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© Krishna Kumar Sivaraman, 123RF

Kompaktes Notfall-Kit für die Datenrettung

Erste Hilfe

Das französische Gentoo-Derivat SystemRescueCD bringt einen prall gefüllten Werkzeugkasten für das Retten von Daten und Systemen mit.

Stetig wachsende Speicherkapazitäten bei Festplatten und SSDs laden geradezu ein, immer mehr persönliche Daten auf den obendrein preiswerten Massenspeichern abzulegen. Dabei wächst allerdings auch die Gefahr, durch Fehlbedienung oder Hardwareschäden wichtige Daten zu verlieren. Dennoch verzichten viele Anwender auf regelmäßige Backups. Scheitert dann der Zugriff auf wichtige Texte, Bilder, Datenbanken oder Kalkulationsdateien, so hilft nur noch der Versuch, mithilfe entsprechender Werkzeuge möglichst viele der Daten zu rekonstruieren.

Bei dieser Arbeit leistet das mit zahlreichen Rettungstools ausgestattete Gentoo-Derivat SystemRescueCD, kurz SysRescCD, unschätzbare Dienste. Sie erhalten es als rund 450 MByte großes Hybrid-Image für 32- und 64-Bit-Rechner [1], das auf eine CD passt und sich damit auch für den Einsatz auf älteren Rechnern eignet.

Vielfalt

Beim Start des Live-Systems begrüßt Sie der Bootmanager Grub (Abbildung 1) mit zahlreichen Optionen: So fährt das System mit verschiedenen Kerneln für unterschiedliche Hardware-Architekturen hoch. Um Problemen mit der Grafikkarte auszuweichen, integriert die Distribution auch einen Standard-VESA-Grafiktreiber. Bei betagten Computersystemen mit 4:3-Monitoren lässt sich die grafische Oberfläche außerdem in SVGA- oder XGA-Auflösung starten. Verschiedene andere Werkzeuge stehen als Floppy-Disk-Images zum Abruf bereit. Diese erweisen sich insbesondere dann als nützlich, wenn Sie die Ursache des Datenverlustes bereits eingrenzen konnten und somit kein komplettes Betriebssystem mit allen Werkzeugen benötigen. Für Hardware- und Monitoring-Tests stehen die Images Memtest, Aida und HDT ohne lange Startzeiten bereit.

Abbildung 1: SysRescCD bietet eine Vielzahl verschiedener Startoptionen an, darunter auch den Start diverser Floppy-Images für verschiedene Einsatzzwecke.

Die Einträge default boot options und directly start the graphical environment starten das System als solches und stellen damit den gesamten Fundus an Software bereit. Während die Option default boot options nach dem Einstellen der Tastaturbelegung eine Root-Konsole öffnet, ruft directly start the graphical environment den X-Server und anschließend den XFCE-Desktop auf. Von der Konsole aus können Sie einige Editoren direkt nutzen, nach dem manuellen Einrichten des Netzzugangs auch den textbasierten Webbrowser Elinks. Um die grafische Oberfläche aus der Konsole heraus zu starten, geben Sie den Befehl startx ein. Nach kurzer Zeit erscheint eine bewusst einfach gehaltene und etwas rustikal wirkende XFCE-4.12-Oberfläche mit geöffnetem Terminalfenster (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der auf das Schonen der Ressourcen getrimmte XFCE-Desktop verzichtet auf jegliche Schnörkel.

Im XFCE-Desktop konfigurieren Sie den Zugang zum Internet für verschiedenste Zugangstechnologien problemlos entweder über das Menü Settings | Network Connections oder über einen Klick auf das Netzwerk-Symbol unten rechts in der Panelleiste. Über die Konsole gelingt es derzeit nicht, den Zugriff auf das Internet über ein WLAN mit aktueller Verschlüsselungstechnik oder WWAN einzurichten. Hier müssen Sie entweder einen kabelgebundenen Anschluss oder ein WLAN mit veralteter WEP-Sicherung verwenden. Sie richten den Zugang mit dem Aufruf net-setup Schnittstelle ein. Als Schnittstelle geben Sie dabei eth0 für das erste LAN-Interface oder wlan0 für den WLAN-Zugang an. Besitzt der Rechner zwei LAN-Karten, sprechen Sie das zweite Interface mit der Bezeichnung eth1 an.

Software

Die Entwickler der SysRescCD richteten den Softwarebestand der Distribution streng an den Erfordernissen eines Rettungssystems aus. Das Betriebssystem ist dem Anwendungszweck entsprechend als reines Live-System ausgelegt und lässt sich daher nicht aus dem Bootmanager oder der grafischen Oberfläche heraus installieren. Möchten Sie die Distribution dennoch manuell auf einem Massenspeicher einrichten, haben Sie die Möglichkeit, das System auf einer Partition mit einem von Linux unterstützten Dateisystem zu installieren. Alternativ klappt das auch auf einem Windows-Dateisystem [2].

Der XFCE-Desktop bietet zwar in seinem Startmenü Gruppen wie Multimedia und Office an, die jedoch keine Softwarepakete für den Alltagsgebrauch enthalten: Im Untermenü Office finden Sie lediglich den ePDFViewer, unter Multimedia nur die Programme ISO Master und Xfburn. Auch die im Untermenü Internet vorhandenen Applikationen orientieren sich strikt am Anwendungszweck: Als Webbrowser kommt der schlanke und schnelle Midori zum Einsatz, der auch einen privaten Modus bietet. Daneben finden Sie hier lediglich noch den Vncviewer zum Steuern entfernter Rechner sowie Gtkterm als Terminallösung.

Umfangreicher fällt dagegen die Ausstattung im Untermenü Accessories aus: Hier finden Sie als wichtigste Programme die Dateimanager Thunar und SpaceFM, wobei Letzterer zusätzlich über einen eigenen Eintrag zum Aktivieren der Dateisuche verfügt. Das beschleunigt und vereinfacht insbesondere bei umfangreichen Datenbeständen die Suche nach einzelnen Dateien enorm. Ein einfacher Taskmanager, der neben einer Prozessanzeige auch die Auslastung von Arbeitsspeicher und Prozessoren grafisch visualisiert, rundet das Angebot ab (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Taskmanager gibt Auskunft über die Systemauslastung und laufende Prozesse.

In der Panelleiste am unteren Bildschirmrand integriert der Desktop Schnellstart-Icons einiger häufig genutzter Anwendungen. Hier findet sich mit dem Dateimanager EmelFM2 (Abbildung 4) noch ein besonderer Vertreter seiner Art: Er versteht sich als grafisch ansprechend aufbereiteter Konkurrent des bekannten Midnight Commander, mit einer auf GTK+ statt Ncurses basierenden Oberfläche. Dadurch wirkt er deutlich moderner und verfügt über einen erweiterten Funktionsumfang: So kann EmelFM2 unter anderem Dateisysteme einhängen sowie Archive packen und entpacken. Das Programm lässt sich zudem über Schalter und umfangreiche Kontextmenüs sehr effizient steuern. Zusätzlich finden Sie jedoch unter System auch noch den altbewährten Midnight Commander.

Abbildung 4: Der Dateimanager EmelFM2 wartet mit einer GTK-basierten Oberfläche auf und tritt in die Fußstapfen des Midnight Commanders.

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