lediglich über den Systemmonitor Conky [22] einige Systemparameter und Tastenkürzel einblendet. Am unteren Rand lädt ein Panel mit einem Status-Icon, das Platz für aktive Anwendungen und Apps im Hintergrund bietet. Ein Rechtsklick auf den Desktop oder ersatzweise [Super]+[Leer] zaubert ein karges Menü hervor. Hier finden Sie Optionen zum Herunterfahren des Systems, zum Aufruf des Installers und der Dokumentation sowie Menüpunkte für die wenigen vorinstallierten Applikationen. Zu Letzteren zählen im Wesentlichen Firefox, der Editor Geany, der Bildbetrachter Feh, die Systemanzeige Htop und das LX-Terminal. Letzteres kommt ausgiebig zum Einsatz, wenn Sie das System an die eigenen Vorstellungen anpassen und erweitern möchten.

Archbang richtet sich an fortgeschrittene Anwender oder solche, die es werden wollen und dafür genügend Zeit mitbringen. Wer Arch kennt, fühlt sich auch bei Archbang schnell heimisch: Immerhin ist der semi-grafische Installer ein Subset des Arch-Installers und Pacman anfangs die einzige Möglichkeit, das System zu erweitern. Mit Archbang lassen sich, wie generell mit Arch Linux, kompakte und, aufgrund des sehr schlanken Fenstermanagers Openbox, schnelle Systeme aufbauen sowie bis ins Kleinste an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die detaillierte Installationsanleitung hilft dabei auch weniger fortgeschrittenen Nutzern, die Distribution auf die Platte zu bannen. Die Wahrscheinlichkeit, dass blutige Linux-Anwender gefallen an Archbang (oder Arch Linux) finden, dürfte jedoch eher gering sein.

Abbildung 5: Mit Openbox als Fenstermanager eignet sich Archbang für ältere Rechner sowie für Fans schlanker Desktop-Umgebungen ohne viel optischen Firlefanz.

Fazit

Arch Linux bildet eine beliebte Plattform, um andere Projekte darauf aufzubauen. Dabei geht es meist um Desktop-Distributionen wie die hier besprochenen, aber auch sehr spezialisierte Projekte wie Ubos [23] oder Msys2 [24].

Suchen Sie ein Derivat möglichst nahe am Original, sollten Sie sich Antergos anschauen. Manjaro entfernt sich etwas weiter von Arch, macht als Desktop aber eine gute Figur. Vom Design etwas moderner und sehr nah an Arch ist Apricity, das sich an Anwender richtet, die gerne mit Web-Anwendungen arbeiten. Chakra orientiert sich nur noch sehr lose an Arch, steht aber zu dessen Prinzipien und favorisiert KDE und Qt. Diese Kandidaten richten sich ebenso an Einsteiger, da sie eine einfache Installation bieten und ansonsten den Anwender bei der Hand nehmen. Archbang dagegen ist pures Arch Linux, klein und leichtgewichtig und sucht fortgeschrittene Anwender, die bereits Erfahrungen mit Arch gesammelt haben.

Unter den vorgestellten Distributionen sollte damit für jeden Geschmack etwas dabei sein. Alle Distributionen liegen als Live-Medien vor, sodass einer ausführlichen Testrunde nichts im Weg steht. 

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