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Arch-Linux-Derivat ohne Hürden für Einsteiger

Datenjongleur

Die gängigen Linux-Distributionen zielen primär auf stationäre Computersysteme ab. Der Newcomer Apricity OS dagegen wendet sich verstärkt an jene Zielgruppe, die Cloud-Dienste nutzt und ihr digitales Leben im Internet verbringt.

Mit Apricity OS [1] steigt eine neue Linux-Distribution in den Ring, die vieles anders macht als die Konkurrenten: So basiert sie auf Arch Linux, einer Distribution, die landläufig als Betriebssystem für ambitionierte Profis gilt und sich für Einsteiger eher weniger eignet. Dabei bedient sich der Neuling nicht nur beim Original, sondern nimmt auch beim Arch-Ableger Antergos Anleihen und integriert den grafischen Antergos-Installer Cnchi, der optisch und funktionell der Ubuntu-Installationsroutine ähnelt.

Neben diesen Änderungen unter der Haube nahmen sich die Entwickler den Gnome-Desktop vor, sodass dieser nun auf den ersten Blick ein wenig an eine ChromeOS-Installation [2] erinnert. Dazu möblierte das Team die Oberfläche mit einer Toolbar unten mittig am Bildschirmrand und einem modern wirkenden Theme massiv auf. Außerdem findet sich der aus Peppermint OS [3] herausgelöste Ice-Webstarter in Apricity. Er ermöglicht es, aus einem Applikationsmenü heraus Webseiten wie lokal installierte Anwendungen mit nur einem Mausklick aufzurufen. Das lohnt sich besonders für Online-Anwendungen wie Webmailer oder häufig genutzte Social-Network-Dienste wie Facebook und Twitter.

Auf die Platte

Apricity OS kommt als reines 64-Bit-Betriebssystem und lässt sich daher auf einigen älteren Rechnern nicht nutzen. Von einer DVD oder einem USB-Stick geladen, startet das 1,8 GByte große ISO-Image in einen optisch nur wenig aufgepeppten Grub-Bildschirm, der keine sofortige Installation auf einem Massenspeicher zulässt, sondern zunächst ein Live-System aufruft. In der darin automatisch gestarteten Gnome-Oberfläche lässt sich dann der grafische Installer Cnchi aufrufen, der das Betriebssystem in ähnlich einfacher Weise wie bei Ubuntu auf die Festplatte oder SSD packt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die grafisch unterstützte Installation von Apricity OS geht einfach vonstatten.

Nach einem Neustart empfängt Sie eine ungewöhnlich aufgebaute Gnome-Umgebung: Auf der Arbeitsoberfläche selbst befinden sich nur zwei übergroße Icons, während der untere Rand eine Toolbar mit einer stattlichen Anzahl von Applikationsstartern beherbergt. Hierbei handelt es sich nicht nur um Starter für lokal installierte Programme, sondern auch um solche, die in Unterordner der Dateiverwaltung verzweigen. Klicken Sie oben links auf den Schalter Aktivitäten, öffnet sich nicht wie üblich die Anwendungsübersicht von Gnome mit allen installierten Programmen, sondern lediglich eine Suchmaske sowie eine Übersicht über die vier voreingestellten Arbeitsoberflächen.

Der neben dem Aktivitäten-Schalter befindliche Button Orte dagegen verzweigt in die gewohnte Ordnerstruktur zur Datenablage. Die in der Anwendungsübersicht vertikal verlaufende Gnome-Dash am linken Bildschirmrand, die aktive und häufig genutzte Applikationssymbole enthält, gibt es bei Apricity OS nicht – sie lässt sich allerdings bei Bedarf wieder anschalten. Die Anwendungsübersicht holen Sie mit einem Klick auf den ganz rechts in der Toolbar befindlichen Starter Anwendungen anzeigen hervor (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Anwendungsübersicht müssen Sie in Apricity OS aus der Toolbar heraus aufrufen.

Unter der Haube

Neben diesen offensichtlichen Modifikationen beherbergt Apricity OS auch in den Tiefen des Betriebssystems einige Neuerungen. Echte Roadwarriors, die häufig lange unterwegs am Notebook arbeiten und daher Stromsparmechanismen zur Verlängerung der Akkulaufzeit sehr zu schätzen wissen, freuen sich über die Integration der TLP-Tools [4]. Diese reduzieren bei allen gängigen mobilen Computersystemen den Stromverbrauch, zusätzlich lassen sich bei IBM- oder Lenovo-Notebooks noch Akkuladeschwellen definieren.

Die Entwickler rühmen darüber hinaus die grafischen Fähigkeiten des Betriebssystems: So eignet sich Apricity OS bereits für UHD-Displays mit extrem hohen Pixeldichten. Hier profitiert das System von Gnome, das bei dieser technischen Entwicklung im Moment die Nase vorne hat. Die von Ubuntu entlehnte Uncomplicated Firewall mit grafischem Frontend rundet das Potpourri der vorinstallierten Software ab. Die Paketverwaltung setzt direkt auf die Arch-Quellen auf, der Rolling-Release-Charakter der Mutterdistribution bleibt somit erhalten.

Das Betriebssystem haben die Entwickler vor allem durch das Abwerfen von Ballast beim Gnome-Desktop erheblich verschlankt. Im Test resultierten diese Optimierungen tatsächlich selbst auf Systemen mit relativ langsamer Festplattenanbindung in einem recht zügigen Startverhalten und einer überraschend agilen Arbeitsoberfläche.

So kommt Apricity OS direkt nach dem Booten ohne gestartete Applikationssoftware auf einen recht moderaten Arbeitsspeicherbedarf von lediglich rund 500 MByte. Auf dem Massenspeicher nimmt das Betriebssystem nach der Erstinstallation rund 5,8 GByte in Beschlag, was man angesichts der recht vollständigen Softwareausstattung getrost ebenfalls als erfreulich ressourcenschonend bezeichnen darf.

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