TV-Anwendungen

Für die Wiedergabe der Sendungen zeichnen auf dem Linux-PC die gängigen Standardprogramme zuständig, also neben Kaffeine und Me-TV beispielsweise auch der Mplayer und VLC, die das Fernseh- oder Radioprogramm anzeigen. Kaffeine benötigte für das Erkennen der im Sundtek-Stick verbauten Tuner einen Patch, der eigentlich seit knapp einem Jahr im Quellcode der Anwendung enthalten ist [5]. Doch nicht jede Linux-Distribution liefert eine entsprechend aktuelle Version des Programms aus. Selbst das Kaffeine-Paket in Ubuntu 15.04 enthält die nötigen Modifikationen bisher noch nicht [6].

Als Abhilfe bietet Sundtek in seinem Support-Form eine bereits gepatchte Version des Programms zum Herunterladen an [7]. Aufgrund von inkompatiblen Abhängigkeiten lässt sich das DEB-Paket jedoch nicht auf aktuellen Ubuntu-Systemen wie Ubuntu 15.04 installieren. Auf unserem Testsystem mit Mageia 5 mussten wir das DEB-Paket zunächst mithilfe des Befehls alien -r --scripts Paket in das RPM-Format umwandeln: Das von Sundtek angebotene RPM eignet sich nur für Fedora 18 in der 64-Bit-Version. Mittelfristig soll ein eigener plattformunabhängiger Player diese Probleme beseitigen.

Um den MediaTV Pro III anschließend in Betrieb zu nehmen, stellen Sie ihn zunächst auf die gewünschte Fernsehnorm ein. Dazu geben Sie am Prompt den Befehl mediaclient -D DVBT für den terrestrischen Antennenempfang und mediaclient -D DVBC für das Nutzen des Kabeltuners ein (Abbildung 4). Root-Rechte benötigen Sie für diese Aktion nicht.

Abbildung 4: Ob DVB-C, DVB-T oder DVB-T2. Den zu verwendenden Tuner aktivieren Sie per Terminal-Programm.

Anschließend öffnen Sie Kaffeine und wählen im Eingangsbildschirm die Option 5 Digitales Fernsehen. Um bei der Erstnutzung die verfügbaren Sender einzustellen, aktualisieren Sie anschließend im Menü Fernsehen | Configure Television... zunächst die Suchlaufdaten, indem Sie die Schaltfläche Suchlaufdaten über Internet aktualisieren betätigen. Dann öffnen Sie den Einstellungsdialog Fernsehen | Kanäle und klicken nach Auswahl einer Empfangsquelle im Feld Quelle: auf den Button Suchlauf starten.

Erscheint im Feld Quelle: keine Option, müssen Sie zunächst noch im Fenster Configure Television... in die Reiter Gerät 1 oder Gerät 2 wechseln und hier die lokale Sendertabelle im Feld Quelle: aus der entsprechenden Liste wählen. Anschließend starten Sie im Fenster mit Fernsehen | Kanäle den Suchlauf, wobei Kaffeine die verfügbaren Sender rechts in diesem Fenster in der Listenansicht Suchergebnisse aufführt.

Nach vollendetem Suchlauf markieren Sie die von Ihnen präferierten Sender und übernehmen die Auswahl über die unten mittig im Fenster angeordnete Schaltfläche Ausgewählte hinzufügen in den links angezeigten Listenbereich Kanäle. Beim Start des Programms beschränkt sich Kaffeine dann auf diese Sender, uninteressante Spartensender bekommen Sie so gar nicht erst zu Gesicht (Abbildung 5). Dem Fernsehgenuss wie auch der Aufnahme von Sendungen steht danach nichts mehr im Wege.

Abbildung 5: Kaffeine bietet eine sehr leicht verständliche Oberfläche zur Auswahl der gewünschten Sender.

Mit der Gnome-Anwendung Me-TV kooperiert der Sundtek-Stick auf ähnlich komfortable Weise, zudem braucht es für dieses Programm keine Sonderbehandlung. Nach der Installation von Me-TV, das Sie in den meisten Fällen in den Paketquellen Ihrer Distribution finden, rufen Sie die Software je nach verwendetem Linux-Derivat aus dem Menü Unterhaltungsmedien oder Multimedia heraus auf. Auch hier sollten Sie zuvor mithilfe des Mediaclient-Konfigurationstools festlegen, in welchem Betriebsmodus der Sundtek-Stick arbeitet.

Me-TV mit EPG

Ähnlich wie bei Kaffeine ist auch bei Me-TV vor der ersten Verwendung ein Sendersuchlauf fällig. Alternativ importieren Sie eine bereits lokal vorhandene Datei channels.conf, die regional empfangbare Sender enthält. Im Internet finden sich solche Dateien mit Empfangsdaten für verschiedene Regionen, enthalten allerdings oft veraltete Daten. Es empfiehlt sich daher in der Regel, über die Schaltfläche Automatische Suche im Ersteinstellungsdialog einen Suchlauf für den aktuellen Standort anzustoßen. Me-TV scannt daraufhin das länderspezifische Frequenzband ab und listet die empfangbaren Sender auf (Abbildung 6).

Abbildung 6: Me-TV erleichtert die Sendersuche über die vordefinierte Senderliste, die Sie über die Paketverwaltung installieren.

Nach der Konfiguration der Sender öffnet Me-TV automatisch das zweigeteilte Hauptfenster: Oben sehen Sie das Bild des gerade aktiven Senders, unten zeigt Me-TV die Senderliste mit dem aktuell laufenden Programm und den danach anstehenden Sendungen (Abbildung 7). Über einen Linksklick auf einen der Einträge öffnen Sie zusätzliche Informationen. Mit einem Klick auf den Aufnahme-Button markieren Sie die fragliche Sendung gleich für den in Me-TV integrierten Videorekorder. Beachten Sie, dass Me-TV bei Kabelempfang in der Senderliste nicht zwischen TV- und Radiosendern unterscheidet. Wundern Sie sich also nicht, dass nicht jeder Sender ein Bild liefert. Tippen Sie aus Versehen oder mit Absicht einen der Radiosender an, bleibt in der Regel das Standbild des zuvor empfangenen TV-Senders stehen.

Abbildung 7: Das Programmfenster von Me-TV zeigt neben dem Bild des gerade aktiven Kanals einen elektronischen Programmführer.

Da Me-TV in der Praxis die ausgestrahlten Sender weniger zuverlässig als Kaffeine erkennt und teilweise bei DVB-C-Empfang den automatischen Sendersuchlauf gar nicht erst startet, können Sie in der Software bei der Erstkonfiguration im Sendersuchlauf-Assistenten zusätzlich über den Dialog Unter Verwendung einer anfänglichen Suchdatei suchen manuell eine vorbereitete Senderliste einpflegen.

Diese Senderliste finden Sie bei gängigen Distributionen im Paket dvb-apps. Me-TV erkennt das Verzeichnis mit den Sendertabellen automatisch und erlaubt die Auswahl einer passenden Liste. Nach einem Klick auf den Öffnen-Button unten rechts im Auswahlfenster führt die Software automatisch einen Sendersuchlauf anhand der vorgegebenen Tabelle aus. Danach stellen Sie wie gewohnt eine Auswahl der gefundenen Sender zusammen und übernehmen diese in das Hauptfenster.

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