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Aquaris 4.5 Ubuntu Edition

Spartanisch

Seit Anfang 2015 bietet das Unternehmen bq das erste ab Werk mit Ubuntu bestückte Smartphone an. Wir prüfen, wie gut es sich im Alltag schlägt.

Was Microsoft mit seinem jüngsten System stolz hervorhebt, das kennen Ubuntu-Nutzer schon länger: Ein einheitliches System für Desktop, Notebook, Tablet, Smartphone und Einplatinenrechner. Der spanische Hersteller bq [1] optimierte es für die mobile Nutzung und veröffentlichte Anfang des Jahres das Smartphone bq Aquaris E4.5 Ubuntu Edition [2].

Kaum lag es auf dem Schreibtisch, sorgte es gleich für Begeisterung: Das Ehegespons des Testers erblickte das rundherum tiefschwarze Telefon und rief erfreut: "Das sieht ja gut aus!". Damit bestand das Smartphone erfolgreich den ersten Test: Anscheinend gefällt es auch Nicht-Linuxern ganz gut. In Bezug auf die Haptik ließe sich hinzufügen: Das Telefon sieht nicht nur gut aus, es liegt auch gut in der Hand. Die Abmaße entsprechen in etwa denen des iPhone 6, das E4.5 fällt jedoch deutlich dicker aus. Immerhin bleibt es trotzdem erheblich kleiner als das aktuelle Android-Vorzeige-Modell Nexus 6 und gibt sich mit nur 123 Gramm geradezu als Leichtgewicht. Der Anbieter verlangt aktuell moderate 170 Euro für das Gerät.

Aussehen und Gewicht zählen aber nicht zu den Hauptargumenten für das Linux-Telefon, sondern das Betriebssystem, ein nur wenig modifiziertes Ubuntu-Derivat [3]. Einige Pakete für die GUI und der noch notwendige Android-Unterbau grenzen beide Ubuntu-Varianten voneinander ab.

Fingerfertig

Von anderen Smartphones unterscheidet sich das Aquaris vor allem durch das Bedienkonzept: Es gibt weder den Home-Button, wie bei Apples iPhone, noch Kontext- oder Zurück-Tasten wie bei Android. Sie steuern das Ubuntu-Handy ausschließlich über Wischgesten und Schaltflächen in der grafischen Benutzeroberfläche (GUI). Ein Wisch über den bunten Standby-Schirm holt das Telefon aus dem Ruhezustand; ein Wisch von links öffnet ein Dock mit einigen App-Startern, wie vom Desktop-Ubuntu bekannt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Auch Ubuntu für Smartphones bringt die vom Desktop bekannte Symbolleiste am linken Bildschirmrand mit.

Ein Wisch von oben in die Mitte des Bildschirms lässt den Nachrichten- und Statusbereich einschweben, in dem Sie unter anderem die wichtigsten Einstellungen vornehmen, wie das An- und Abschalten des WLANs. Ein langsamer Wisch von rechts gibt einen Überblick über die geöffneten Anwendungen (Abbildung 2), ein schneller wechselt zur zuletzt genutzten. Ein Wisch von unten nach oben öffnet in einigen Anwendungen entweder das Kontextmenü oder zusätzliche Optionen. In den Anwendungen wechseln Sie eventuell vorhandene Ansichten durch das Wischen nach links und rechts auf den Bildschirm.

Abbildung 2: Schnell von rechts nach links gewischt erscheint der Überblick der geöffneten Anwendungen. Langsam wischend wechseln Sie durch die einzelnen Apps.

Das Konzept der Wisch-Gesten erschließt sich nicht sofort. Gerade zu Anfang "verwischt" man sich doch noch häufiger. Spätestens nach ein paar Tagen sitzen die Gesten, auch wenn eingefleischte Home-Button-User eben jenen später immer noch vermissen.

Informativ

Die zweite Besonderheit neben den Gesten sind die sogenannten Scopes – einzelne Fenster unterschiedlichen Inhalts. Sie organisieren quasi die Benutzeroberfläche und fassen Informationen aus verschiedenen Quellen auf einen Blick zusammen. So hält ein Scope die wichtigsten Informationen zum aktuellen Tag bereit. Ein anderer zeigt wiederum die Icons aller installierten Anwendungen an. Hinzu kommen solche mit Nachrichten aus verschiedensten Quellen, Shopping-Tipps eines großen Onlinehändlers und Angeboten einer Online-Auktionsplattform.

Neben diesen bereits vorinstallierten Scopes finden sich im Online-Software-Store von Canonical noch etliche weitere. Von dort bezogen wir beispielsweise ein Exemplar, das einen Überblick über die verschiedenen Sets eines bekannten dänischen Klötzchenherstellers vermittelt (Abbildung 3). Der größte Teil der Scopes lässt sich darüber hinaus individualisieren.

Abbildung 3: Zusätzliche Info-Fenster, sogenannte Scopes, erlauben die Anzeige beinahe beliebiger Zusatzinformationen, wie etwa eines Wetterberichts.

Im Ubuntu-Store finden Sie aber auch Zusatzsoftware für das Telefon, was sich angesichts der spärlichen Grundausstattung auch durchaus als notwendig erweist. Selbst ein universell nutzbarer Mail-Client und eine Kalender-Anwendung fehlen. Beide gibt es im sehr spärlich bestückten Download-Shop. Immerhin steht das komplette Angebot kostenlos zum Abruf bereit, wir fanden nicht eine kostenpflichtige App. Downloads setzen allerdings eine vorherige Registrierung voraus.

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