Dos and Don'ts

Damit Arch zuverlässig funktioniert und der stetige Strom an Updates nicht das System beeinträchtigt, sollten Sie sich im Alltag mit Arch an einige Grundregeln halten, diese hauptsächlich die Paketverwaltung betreffen. Beim Rest gilt wie bei jeder anderen Linux-Distribution: Als Anwender besitzen Sie auf selbst verwalteten Systemen immer Root-Rechte; mit der vollen Kontrolle über das System geht aber auch entsprechende Verantwortung einher. Lesen Sie daher im Zweifel vor größeren Operationen nach, ob sich das angepeilte Vorhaben auch wie geplant umsetzen lässt.

Informieren Sie sich regelmäßig über größere Umbauarbeiten an Arch. Entsprechende Ankündigungen finden Sie direkt auf den Einstiegsseiten der deutschen oder englischen Arch-Community oder gesammelt in den Arch Linux News Archives [19]. Entsprechende Modifikationen kommen nicht alle Tage vor und geschehen auch nicht überraschend; allerdings gibt es immer wieder Änderungen, die ein Eingreifen des Users erforderlich machen. Dazu gehörten in der Vergangenheit zum Beispiel die Migration von SysVinit auf Systemd sowie die verschiedenen Iterationen des AUR, zuletzt zu einem auf Git basierenden System.

Das Motto "release early, release often" nimmt in der Welt der freien Software eine besondere Stellung ein. Aufgrund dieser Philosophie und des Rolling-Release-Prinzips stehen bei Arch binnen weniger Tagen oft 100 oder mehr Updates an (Abbildung 6). Zögern Sie nicht zu lange, sie einzuspielen, sonst besteht die Gefahr, dass sich Abhängigkeiten nicht mehr auflösen lassen. Sie müssen nicht zwingend täglich Updates einspielen, aber einmal wöchentlich sollten Sie sich schon aus Security-Gründen den Updates widmen. Das System verträgt durchaus auch einmal eine Update-Pause von mehreren Wochen, während der sich dann allerdings ein beachtliches Download-Volumen ansammelt.

Abbildung 6: Nach gut einer Woche sammeln sich zahlreiche Updates an. Im Beispiel aufgrund eines LaTeX-Updates müssen über 750 MByte geladen werden.

Wie die Paketmanagementwerkzeuge anderer Distributionen bietet auch Pacman die Option, Pakete von Updates auszunehmen. Dazu dienen die Einträge IgnorePkg and IgnoreGroup in der pacman.conf. Aufgrund der Aktualisierungshäufigkeit mag es verlockend erscheinen, ab und an einmal ein Update zu unterdrücken, etwa weil eine neue Programmversion noch einen Bug enthält oder eine gewünschte Funktion nicht mehr mitbringt. Um Probleme mit Abhängigkeiten zu vermeiden, unterstützt Arch jedoch eigentlich solchen partiellen Updates nicht [20]. Um Schwierigkeiten von vornherein aus dem Weg zu gehen, sollten Sie entweder alle Updates installieren oder mit allen Aktualisierungen eine Zeit lang pausieren.

Beim Einrichten oder Aktualisieren von Paketen gibt Pacman neben den üblichen Statusmeldungen auch immer wieder wichtige Hinweise aus (Abbildung 7). Werfen Sie deshalb nach jedem Update-Lauf einen Blick in die entsprechende Protokolldatei pacman.log, die Sie unter /var/log finden. Achten Sie dabei besonders auf Ausgaben wie warning: /Pfad/Datei installed as /Pfad/Datei.pacnew oder ... saved as /Pfad/Datei.pacsave. Sie treten in der Regel beim Update von Diensten auf, bei denen das aktualisierte Paket eine von der vorhandenen Version differierende Konfigurationsdatei enthält. Vergleichen Sie dann die .pacnew-Datei mit der aktuellen Konfigurationsdatei und übertragen Sie eventuelle Neuerungen. Eine .pacsave-Datei dagegen entsteht beim Entfernen eines Diensts oder Programms, dessen Konfigurationsdatei Sie angepasst hatten. Mithilfe der Sicherheitskopie stellen Sie den Dienst bei Bedarf schnell wieder her.

Abbildung 7: Achten Sie bei der Installation der Updates auf während der Aktion ausgegebene Hinweise und Warnungen des Paketmanagements.

Inoffizielle Paketquellen sowie das AUR unterliegen weder einer strengen Qualitätskontrolle noch einem intensiven Sicherheitscheck. Prüfen Sie daher besonders bei der Installation von Paketen aus dem AUR die PKGBUILD-Datei auf Fehler, Inkonsistenzen und bösartigen Code. In der Regel reicht ein Blick auf die source-Zeile der Datei aus. Sie sollte auf eine offizielle Adresse der zu installierenden Software zeigen (Abbildung 8) – egal, ob Quellcode, DEB- oder RPM-Paket oder einen Tarball mit Binaries. Auf solche Checks sollten Sie eigentlich auch bei Paketen aus dem OpenSuse Build Service oder aus Ubuntu-PPAs nicht verzichten.

Abbildung 8: Bei der Installation von Paketen aus dem Arch User Repository (kurz AUR) sollten Sie zumindest die Quelle der Daten überprüfen.

Insbesondere im englischsprachigen Arch-Wiki finden Sie weitere ausführliche Informationen zum Umgang mit Arch [21], Tipps zur Pflege der Systems [22] sowie Hinweise, um Ihr System gegen Angriffe zu härten [23]. Lassen sich sich von der Fülle der Dos und Don'ts nicht abschrecken: Der Aufwand für Wartung und Pflege eines Arch-Rechners unterscheidet sich kaum von jenem für die Instandhaltung anderer Systeme, besonders solcher mit kurzen Update-Zyklen.

Ansprüche und Erwartungen

Arch stellt nun seine Anwender den Anspruch, sich ein wenig in der Linux-Welt auszukennen. Wer noch nie etwas von den grundlegenden Komponenten eines Linux-Systems wie Kernel, X-Server, Alsa oder Cups gehört hat, dem fällt der Einstieg in die Arch-Welt mit Sicherheit ein wenig schwer. Auch die Erwartungen, die man als fortgeschrittener Linux-Anwender an "seine" Wunsch-Distribution stellt, gilt es anzupassen – auch Arch liest dem User die Wünsche nicht von den Lippen ab. Ein kleines Problem, das bei fast jeder anderen Linux-Distribution erst gar nicht auftritt, soll die Thematik verdeutlichen.

Nach der Installation der Arch-Basis und einer grafischen Desktop-Umgebung wie Gnome möchten Sie einen USB-Stick mit FAT formatieren. Nichts leichter als das: Sie stecken das Speichermedium an, starten ein Werkzeug wie Gnome Disks oder Gparted und bespielen den Datenträger mit dem gewünschten Dateisystem. Gnome Disks meldet nun aber sofort einen Fehler beim Formatieren des Datenträgers (Abbildung 9) mit weiteren, recht kryptischen Ausgaben. Auch über das Terminal lässt sich der Datenträger nicht umgehend mit einem DOS-Dateisystem formatieren (Listing 1).

Abbildung 9: Arch verlangt vom Anwender, mitzudenken: So lässt sich ein Datenträger beispielsweise erst dann mit FAT formatieren, wenn Sie die dafür nötigen Tools installiert haben.

Listing 1

$ sudo mkfs -t fat /dev/sdc1
mkfs: mkfs.fat konnte nicht ausgeführt werden: Datei oder Verzeichnis nicht gefunden
$ sudo mkfs.vfat -F 32 /dev/sdc1
sudo: mkfs.vfat: Befehl nicht gefunden
$ sudo pacman -S dosfstools
$ sudo mkfs.vfat -v -F 32 /dev/sdc1
mkfs.fat 3.0.28 (2015-05-16)
/dev/sdc1 has 65 heads and 62 sectors per track,
hidden sectors 0x0800;
logical sector size is 512,
using 0xf8 media descriptor, with 4093952 sectors;
[...]

Die Ursache dafür liegt in der Philosophie von Arch begründet, das System nicht von Haus aus mit allen denkbaren Tools und Programmen vollzustopfen: "Einfachheit" bedeutet für Arch eben nicht das Streben nach narrensicherer Bedienung, sondern entspricht dem Ziel, ein möglichst schlankes und einfaches System auszuliefern, das sich den eigenen Bedürfnissen entsprechend erweitern lässt. Nun muss aber nicht jeder DOS-Datenträger formatieren. Wer die Funktion benötigt, der installiert eben vorab über die Paketverwaltung das Paket dosfstools nach.

Zur Lösung dieses und ähnlicher Probleme müssen Sie also verstehen, was das System von Ihnen möchte, und im Zweifel ein wenig recherchieren, was entsprechend zu tun ist. Hier helfen zum einen Vorkenntnisse bezüglich der Komponenten eines Linux-Systems, zum anderen sollten Sie englischsprachige Texte zumindest verstehen können. Der deutschsprachige Teil des Arch-Wikis glänzt zwar mit guten Artikel und vielen Tipps, doch gegenüber den Artikeln der englischsprachigen Ausgabe hinkt die deutsche doch stark hinterher. Bei Fragen springt Ihnen die deutschsprachige Arch-Community [24] aber genauso hilfreich zur Seite wie die englischsprachige. 

Kommentar: Plädoyer für Arch Linux

Christoph Langner, Redakteur

Ich verwende nun seit mehr als zwei Jahren primär Arch Linux auf allen meinen Systemen [31] – ob Notebook, Desktop, Server oder RasPi. Ursprünglich komme ich aus der Debian-Welt und war lange mit Ubuntu unterwegs. Der Grund für meinen Wechsel zu Arch liegt darin begründet, dass ich als Redakteur, Autor und Linux-Blogger auf aktuelle Anwendungen angewiesen bin, aber dazu nicht mit Basteleien die Stabilität meiner Systeme beeinträchtigen möchte.

Ubuntu lässt sich mit PPAs fast so aktuell halten wie eine Arch-Installation. Doch ein allzu zügelloser Einsatz von PPAs birgt die Gefahr, dass sich diese in die Quere kommen – und spätestens beim Upgrade auf die nächste Ubuntu-Generation ist viel Handarbeit angesagt. In der Regel muss man dazu sämtliche Software aus alternativen Paketquellen entfernen, soll das Update ohne Komplikationen durchlaufen. Unter Arch hingegen brauche ich meist gar nicht erst zu alternativen Paketquellen zu greifen: Als Rolling-Release-Distribution bleibt das System immer aktuell und so gut wie jede neue Software, ob quelloffen oder proprietär, lässt sich zur Not über das AUR installieren.

Planen Sie selbst den Umstieg auf Arch, dann empfehle ich Ihnen, sich dazu Zeit zu nehmen und erst einmal ein Testsystem oder einen etwas weniger wichtigen Rechner umzurüsten. Lernen Sie den Umgang mit Pacman und machen Sie sich mit den Grundlagen des Systems vertraut. Das dabei erlangte Wissen hilft Ihnen mit Sicherheit dabei, langfristig mit Arch zurechtzukommen. Zudem lässt sich vieles auf andere Distributionen übertragen.

Schneller klappt der Um- und Einstieg mit Arch-Derivaten wie Antergos oder Manjaro. Damit starten Sie jedoch auch immer mit einem deutlich umfangreicheren System, da die Distributoren von Haus aus versuchen, mit einer Standardinstallation so viele Anwendungsfälle wie möglich abzudecken. Als Alternative bietet sich mit Architect (siehe Artikel in diesem Schwerpunkt) eine menügesteuerte Installation an: So bleiben Sie komplett bei Arch, erleichtern sich jedoch die Installation.

Infos

[1] Ubuntu-Releases: https://wiki.ubuntu.com/Releases

[2] "Release When Ready": https://wiki.debian.org/ReleaseWhenReady

[3] Gentoo: https://www.gentoo.org

[4] Siduction: http://siducation.org

[5] Netrunner: http://www.netrunner.com

[6] Arch Linux: https://www.archlinux.de

[7] Freie GNU/Linux-Distributionen: http://www.gnu.org/distros/free-distros

[8] Warum andere Systeme nicht befürwortet werden: http://www.gnu.org/distros/common-distros.de.html

[9] Calamares: https://calamares.io/

[10] Antergos: https://antergos.com

[11] Manjaro: https://manjaro.github.io/

[12] Architect, Arch Linux Installer: http://architectlinux.boardhost.com

[13] PackageKit: http://www.freedesktop.org/software/PackageKit

[14] Chromium B.S.U.: http://chromium-bsu.sourceforge.net

[15] Pacman-Rosetta: https://wiki.archlinux.org/index.php/Pacman/Rosetta

[16] Stein von Rosette: https://de.wikipedia.org/wiki/Stein_von_Rosette

[17] Inoffizielle Arch-Paketquellen: https://wiki.archlinux.org/index.php/Unofficial_user_repositories

[18] Arch-Paketverwaltung mit Pacman und AUR: Christoph Langner, "Guten Appetit", LU 09/2015, S. 20, http://www.linux-community.de/35328

[19] Arch Linux News Archives: https://www.archlinux.org/news

[20] Nur volle Updates: https://wiki.archlinux.org/index.php/System_maintenance#Partial_upgrades_are_unsupported

[21] Allgemeine Empfehlungen zu Arch: https://wiki.archlinux.org/index.php/General_recommendations

[22] Tipps zur Systemverwaltung: https://wiki.archlinux.org/index.php/System_maintenance

[23] Hinweise zur Sicherheit von Arch: https://wiki.archlinux.org/index.php/Security

[24] Deutschsprachige Arch-Community: https://bbs.archlinux.de

[25] "List of Rolling Release Software Distributions": https://en.wikipedia.org/wiki/Rolling_release#List_of_rolling_release_software_distributions

[26] Interview mit Arch-Gründer Judd Vinet: http://distrowatch.com/dwres.php?resource=interview-arch

[27] Rücktritt von Judd Vinet: https://bbs.archlinux.org/viewtopic.php?id=38024

[28] Arch Linux Developers: https://www.archlinux.org/people/developers

[29] Trusted User: https://wiki.archlinux.org/index.php/Trusted_Users

[30] Anleitung für Einsteiger: https://wiki.archlinux.de/title/Anleitung_f%C3%BCr_Einsteiger

[31] "Linux und Ich wird 'archiger'": https://linuxundich.de/gnu-linux/mein-weg-zu-arch-linux-linux-und-ich-wird-in-zukunft-deutlich-archiger/

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 9 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Guten Appetit
    Als Rolling-Release-Distribution steht Arch Linux vor der Herausforderung, täglich neue Anwendungen und Updates verwalten zu müssen. Der Arch-Paketmanager Pacman stemmt die Arbeit ohne Murren und Knurren. Den offiziellen Paketquellen steht das Arch User Repository zur Seite.
  • Schnell gekontert
    Meist taucht nur wenige Stunden nach dem Release eines quelloffenen Programms dieses bereits in den Paketquellen von Arch Linux auf. Dabei geht schon mal etwas zu Bruch – besonders, wenn Sie Ihr Arch mit Software aus dem AUR anreichern.
  • Die Arch-Derivate Antergos und Manjaro in der Praxis
    Arch Linux will eine einfache, anfängertaugliche Linux-Distribution sein. Die Derivate Manjaro und Antergos legen gar noch eine Scheibe drauf.
  • Mehrwert
    Die prominenten Linux-Distributionen bilden immer wieder die Grundlage für Derivate – so auch bei Arch Linux. Wir sehen nach, wie viel Arch noch in den diversen Ablegern der Rolling-Release-Distribution für fortgeschrittene Anwender steckt.
  • Arch Linux 2010.05 zum Download

    Die Linux-Distribution Arch Linux hat neue Installationsmedien als Snapshot 2010.05 veröffentlicht.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Broadcom Adapter 802.11n nachinstallieren
Thomas Mengel, 31.10.2017 20:06, 2 Antworten
Hallo, kann man nachträglich auf einer Liveversion, MX Linux auf einem USB-Stick, nachträglich...
RUN fsck Manually / Stromausfall
Arno Krug, 29.10.2017 12:51, 1 Antworten
Hallo, nach Absturz des Rechners aufgrund fehlendem Stroms startet Linux nicht mehr wie gewohn...
source.list öffnet sich nicht
sebastian reimann, 27.10.2017 09:32, 2 Antworten
hallo Zusammen Ich habe das problem Das ich meine source.list nicht öffnen kann weiß vlt jemman...
Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 6 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...