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© racorn, 123RF

Mit Gthumb Bilder betrachten, bearbeiten und präsentieren

Daumen hoch

Wie alle Arbeitsoberflächen unter Linux bringt der Gnome-Desktop viele eigene kleine Programme mit. Eine der Perlen unter diesen Applikationen ist der Bildbetrachter Gthumb.

Bildbetrachter gibt es unter Linux wie Sand am Meer. Dabei bieten einige dieser Programme Zusatzfunktionen, die in vielen Fällen den Einsatz einer kompletten Bildbearbeitung erübrigen. Eine besonders gelungene Kombination aus Bildbetrachter und Bildbearbeitung für den Alltagsgebrauch bietet das Programm Gthumb [1]. Es erfuhr mit der Umstellung auf das GTK3 ein komplettes Redesign mitsamt zahlreichen neuen Funktionen.

Seit der Version 3.0.0 nutzt Gthumb das GTK3-Toolkit von Gnome, die aktuelle Version 3.4.1 arbeitet daher am besten unter Desktop-Umgebungen wie Gnome oder Cinnamon. In Kombination mit anderen Desktops kommt es eventuell bei der Darstellung der Client-side Decorations, also der in die Fensterleiste integrierten Menüs und Schaltflächen, zu Fehlern. Diese lassen sich jedoch mit einem Patch beheben [2].

Oberflächliches

Das Programm begrüßt Sie mit einer etwas gewöhnungsbedürftigen Oberfläche, die den mit Version 3 eingeführten Gnome-Konventionen entspricht. Im Modus zum Bearbeiten von Bildern zeigt Gthumb im oberen Bereich des Fensters links die aktuelle Bilddatei, während unten über die gesamte Breite horizontal eine Leiste mit Vorschauen der restlichen Bilder im aktiven Ordner erscheint (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Oberfläche von Gthumb bietet nach dem ersten Start einen aufgeräumten Anblick.

Rechts im Programmfenster und oben horizontal angeordnet finden Sie unterschiedliche Schaltflächen, die in der Seitenleiste verschiedene Funktionen aktivieren. Eine herkömmliche Menüleiste fehlt. Beachten Sie, dass unter Gnome 3 mit der Einführung der Client-side Decorations einige Bedienelemente im Fenster der Applikation erscheinen, die üblicherweise der Fenstermanager bereitstellt. Dadurch tauchen etwa die Buttons zum Minimieren, Maximieren und Schließen in anderen Desktop-Umgebungen doppelt auf, was sich jedoch nicht auf die Funktion auswirkt.

Die einzelnen Piktogramme auf den Schaltflächen erschließen sich dabei nicht in allen Fällen auf den ersten Blick. Daher zeigt die Software deren Funktionen in einem Tooltipp an, sobald Sie den Mauszeiger darüber bewegen. Während Sie über die Schaltflächen links oben die Ansicht des Bilds verändern oder dieses drehen, finden Sie rechts oben Buttons, mit denen Sie Modifikationen an der Datei vornehmen.

Der ganz links befindliche Schaltknopf Eigenschaften listet die Eigenschaften des Bilds in Form einer Tabelle auf. Derjenige daneben mit dem Titel Datei bearbeiten verzweigt in das Menü zum Bearbeiten: Hier wählen Sie bei Bedarf in der Gruppe Farben aus sieben Funktionen, wobei zusätzlich die Möglichkeit besteht, Inhalte nachträglich zu schärfen. Besonders interessant wirkt die erste Funktion Automatischer Kontrastabgleich: Im Test gelang es damit, kontrastarme Fotos von Landschaften, die aufgrund von starker Sonneneinstrahlung und Nebelbildung sehr verwaschen wirkten, deutlich zu verbessern, ohne dabei gleichzeitig die Helligkeit herabzusetzen.

Mit der Schaltfläche rechts daneben nehmen Sie einen kompletten Farbabgleich vor: Dazu zählen neben dem manuellen Einstellen von Helligkeit, Kontrast, Sättigung und Gamma-Wert per Schieberegler das Anpassen der Anzahl der Farben, wobei diese voreingestellt dem additiven Farbmodell [3] entsprechen. Der dritte Schaltknopf Schärfe verbessern ermöglicht das Nachschärfen eines Bilds. Dabei blendet die Software einen kleinen Ausschnitt des Bilds als Vorschau ein, sodass Sie dadurch noch vor dem eigentlichen Bearbeiten erkennen, ob sich durch zu restriktive Einstellungen sichtbare Artefakte zeigen. Mit der Option Graustufen verwandeln Sie das Bild in eine Schwarzweiß-Aufnahme.

Die zweite Reihe an Schaltflächen in der Rubrik Farben bietet die Möglichkeit, über Histogramms die Farbwerte und Helligkeiten möglichst gleichmäßig über das ganze Bild hinweg anzupassen. Unter Special Effects finden Sie Instagram-typische Filter wie Vintage, Lomo oder Blurred Edges, der an den Rändern des Bilds eine Unschärfe aufbringt. Hinter der letzten Schaltfläche verbirgt sich eine Funktion, die bei Aufnahmen mit zugeschaltetem Blitz den Rote-Augen-Effekt korrigiert.

Da Gthumb alle Modifikationen sofort umsetzt, sehen Sie umgehend, ob die gewählte Option tatsächlich die Bildqualität in Ihrem Sinne beeinflusst. Gelingt das nicht, nehmen Sie die letzte Operation durch einen Klick auf den Schalter Zurücksetzen oben rechts im Programmfenster zurück. In der Button-Gruppe Drehung bietet Gthumb verschiedene Optionen zum Drehen und Spiegeln des angezeigten Bilds an. Die Funktion Drehen zum freien Ausrichten schneidet das Bild auf Wunsch automatisch auf das ursprüngliche Format zu, sodass sich eine größere Anzahl an Bildern mit schiefem Horizont schnell korrigieren lässt.

Die Gruppe Format bietet Funktionen, um das Bild zuzuschneiden und in der Größe zu modifizieren. So ändern Sie ein Bild, das Sie später im Vollformat auf einer Postkarte abbilden möchten, per Mausklick in den dafür nötigen Formfaktor 3:2. Die Software legt dabei auf das aktive Bild während des Bearbeitens ein Gitter, über das Sie mit der Maus den zu berücksichtigenden Ausschnitt festlegen. Mit Speichern oder Speichern unter aus dem Menü sichern Sie die Änderungen auf die Festplatte.

Suchfunktion

Lagern auf dem Massenspeicher große Bildersammlungen, so gerät das Verwalten der einzelnen Alben zunehmend unübersichtlich. Gthumb bietet für diesen Fall nicht nur die Option, Duplikate zu suchen, sondern erleichtert die Suche nach Bildern durch die Ansicht der eigentlichen Ordner auf der Festplatte. Diese blenden Sie nach einem Klick auf den mit Die Ordner anzeigen betitelten Knopf mit dem Pfeil nach links ganz links oben im Bearbeitungsfenster ein.

Gthumb öffnet nun links im Programmfenster einen Verzeichnisbaum, während es rechts in einem großen Bereich Vorschaubilder aus dem jeweils aktiven Verzeichnis in Form einer Liste anzeigt (Abbildung 2). Befinden sich neben Bildern zusätzlich Videos im geöffneten Verzeichnis, so erstellt Gthumb auch zu diesen eine Vorschau – das funktioniert allerdings nur mit Gnome als Desktop-Umgebung zuverlässig. Durch einen einfachen Mausklick auf ein Bild öffnen Sie es, wobei Gthumb dann wiederum sofort in den Modus zum Bearbeiten wechselt.

Abbildung 2: In der Ordneransicht durchstöbern Sie auch große Bildersammlungen nach dem richtigen Bild.

Bei umfangreich verschachtelten Verzeichnissen kommt es manchmal vor, dass die Suche per Durchblättern der Verzeichnisse langwierig ausfällt. Gthumb wartet daher mit einer weiteren Suchfunktion auf, die Sie durch Anklicken des Buttons Dateien suchen oben links im Fenster starten. Hier ermöglicht Gthumb anhand vorgegebener Kriterien, die Sie aus einer Liste wählen und miteinander kombinieren dürfen, eine sehr zielgerichtete Suche nach einzelnen Bildern.

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