Apricity OS

Apricity OS 10.2015 Beta richtet sich, ähnlich wie etwa Chromixium [13], als noch recht junges Betriebssystem an die Generation der mobilen Cloud-Anwender. Weniger modern ist die Herkunft des gewählten Namens: Apricity steht als altertümlicher Begriff für die Wintersonnenwärme.

Während Chromixium auf Ubuntu basiert, setzt Apricity – etwas ungewöhnlich für die Gattung – auf Arch Linux auf. Das 1,7 GByte große Abbild, das derzeit nur die 64-Bit-Plattform bedient, arbeitet mit einem Installer im Live-Modus. Dabei handelt es sich um einen alten Bekannten, den aus Antergos stammenden Cnchi. Eine Alternative bietet ein auf dem Calamares-Installer-Framework basierender Installer, den Sie mangels Startmenü-Eintrag allerdings per Terminal anstoßen müssen.

Wie Antergos nutzt auch Apricity direkt die Paketquellen von Arch. In einem zusätzlichen kleinen Apricity-Core-Archiv finden sich unter anderem einige spezifische Tools und Skripte sowie diverse Google-Plugins, die Backup-Anwendung Sbackup, Wine und PlayOnLinux sowie Silverlight. Als grafischer Paketmanager kommt wie bei Manjaro Pamac zum Einsatz, der hier ebenfalls bereits die notwendige Konfiguration zur Benutzung des AUR mitbringt. Das Absichern der stark auf Internetnutzung zugeschnittenen Distribution erfolgt über die Uncomplicated Firewall (UFW) [14]. Sie lässt sich auch ohne Fachkenntnisse sehr einfach konfigurieren und nutzt Iptables als Grundlage.

Als Desktop-Umgebung nutzt Apricity ein etwas reduziertes Gnome 3.18 in einer grafisch leicht angepassten Version. Bei den Icons greift die Distribution auf das attraktive Numix-Projekt [15] zurück. Im Dock am unteren Bildschirmrand, das auf dem eigenständigen Programm Plank [16] beruht, findet sich neben den üblichen Gnome-Programmen sowie LibreOffice der seitenspezifische Browser Ice, der zum schnellen Zugriff Webapps und -seiten als Icons auf den Desktop legen kann. Dass im Dock ein Icon für ein Terminal fehlt, zeigt bereits die Zielrichtung von Apricity an.

Für Webarbeiter, die ständig mit diversen mobilen Geräten hantieren, bietet Apricity mit Ice, dem P2P-Sync-Tool Syncthing, dem Notebook-Energiemanagement TLP und Pushbullet [17] interessante Ansätze zur Arbeitserleichterung. Die Oberfläche kommt modern mit flachen Icons daher, das System agiert schnell und lässt sich intuitiv bedienen. Mit dem Erscheinen der ersten stabilen Version soll es Apricity auch in einer (vermutlich ebenfalls abgespeckten) KDE-Variante geben. Die Vorbereitungen dazu lassen sich bereits erkennen, wenn man die Paketliste unter dem Buchstaben K betrachtet. Ob allerdings Anwender, die auf ein Terminal-Icon im Dock verzichten können, mit den möglichen Tücken eines Arch Linux klarkommen, steht auf einem anderen Blatt.

Abbildung 3: Apricity setzt auf Arch und einen stark angepassten Gnome-Desktop. Die Distribution richtet sich mit der Integration von diversen Web-Apps an Online-Arbeiter.

Chakra

Chakra [18] entstand ursprünglich 2006 unter dem Namen KDEmod mit dem Ziel, eine einfache Arch-Installation mit KDE anzubieten. Im Jahr 2010 trennte sich das Chakra-Projekt, wie es sich von da an nannte, von Arch und gründete eine eigene Distribution. Als Prämisse nahm man sich vor, sich voll und ganz auf KDE und Qt zu konzentrieren und dem Anwender eine benutzerfreundliche Umgebung mit grafischen Werkzeugen für die Systemadministration zu bieten.

GTK-Anwendungen lagert die Distribution in ein eigenes Archiv aus, sodass sich ein reines Qt-System leicht realisieren lässt. Die Entwickler säubern dabei die Qt-Pakete auch von eventuellen GTK-Abhängigkeiten. Auch ansonsten geht Chakra eigene Wege und nabelt sich immer mehr von Arch Linux ab. Derzeit kommen noch Pacman für die Paketverwaltung und Pkgbuild als Buildsystem zum Einsatz, allerdings arbeitet das Projekt seit einiger Zeit an einem eigenen Paketmanager.

Chakra bezeichnet sich selbst als halb-rollend. Das soll bedeuten, dass das Basissystem behutsam und kontrolliert aktualisiert wird, während der Großteil der Anwendungen rollt. Erst kürzlich begann Chakra mit der Umstellung auf die fünfte Generation von KDE und krempelt gleichzeitig seine Infrastruktur um, wobei die Vereinfachung der Repositories im Vordergrund stehen. Neben dem erwähnten GTK-Archiv gibt es ein Core- sowie ein Desktop-Repository. Letzteres rollt ungehindert, allerdings werden die Pakete für Chakra neu paketiert.

Das Core-Repository bleibt dagegen eher statisch: Updates der Hauptkomponenten des Systems wie Kernel, Grafikstack, Treiber, Toolchain und alle wichtigen Bibliotheken erfolgen koordiniert in einem Rutsch. Als Installer kommt, wie bei immer mehr Distributionen, Calamares zum Einsatz. Die vorinstallierte Software-Auswahl erlaubt es, sofort produktiv loszulegen. Als Browser kommt Qupzilla [19] zum Einsatz, Firefox wartet bei Bedarf ebenso im GTK-Repo wie Gimp oder Inkscape. Für Büroarbeiten kommt KDEs Calligra-Bürosuite zum Einsatz, ergänzt um die Kontakt-Suite aus den KDE Applications.

Somit bewegt sich Chakra eher am Rand des Arch-Universums und katapultiert sich, sobald die Arbeit am selbstgestrickten Paketmanager Akabei ein Ende findet, in die Weiten des Distributionskosmos hinaus, ohne dabei seine Wurzeln ganz zu leugnen. Die Entwickler versicherten uns, dass selbst wenn irgendwann außer Pkgbuild keine direkte Nutzung von Arch mehr ersichtlich sein sollte, im Inneren von Chakra immer noch viele Arch-spezifische Mechanismen greifen und KISS ("Keep it simple, stupid.") als Grundprinzip weiter verinnerlicht bleibt.

Chakra 2015.11-Fermi mit Plasma 5 steht erst seit relativ kurzer Zeit zur Installation bereit. Liegen Ihre Prioritäten auf Qt-Software in einer benutzerfreundlichen Umgebung mit einer hilfreichen und freundlichen Community in Foren und IRC, dürften Sie sich bei Chakra gut aufgehoben fühlen.

Abbildung 4: Chakra entfernt sich mit der Entwicklung eines eigenen Paketmanagers immer weiter von Arch. Das KISS-Prinzip möchte Chakra jedoch nicht über Bord werfen.

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