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© Liliya Kulianionak, 123RF

Rettungssystem mit 4MLinux

Im Doppelpack

Mit zwei sehr schlanken Varianten stellt 4MLinux auch Nutzern älterer Hardware gängige Wartungs- und Rettungstools zur Verfügung.

Das aus Polen stammende 4MLinux gilt als guter Allrounder für betagte Hardware. Dabei konzentrieren sich die Programmierer auf die vier Bereiche Maintenance (Systemwartung), Multimedia, Miniserver und Mystery (Spiele). Daneben stellt das Entwicklerteam auf der Projektseite unter http://4mlinux.com mit dem 4MLinux Rescue Kit ein ausschließlich mit Tools zur Daten- und Systemwiederherstellung bestücktes Rettungssystem bereit.

Die Hauptvariante der kürzlich erschienenen Version 13.1 läuft bereits auf Pentium-Prozessoren der ersten Generationen und begnügt sich mit 128 MByte Haupt- und 1 GByte Festplattenspeicher. Für den Live-Betrieb benötigt der Rechner allerdings mindestens 1 GByte RAM. Die ISO-Images der 4MLinux-Varianten passen problemlos selbst auf eine CD: So beansprucht die Vollversion des unter der GPLv3 vertriebenen Systems gerade einmal rund 360 MByte, während das 4MLinux Rescue Kit sogar mit lediglich gut 200 MByte auskommt.

Dafür erhalten Sie in der Komplettvariante ein Betriebssystem mit grafischer Oberfläche, für die der extrem schlanke Window-Manager JWM in Kombination mit Windowmaker verantwortlich zeichnet. Zugleich ist das System gemäß der Entwicklungsphilosophie mit einem ansehnlichen Fundus an schlanker Software bestückt.

Das 4M Rescue Kit konzentriert sich hingegen unter Verzicht einer grafischen Oberfläche ganz auf seine Aufgabe als Rettungssystem: Es besteht faktisch aus vier unabhängig voneinander genutzten Betriebssystemteilen, die die gängigen Wartungsaufgaben wie Virenprüfung für heterogene Umgebungen, Dateisicherung und damit einhergehend das Anlegen eines Images, Massenspeicherpartitionierung und das Zurücksichern von gespeicherten Daten umfassen. Das 4M Rescue Kit dient als reines Live-System und besitzt deswegen auch keine Installationsroutine.

Einstieg in 4M

Der schlicht gehaltene Grub-Bootmanager der Vollversion bietet drei Optionen an: Die ersten beiden starten das Live-System, wobei im Falle von Problemen mit der Grafik-Hardware der VESA-Framebuffer für Abhilfe sorgt. Hierbei bittet Sie das System kurz nach dem Start, durch Drücken der Eingabetaste und Auswahl eines geeigneten Videomodus die Hardwareprobleme zu umgehen. Der als dritte Option angebotene Legacy-Installer befördert in wenigen Schritten das System auf die Festplatte.

Beachten Sie, dass der von 4MLinux genutzte Kernel einen Prozessor mit PAE-Unterstützung erwartet: Zwar kam diese Technologie bereits 1995 mit dem Pentium-Pro-Prozessor erstmals zum Einsatz, wurde jedoch bei einigen späteren Prozessoren wie den ersten Pentium-M-Baureihen deaktiviert. Auch einige Intel-Atom-Prozessoren unterstützen den PAE-Modus nicht.

Im Live-Betrieb öffnet sich zunächst ein Terminalfenster, in dem Sie die Lokalisierung des Systems einrichten. Das voreingestellte LANG=en ändern Sie in LANG=de. Anschließend öffnet sich rechts auf dem Desktop der Conky-Monitor, der eine vertikale Statusanzeige mit verschiedenen Parametern des laufenden Systems zeigt. Am oberen Rand zeigt der Desktop mittig eine Icon-Leiste zum Start der wichtigsten Programme.

Conky beansprucht verhältnismäßig viele Ressourcen. Im Bedarfsfall deaktivieren Sie die Statusanzeige mithilfe eines Klicks auf den ganz rechts in der Starterleiste befindlichen Button Conky ON/OFF. Am unteren Rand befindet sich eine horizontale Panelleiste mit einigen Startern und einem System-Tray mit Informationen. Auf dem Desktop selbst finden Sie ein einziges Icon. Ein Klick darauf öffnet das Home-Verzeichnis (Abbildung 1).

Abbildung 1: Wirkt ganz und gar nicht veraltet: der Desktop von 4MLinux.

Rettungssystem

Anders als die meisten herkömmlichen Linux-Distributionen bringt 4MLinux bereits in der Standardvariante eine große Anzahl von Anwendungen für Wartungsaufgaben sowie die System- und Datenrettung mit: Im Untermenü Maintenance finden Sie fünf Untergruppen, die sich jeweils spezifischen Aufgaben widmen: Partitions, Data, CD/DVD, SystemMonitor und MiscTools (Abbildung 2).

Abbildung 2: Ohne Nachinstallation von Software ist 4MLinux aus dem Stand als Rettungssystem zu gebrauchen.

Unter Partitions finden Sie neben mehreren Programmen zur Partitionierung von Massenspeichern auch einen Starter für den Abruf der SMART-Werte der Festplatte oder SSD. Zudem haben die Entwickler von 4MLinux bereits Partitionierungssoftware in das System integriert, die auch den Umgang mit GPT-Partitionstabellen beherrscht: Sofern Sie also sehr große Massenspeicher mit Kapazitäten von über 2 TByte nutzen, lassen sich diese problemlos mit 4MLinux aus dem Stand verwalten, ohne Software nachinstallieren zu müssen.

Ähnlich umfassend zeigt sich die Softwareausstattung in der Gruppe Data: Hier finden Sie neben unterschiedlichen Programmen zum Anlegen eines Backups und zur Rücksicherung vorhandener Daten auch einen Wiping genannten Starter. Dieser öffnet die Ncurses-basierte Applikation Nwipe, mit deren Hilfe Sie Inhalte unwiederbringlich vom Massenspeicher radieren (Abbildung 3). Die Gruppe CD/DVD integriert insgesamt vier Starter für den Umgang mit optischen Datenträgern, darunter mit Flburn ein sehr schlankes und eher unbekanntes Brennprogramm.

Abbildung 3: Damit vertrauliche Daten vertraulich bleiben: Nwipe.

In der Gruppe SystemMonitor versammeln sich zahlreiche Monitoring-Programme, wobei es sich ausnahmslos um Ncurses-Applikationen handelt, die keine grafische Oberfläche mitbringen und im Terminal laufen. Die Werkzeuge bieten entweder einen Überblick über das gesamte System oder widmen sich einem speziellen Bereich, wie etwa der Netzwerkanbindung. Mit Ncdu ist auch eine Software zur Analyse des Speicherverbrauchs auf Massenspeichern vertreten; Htop dagegen visualisiert laufende Prozesse im System. Viele der Programme blenden beim Start eine Schnellhilfe zur Tastenbelegung ein, sodass die Bedienung keine großen Probleme bereitet (Abbildung 4).

Abbildung 4: Auch die Systemprüfung kommt bei 4MLinux nicht zu kurz.

Die letzte Gruppe MiscTools umfasst neben dem Dateiarchivierer Xarchiver auch Unetbootin sowie das Antivirusprogramm ClamAV für den Einsatz insbesondere in heterogenen Umgebungen. Im Untermenü FileManagers der Gruppe MiscTools greifen Sie zudem auf den wieselflinken Dateimanager PcmanFM oder alternativ den Midnight Commander zurück, der dem legendären Norton Commander unter DOS nachempfunden ist.

Die Vollversion von 4MLinux eignet sich aufgrund ihres schlanken Designs und der integrierten Tools zur Systemwartung und Reparatur durchaus auch als Rettungssystem, das für alltägliche Aufgaben im Bereich von Arbeitsplatzrechnern nützliche Dienste leisten kann.

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