GNUstep im Praxiseinsatz

Fragt man GNUstep-Anwender nach den Vorteilen der Umgebung, fallen als Stichworte stets die vergleichsweise geringe Komplexität, die dadurch hohe Effizienz in der Benutzung, der überschaubare Ressourcenverbrauch sowie die Schlichtheit und Modularität der einzelnen Komponenten. In letzter Zeit gab es keine großen Änderungen an der API, sodass die bestehenden Programme weitestgehend unverändert benutzbar blieben. Das reduziert den Aufwand für die Weiterentwicklung und die Pflege von Software.

Besonders gefällt das auf das Wesentliche reduzierte Bedienkonzept, das sich auf dem Desktop häufig in der eingesetzten Kombination aus Window Maker und GNUstep zeigt. Die Programme verfügen über eine weitestgehend einheitliche Menüstruktur und klinken sich zudem ins Auswahlmenü ein. Auf den ersten Blick wirkt die Kombination ein wenig konservativ, lässt sich jedoch über Themes nach eigenem Gusto anpassen und funktioniert sehr stabil und zuverlässig auch auf älteren und schwachbrüstigen Rechnern.

Linux-Distributionen wie Debian, Ubuntu, Slackware, OpenSuse und Fedora führen Softwarepakete für GNUstep in ihrem Sortiment, sodass Sie diese bequem über die Paketverwaltung auswählen und installieren (siehe auch Kasten "Typische Stolperfallen"). Geht es Ihnen nur um den ersten Eindruck und das Ausprobieren, helfen Ihnen passende Images für VirtualBox weiter (Abbildung 4), wie das ALT Linux GNUstep Starter Kit [11] und das Live-Image von Window Maker [12].

Abbildung 4: GNUstep und Window Maker in der Virtualbox – hier handelt es sich um die Demo-VM von ALT Linux.

Verschiedene Organisationen und Unternehmen setzen GNUstep erfolgreich in Produktionsumgebungen ein und demonstrieren damit eindrücklich die Leistungsfähigkeit des Frameworks. Eine Übersicht dazu liefern die GNUstep Success Stories [13] und das GNUstep-Wiki unter dem Eintrag GNUstep in production [14]. Bei Brainstorm Mobile Solutions [15] beispielsweise arbeitet GNUstep Hand in Hand mit der relationalen Datenbank PostgreSQL und trägt so dazu bei, dass das Unternehmen bereits 4 Milliarden SMS an seine Kunden versenden konnte. Die Entwickler von Brainstorm trugen zudem konsequent zum Foundation Kit bei und verbesserten dessen Stabilität und Performance wesentlich.

Typische Stolperfallen

Beim Einrichten und Benutzen der GNUstep-Applikationen gibt es kleine Stolperfallen. So enden unter Debian und Ubuntu die Namen vieler GNUstep-Pakete auf .app, beispielsweise agenda.app (SimpleAgenda) oder zipper.app (Zipper), das Namensschema kommt aber nicht konsequent zum Zug. Erst mit ein wenig manueller Recherche über GAP und Aptitude finden Sie auch die restlichen Applikationen.

Unter Debian GNU/Linux, Ubuntu und Linux Mint fehlen für einige Pakete die Abhängigkeiten zum Paket gnustep-base-common. Hier ist es wichtig, zuerst GNUstep und erst danach die gewünschten Applikationen zu installieren. Möchten Sie nur einzelne Anwendungen ausprobieren, müssen Sie das Basispaket explizit hinterherschieben.

Viele GNUstep-Programme speichern Ihre Daten automatisch im Verzeichnis ~/GNUstep/, falls Sie nicht explizit einen anderen Ordner benennen. Das ist weder sofort offensichtlich noch immer der Fall. Ältere Programme legen Ihre Daten mitunter nicht als Text oder XML-Struktur ab, sondern – aus historischen Gründen – in einer binären Apple-Eigenschaften-Liste. Mit den Werkzeugen aus dem Paket libplist-utils wandeln Sie dieses Format beispielsweise in ASCII-Text um und bereiten die Daten so zur Weiterverarbeitung vor.

GNUstep auf Mobilgeräten

Golden Delicious Computers [16] setzt mit QuantumSTEP auf mobile Geräte und die häufig genutzte ARM-Plattform. Das schließt SBCs wie den Cubietruck mit ein, ebenso den Openmoko-Nachfolger GTA04, OpenPandora, den EeePC 701 und den Prototypen des Handhelds Pyra. QuantumSTEP gehört zu den technischen Vorreitern von Android und anderen Betriebssystemen für Smartphones und Handhelds, wird allerdings inzwischen von seinen "Kindern" stark in den Schatten gestellt.

Wie der QuantumSTEP-Maintainer Nikolaus Schaller nicht ohne Wehmut berichtet, wanderten viele Entwickler in Richtung iOS ab. "Die wollten alle Apps auf Apples App Store verkaufen (70 Prozent der Einnahmen). Das konnten wir nicht mal ansatzweise bieten." Auf seiner Wunschliste steht daher, QuantumSTEP wieder mehr ins Blickfeld zu rücken und weiter voranzubringen, insbesondere auf ARM-Rechnern. Für Mitstreiter hat Schaller daher stets ein offenes Ohr.

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