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© Tomasz Wyszolmirski, 123RF

Paketverwaltung Muon im neuen Gewand

Schöner verpackt?

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Das aus Kubuntu bekannte Paketverwaltungswerkzeug Muon wird nun direkt von den KDE-Entwicklern betreut und steht nicht mehr nur für Apt zur Verfügung. Neben der Oberfläche hat sich auch das Konzept grundlegend gewandelt.

Wohl fast jeder Debianer kennt Synaptic [1], das seit Jahren bewährte GTK-basierte Frontend zur Paketverwaltung. Speziell Kubuntu-Anwender nutzten jahrelang dessen Qt-Klon, der in Handhabung und Verhalten kaum von Synaptic zu unterscheiden war. Die enge Bindung an Apt und einige spezielle Bibliotheken verhinderten die Verbreitung außerhalb Kubuntus. RPM-basierte Distributionen verzichteten aufgrund des Alters und des schlechten Pflegezustand des Gateways zwischen Apt und RPM [2] lieber auf das Werkzeug. Unter Kubuntu waren die letzten Versionen der 2er-Reihe jedoch nicht nur das Standardwerkzeug zur Paketverwaltung, sondern wirklich ziemlich beliebt, was bei voreingestellten Tools nicht unbedingt immer der Fall ist.

Neuer Maintainer

Für KDE Frameworks 5 nahmen sich nun die Hauptentwickler der Sache an. Angetrieben von Kubuntu-Entwickler Jonathan Thomas sollte die Synaptic-Alternative Muon zum festen Bestandteil des KDE-Portfolios avancieren, und so kam es auch: Das Programm trägt inzwischen bereits die Versionsnummer 5.3.2. Statt direkt auf das Terminalprogramm Apt aufzusetzen, übernimmt bei Muon PackageKit [3] als eine Art Zwischenschicht die Aufgabe, die Systemaufrufe des Programms so zu übersetzen, dass der verwendete Paketmanager sie versteht. Passende PackageKit-Backends gibt es für zahlreiche Programme, wie DNF und Zypper, oder eben auch für Apt, was die Verbreitung unabhängig vom verwendeten Paketsystem gewährleistet.

Überraschenderweise blieb außer dem Namen wenig übrig. Abbildung 1 zeigt das Startfenster von Muon, das Sie über den Menüpunkt Alle Anwendungen | System | Programmverwaltung öffnen oder im Terminal mit muon-discover aufrufen. Pakete an sich oder Verweise darauf finden sich hier gar nicht mehr, sondern nur noch eine gekachelte Ansicht diverser Softwaregruppen. Beim Durchklicken des ersten Fliesenspiegels landen Sie stets wieder auf einem neuen, und recht schnell wird deutlich: Sie finden hier nur grafische Programme, Plasma-Applets und Schriften.

Die Suche nach Bibliotheken oder Devel-Paketen greift stets ins Leere. Waren Sie bisher die endlosen Weiten herkömmlicher Softwareverwaltungen gewöhnt, finden Sie nun einen waschechten App-Store vor. Der Einsatz von Muon außerhalb des KDE-Desktops fällt damit auch aus, denn Gnome-Shell-Erweiterungen, Themenpakete oder Ähnliches zeigt Muon gar nicht erst an. Das muss kein Nachteil sein: Wer jemals ein Smartphone in den Händen hielt, wird die daran angelehnte Bedienung zu schätzen wissen.

Abbildung 1: Ziemlich viel Raum räumen die Entwickler dem KDE-Logo ein. Bewertungen und andere Nebeninfos werden erst nach dem Hochscrollen des Inhalts sichtbar.

Vom Startbildschirm aus gelangen Sie per Doppelklick in eine der App-Gruppen. Sofern die Gruppe auch Apps enthält, öffnen Sie mit einem weiteren Doppelklick deren Seiten. Abbildung 2 zeigt die Seite des Übersetzungsprogramms Poedit. Das Anklicken des Bildschirmfotos vergrößert dieses auf Fenstergröße. Die Informationsdichte lässt noch zu wünschen übrig: Außer einem Link zur Webseite und einem Bewertungssystem mit fünf möglichen Sternen findet sich kaum Verwertbares. Immerhin erscheint die Beschreibung in der Regel auf Deutsch; allerdings kommt es nicht selten vor, dass gar kein Text erscheint.

Das Bewertungssystem lässt dabei völlig offen, woher es seine Daten bezieht. Muon erlaubt es aktuell nicht, Apps direkt in der Anwendung zu bewerten. In der webbasierten App-Sammlung von Fedora findet sich dazu ebenfalls nichts. Befremden erzeugt auch, dass nach kurzem Durchforsten verschiedener Bereiche sich alle Apps mit einer Bewertung von vier Sternen schmücken. Das legt die Vermutung nahe, dass die Bewertungen momentan nur als optische Lückenfüller dienen, die jeder Grundlage entbehren.

Abbildung 2: Die "Homepage" von Poedit in Muon.

Verfügbarkeit

Dank der Anbindung an PackageKit harmoniert Muon 5 nun auch mit anderen Distributionen als Kubuntu. Aktuell gibt es Pakete für Fedora, Debian "Sid", Arch Linux, Open Mandriva Cooker, ROSA und Kubuntu selbst. Bei Letzterem steht die Versionsnummer in den letzten beiden LTS-Distributionen noch auf 2.2.0 beziehungsweise 1.3.1. Möchten Sie Muon selbst kompilieren oder ein Paket für eine andere Distribution bauen, dann benötigen Sie zahlreiche Abhängigkeiten. Zu den Grundvoraussetzungen zählen Plasma 5, die Qt-Bindings für PackageKit, Appstream, Python und nicht zuletzt Cmake. Im Allgemeinen brauchen Sie dafür die Entwicklerdateien, sofern Ihre Distribution diese in eigene Unterpakete packt. Den aktuellen Tarball [5] mit den Quellen finden Sie auch auf der Heft-DVD.

Eigendynamik

Was im ersten Test außerdem noch auffiel, war ein gewisses Eigenleben des Programms. Nach der Installation durchsuchte Muon flugs die Softwarequellen nach Aktualisierungen und meldete diese prompt in der Kontrollleiste des KDE-Desktops. Das geht insofern in Ordnung, denn Information schadet nie. Doch nach dem Start von Muon-Discover – eigentlich gar kein Aktualisierungswerkzeug – lädt das System die gemeldeten Pakete klammheimlich im Hintergrund herunter und installiert sie sogleich. Interessant und ärgerlich zugleich, dass sich in den Muon-Einstellungen nichts findet, womit man dem Programm die Selbstbedienung abgewöhnen könnte. Ein Menüpunkt namens Einstellungen, der vielleicht helfen könnte, ist ausgeblendet und somit nicht anklickbar.

Für die Darstellung der Bildschirmfotos bedient sich Muon ungeniert im Fundus von Debian. Daher taucht selbst im Testsystem mit Fedora 22 oft der Debian-Swirl als Geisterbild auf, wenn es keinen passenden Schnappschuss gibt. Dabei wäre es viel einfacher: Insbesondere Fedora fordert von seinen Paketbauern die Integration von Appstream-Dateien, die für Muon und vergleichbare Anwendungen die Daten liefern sollen. Auch wenn längst nicht alle grafischen Anwendungspakete mit einer Datei namens appdata.xml daherkommen und von denen wiederum nicht alle einen Link zu einem Bildschirmfoto enthalten, ließe sich damit ein Fauxpas wie in Abbildung 3 vermeiden.

Abbildung 3: Unnötige Verwirrung: Handelt es sich beim Gnome-Webbrowser denn nur um ein Spielzeug?

Der Gnome-Standardbrowser ist Appstream-technisch auf dem neuesten Stand. Da aber das entsprechende Debian-Paket nicht den Browser, sondern das Spiel gleichen Namens [4] beinhaltet, wirkt das von dort bezogene Bildschirmfoto etwas deplaziert. Selbst wenn die Entwickler Debians Bilderalbum für besser ausgestattet halten, unterwandert das Vorgehen das distributionsübergreifende Appstream-Konzept. Immerhin stammen die Paketbeschreibungen nicht aus Debian, sondern direkt aus der Appstream-Datenbank.

Systemaktualisierungen lassen sich auch direkt in Muon-Discover anstoßen. In der Werkzeugleiste finden Sie neben dem Zauberstab-Symbol ein weiteres Icon, das nach dem Anklicken in den Aktualisierungsmodus wechselt. Das Aktualisierungswerkzeug findet sich außerdem separat im KDE-Menü unter Anwendungen | System | Aktualisierungsverwaltung. Gleich beim Start grast es die eingerichteten Paketquellen nach neuen Versionen ab – ziemlich merkwürdig für eine App-Verwaltung, aber andererseits erfreulich: Es erscheinen nämlich nicht nur Updates grafischer Programme, Muon kommt hier nicht umhin, auf Paketebene zu arbeiten (Abbildung 4). Obwohl Muon konzeptbedingt eigentlich alles ausblenden will, was den Smartphone-gewöhnten Benutzer verwirren könnte, erscheinen auch Bibliotheken, Befehlszeilentools und Skriptsprachen-Module.

Abbildung 4: Paradigmenwechsel: Pakete statt Apps beim Aktualisieren des Systems.

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