Installation

Die Installation etablierter Linux-Distributionen wie OpenSuse, Fedora, Debian oder Ubuntu fällt heutzutage selbst Einsteigern leicht, sofern denn die eingesetzte Hardware mit dem Linux-Kernel harmoniert. Im Rahmen der Distributionen entwickelte Installationsroutinen oder der Einsatz des distributionsunabhängigen Installer-Frameworks Calamares [9] machen die Linux-Installation ebenso unkompliziert wie die eines Windows-Systems. Arch Linux verzichtet jedoch auf derartigen Komfort: Wer es nutzen möchte, muss sich entweder durch die manuelle Installation hangeln (siehe Kasten "Arch Linux installieren"), auf Arch-Derivate wie Antergos [10] oder Manjaro [11] zurückgreifen oder Projekte wie Architect [12] nutzen, einen Arch-Linux-Installer (Abbildung 2).

Abbildung 2: Arch Linux besitzt keine Installationsroutine. Für eine einfachere Installation bieten sich Arch-Derivate oder wie hier auf Architect an.

Arch verzichtet ganz bewusst auf eine eigene Installationsroutine: Zum einen lernen zukünftige Arch-User auf diesem Weg schon viel über das System, zum anderen bietet diese Installationsmethode ein Maximum an Flexibilität. Beim Einspielen einer üblichen Distribution bleibt Ihnen als Anwender höchstens noch beim Partitionieren der Festplatten sowie bei den zu installierenden Desktop-Umgebungen eine Wahl – wenn überhaupt. Mit Arch hingegen bestimmen Sie von Anfang an, welcher Bootloader, welcher Display-Manager oder welcher Kernel zum Einsatz kommen. Ohne Zweifel überfordert dieses Vorgehen Einsteiger, und selbst Fortgeschrittene müssen beim Arch-Einstieg einige harte Nüsse knacken. Als Belohnung winkt jedoch ein auf die eigenen Anforderungen abgestimmtes System ohne jeglichen Ballast, das man, einmal eingerichtet, nie wieder neu installieren muss.

Arch Linux installieren

Für Arch Linux gibt es keine offizielle Installations-DVD mit einer Installationsroutine, wie man sie bei anderen Distributionen findet. Möchten Sie Arch installieren, müssen Sie sich dazu durch die Anleitung für Einsteiger im Arch-Wiki arbeiten [30]. Im Rahmen dieses Artikels verzichten wir bewusst auf eine Aufarbeitung dieser Handreichung, da sie sich aufgrund aktueller Entwicklungen in der Linux-Welt im ständigen Fluss befindet.

Paketmanagement

Schon bei der Installation des Basis-Systems von Arch kommen Sie mit dem Arch-Paketmanager Pacman in Kontakt. Aufgrund des Rolling-Release-Prinzips kommt ihm eine zentrale Rolle zu: Wie bei den von Debian, OpenSuse und Fedora bekannten Pendants Apt-get, Zypper und Dnf arbeiten Sie auch hier vornehmlich in der Konsole. Als Alternative gibt es jedoch in Form von Anwendungen wie Pamac oder aufgrund der Integration von PackageKit [13] (und somit von Programmen wie Gnome Software) grafische Aufsätze zur Paketverwaltung (Abbildung 3).

Abbildung 3: Unter Arch kümmert sich das Kommandozeilenwerkzeug Pacman um das Paketmanagement. Grafische Aufsätze wie Pamac oder Gnome Software bieten sich als Ergänzung an.

Die grafischen Pacman-Frontends beherrschen in der Regel die Suche nach sowie das Einspielen, Deinstallieren und Aktualisieren von Paketen. Für erweiterte Funktionen müssen Sie auf Pacman zurückgreifen. Generell lohnt es sich, wie bei Apt-get und Co. die grundlegenden Funktionen des Konsolen-Paketmanagers zu erlernen (siehe Tabelle "Pacman-Grundlagen"): Mit einigen wenigen Pacman-Kommandos kommen Sie oft schneller ans Ziel als mit grafischen Frontends.

Pacman-Grundlagen

Befehl Funktion
pacman -Ss Begriff durchsucht die Paketdatenbank nach dem angegebenen Begriff
pacman -S Paket installiert das Paket mitsamt Abhängigkeiten
pacman -Sy aktualisiert die lokale Paketdatenbank
pacman -Su installiert anstehende Updates der installierten Pakete
pacman -Syu liest die Paketquellen neu ein und installiert alle verfügbaren Updates
pacman -R Paket deinstalliert das Paket
pacman -Rs Paket entfernt das Paket mitsamt nicht mehr benötigter Abhängigkeiten
pacman -Rss Paket löscht das Paket mitsamt nicht mehr benötigter Abhängigkeiten und deren Abhängigkeiten

Im Gegensatz zu Apt aus Debian und dessen Derivaten wie Ubuntu unterscheidet die Paketverwaltung von Arch nicht zwischen unterschiedlichen Programme wie Apt-get, Apt-cache oder Apt-key: Unter Arch arbeiten Sie in der Regel immer mit Pacman plus einer entsprechenden Option. Mit pacman -S chromium etwa durchsuchen Sie die Paketquellen etwa nach allem, was den Begriff "Chromium" im Paketnamen oder der Beschreibung trägt (Abbildung 4). Mit pacman -Ss chromium-bsu spielen Sie dann zum Beispiel das Spiel Chromium B.S.U. [14] ein (Abbildung 5).

Abbildung 4: In der Regel steuern Sie die Paketverwaltung am schnellsten über ein Terminal. Hier durchsuchen wir die Paketdatenbank.
Abbildung 5: Bei der Installation von Paketen zieht Pacman das gewünschte Programm mitsamt der benötigen Abhängigkeiten aus dem Netz.

Beim Umstieg von anderen Distributionen hilft Ihnen besonders der Rosettastein [15], ein Artikel im Arch-Wiki. Sein Name bezieht sich auf den aus vorchristlicher Zeit stammenden Stein von Rosette [16] gemeint, der dieselbe Inschrift in Hieroglyphen, Demotisch und Altgriechisch trägt und somit erstmals Übersetzungen zwischen diesen Schriften ermöglichte. In ähnlicher Manier stellt der Arch-Rosettastein gebräuchliche Kommandos zur Paketverwaltung von Red Hat / Fedora, Debian / Ubuntu, Suse / OpenSuse, Gentoo und eben Arch Linux nebeneinander.

Neben den offiziellen Repositories gibt es auch inoffiziellen Paketquellen für Arch [17], die Sie über entsprechende Zeilen in der /etc/pacman.conf einbinden. Alternativ beinhaltet das sogenannte Arch-User-Repository (kurz AUR) eine Vielfalt an Paketen, die es bisher noch nicht in die offiziellen Paketquellen geschafft haben. Anders als Ubuntu-PPAs mit ähnlicher Funktion enthält das AUR selbst keine Software, sondern listet nur Kochrezepte (im Arch-Jargon PKGBUILDS) auf, die die Installation des jeweiligen Pakets aus dem Quellcode, anderen Paketformaten wie DEB oder RPM sowie binären Archiven beschreiben. Mit AUR-Helper-Programmen wie Yaourt oder Pacaur lassen sich diese Programme dann leicht installieren.

Alle Details der Paketverwaltung von Arch wie die Handhabung von Pacman, das Hinzufügen von Paketquellen sowie den Zugriff auf das AUR erklärt der Artikel "Guten Appetit" aus LinuxUser 09/2015 [18]. Sie finden den Beitrag auch auf der Heft-DVD dieser Ausgabe sowie online im Netz, sodass wir uns an dieser Stelle eine Reprise schenken. Wir konzentrieren uns im Folgenden vielmehr auf die alltägliche Praxis mit und die Besonderheiten von Arch.

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