Mangelwirtschaft

Vergleiche mit den Stores von Google oder Apple hält der frugal bestückte Canonical-Shop nicht im Ansatz stand. Darüber hinaus erweisen sich viele der Angebote daraus als reine Webapps, die nur eine auf Mobilgeräte optimierte Ansicht der ursprünglichen Website laden. Das bringt allerdings gleich mehrere Nachteile mit sich: So läuft eine Vielzahl dieser Anwendungen zäh. Nach jeder Interaktion heißt es laden und warten. Zudem verschenken die Webapps wertvollen Platz auf dem Display, da sie meist einen überflüssigen Balken im oberen Bildschirmbereich einblenden, der die Internetadresse des gerade geladenen Dienstes anzeigt. Erst darunter kommen der Kopf und dann der Inhalt der Website.

Bei den weiteren Apps handelt es sich größtenteils um Anwendungen eher unbekannter Entwickler. Die vermisste Kalender-Anwendung luden wir als Erstes aus dem Ubuntu-Store nach, direkt vom Hersteller Canonical. Sie vermag nicht zu überzeugen: Die einfach gehaltene App verwaltet nur einen Kalender, zum Datenabgleich bietet sie ausschließlich den Dienst von Google an. Synchronisierungen, etwa zu CalDAV-basierten Servern, oder gar die Kommunikation über proprietäre, aber verbreitete Protokolle wie Exchange liegen der App gänzlich fern. Auch die Anwendung zur Kontaktverwaltung mag sich nicht mit Servern abgleichen. Ebenso wenig gelingt es beiden, Kontakt- oder Kalender-Daten mit einer lokalen Ubuntu-Instanz auszustauschen.

Generell zeichnen sich sowohl die Anwendungen auf dem Telefon als auch jene, die wir nachträglich installierten, durch sehr geringe Komplexität aus. Dafür haben Sie zumindest theoretisch die Möglichkeit, auch Software aus den normalen Ubuntu-Repositories zu installieren. Angesichts fehlender Anpassung und der geringeren Bildschirmgröße von Mobilgeräten bleibt der Nutzen dieser Alternative jedoch zweifelhaft.

Null Sicherheit aus Faulheit

Einen Ausreißer gibt es: Das Terminal bietet den vollen gewohnten Funktionsumfang. Dabei fällt jedoch eine durchaus problematische Eigenheit des Telefons auf: Verzichten Sie, aus welchem Grund auch immer, beim Einrichten auf eine Telefon-PIN beziehungsweise auf ein Passwort, öffnen Sie damit unabsichtlich eine gravierende Sicherheitslücke.

Denn PIN oder Passwort zum Entsperren des Telefons dienen auch gleichzeitig als User-Passwort, mit dem sich die Sudo-Funktion aufrufen und nutzen lässt. Setzen Sie keinen Schutz, geben Sie damit gleichzeitig die Root-Rechte für jedermann frei (Abbildung 4). Ein Angreifer kann auf einem Ubuntu-Phone also mit etwas Glück nahezu ohne Aufwand alles anstellen, was er möchte – im Zweifel unbemerkt vom Nutzer.

Abbildung 4: Wer auf PIN oder Passwort beim Einrichten des Smartphones verzichtet, macht Angreifern den Zugang zum Telefon leicht.

Ohne Schutz bleibt auch, wer zum Sperren des Telefons nur auf eine Wischgeste setzt. Zwar warnt Ubuntu, dass es dabei keine Sicherheit gäbe. Dass sich diese Warnung jedoch nicht nur auf die schnell erreichbaren Daten im Telefon bezieht, etwa Kontakte oder Bilder, sondern auch auf die Sudo-Freigabe, das dürfte den meisten Nutzern nicht klar sein.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Bq Aquaris M10 mit Ubuntu vorgestellt
    Canonical und der spanische Hardware-Hersteller Bq haben jetzt offiziell einen Tablet-PC mit Ubuntu als Betriebssystem angekündigt. Das Aquaris M10 kommt mit einem 10,1 Zoll-Bildschirm und lässt sich mit einer Tastatur und Maus in ein Desktop-System verwandeln.
  • Ubuntu für unterwegs
    Lange haben Ubuntu-Fans auf diesen Augenblick gewartet: Canonical liefert über seinen Partner Bq das erste offizielle Ubuntu Phone weltweit aus. Die Android- und iOS-Alternative weiß im Test zu überzeugen, wenn es auch noch Verbesserungspotenzial gibt.
  • Ubuntu-Tablet steht offenbar vor der Tür
    Auf dem Mobile World Congress 2016 will laut der spanischen Nachrichtenseite Xataka der Hardwarehersteller Bq einen Tablet-PC mit Ubuntu vorstellen. Das offenbar Aquaris M10 getaufte Modell soll erstmals den sogenannten Convergence-Modus bieten.
  • Frisch serviert
    Vor Kurzem ging das weltweit erste Ubuntu-Tablet mit Convergence an den Start. Grund genug, sich das Gerät genauer anzuschauen.
  • Erste Ubuntu Smartphones auf der MWC und App Showdown 2014
    Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona hat Canonical erste Smartphones von Meizu und bq mit Ubuntu gezeigt. Zudem ruft das Unternehmen zur Teilnahme am Ubuntu App Showdown 2014 auf – zu gewinnen gibt es ein Nexus 7 und zwei Meizu-Smartphones.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Broadcom Adapter 802.11n nachinstallieren
Thomas Mengel, 31.10.2017 20:06, 2 Antworten
Hallo, kann man nachträglich auf einer Liveversion, MX Linux auf einem USB-Stick, nachträglich...
RUN fsck Manually / Stromausfall
Arno Krug, 29.10.2017 12:51, 1 Antworten
Hallo, nach Absturz des Rechners aufgrund fehlendem Stroms startet Linux nicht mehr wie gewohn...
source.list öffnet sich nicht
sebastian reimann, 27.10.2017 09:32, 2 Antworten
hallo Zusammen Ich habe das problem Das ich meine source.list nicht öffnen kann weiß vlt jemman...
Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 6 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...