4M Rescue Kit

Das noch ressourcenschonendere 4M Rescue Kit dagegen ist ausschließlich für den Einsatz als Rettungssystem auf Desktop-Computern gedacht und bietet zudem ein etwas außergewöhnliches Konzept: Im Bootmanager Grub finden Sie vier Optionen zur Auswahl, die jeweils eine minimale Systemumgebung mit den entsprechenden Werkzeugen darin starten. Genaugenommen besteht das 4M Rescue Kit also aus vier Linux-Minimalsystemen auf einem Datenträger. Voll ausgestattete grafische Oberflächen suchen Sie ebenso vergeblich wie zusätzliche Software-Applikationen.

Dass das Einsatzspektrum der Mini-Distribution über den Linux-Tellerrand hinausreicht, zeigt bereits die erste Bootoption: Mit Auswahl der AntivirusLiveCD startet der Virenscanner ClamAV, der ohne grafische Oberfläche auskommt und komplett im Textmodus arbeitet. Sie melden sich nach dem Start als User root und mit dem Passwort root an. Eine Kurzanleitung zur Bedienung rufen Sie mit dem Kommando helpme auf. Da ein isolierter Virenscanner wenig Sinn macht, finden Sie zusätzlich noch den Midnight Commander sowie ein Backup- und Recovery-Programm im System. Mit Links steht zudem ein kleiner, textbasierten Webbrowser bereit.

Über den Starter BackAndImgCD im Grub-Bootmenü aktivieren Sie Backup- und Imaging-Routinen, die es Ihnen gestatten, sowohl einzelne Verzeichnisse als auch komplette Laufwerke zu sichern. Letzteres erweist sich insbesondere dann als besonders nützlich, wenn Sie mit dem System experimentieren, zuvor aber einen Snapshot anfertigen möchten, um die vorhandene Partition im Falle technischer Probleme oder eines Datenverlustes schnell wieder rekonstruieren zu können. Auch hier melden Sie sich als Benutzer root mit identischem Passwort an und erhalten mit helpme eine kompakte Einführung in die drei vorhandenen Routinen.

Das 4M Rescue Kit bietet mit den Kommandozeilen-Programmen Backup, Fsbackup und Image gleich drei Alternativen, um Daten zu sichern oder Abbilddateien anzufertigen. Dabei beschränkt sich das System nicht auf lokale Datenträger: Sie können die zu sichernden Daten oder Images auch an einen FTP-Server senden. Dazu bietet das minimalistische System sogar die Option, die Netzwerkkonfiguration mithilfe des Befehls netconfig anzupassen. Als Übertragungswege kommen dabei neben herkömmlichen (W)LAN-Verbindungen auch Modem-Verbindungen infrage.

Die dritte im Grub-Startmenü aufgeführte Option, 4MParted, dient dem Bearbeiten von Partitionstabellen mithilfe des grafischen Werkzeugs GParted. Damit erledigen Sie alle rund um die Partitionstabellen eines Massenspeichers anfallenden Arbeiten, wobei sich das Werkzeug dank der Unterstützung einer ganzen Reihe von proprietären Dateisystemen auch in heterogenen Umgebungen wohlfühlt. Da eine Fehlbedienung von GParted jedoch schnell Probleme bis hin zum Datenverlust verursachen kann, empfiehlt sich für Einsteiger zunächst ein Blick in die Hilfeseiten des Programms.

Die vierte und letzte Startoption 4MRecover aktiviert wie die dritte Alternative ein Tool mit grafischer Oberfläche: Nach dem Aufruf lädt PhotoRec in Version 7.0, das die Rekonstruktion gelöschter Daten ermöglicht. PhotoRec unterstützt wie GParted auch verschiedene proprietäre Dateisysteme und eignet sich daher gut für Nutzer in heterogenen Umgebungen. Da die Software im Vollbildmodus arbeitet, können Sie zunächst keine weitere Applikation aufrufen. Möchten Sie mit einzelnen Dateien oder Verzeichnissen arbeiten, schieben Sie mit einen Klick auf die Schaltfläche Quit PhotoRec in den Hintergrund, während sich gleichzeitig das Programmfenster des Midnight Commanders öffnet. Sobald Sie die Arbeiten im Midnight Commander abgeschlossen haben, drücken Sie [F10] und wechseln damit erneut in das Fenster von PhotoRec (Abbildung 5).

Abbildung 5: Mit PhotoRec rekonstruieren Sie einzelne Dateien und Verzeichnisse.

Fazit

Die aktuellen 4MLinux-Derivate eignen sich nicht nur für den Einsatz auf betagten Rechnern mit begrenzter Leistungsfähigkeit der Hardware, sondern geben zusätzlich auch auf modernen Maschinen eine ausgezeichnete Figur als Rettungssystem ab. Dabei stehen weniger netzwerkspezifische Aufgaben im Vordergrund, sondern vielmehr die Wartung und Rekonstruktion von Arbeitsplatzrechnern. Die Vollversion von 4MLinux macht zusätzlich auf älteren Systemen als Allrounder eine gute Figur, wobei die geringen Hardwareanforderungen selbst zehn Jahre alten Computersystemen neues Leben einhauchen. Für Systemadministratoren, die zügig arbeitende Rettungssysteme ohne jeden zusätzlichen Ballast benötigen, ist 4MLinux daher durchaus einen Blick wert. 

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