Daten wiederherstellen

Nun gehen wir mit Photorec daran, die von uns mittels rm -rf gelöschten Daten aus der zweiten Partition wiederherzustellen. Die Version ohne GUI starten Sie einfach in einem Terminal. Es erscheinen Dialoge, die jenen aus Testdisk zum Verwechseln ähneln; auch das Bedienschema folgt demselben Muster. Im ersten Fenster wählen Sie die Festplatte, auf der der Datenverlust stattfand, bestätigen mit Proceed und wählen die betroffene Partition aus (Abbildung 7).

Nun können Sie sofort suchen, unter Options Voreinstellungen treffen oder bei den Dateioptionen nur nach bestimmten Datentypen suchen lassen. Haben Sie beispielsweise nur JPGs gelöscht, müssen Sie Photorec nicht nach allen 400 möglichen Datentypen stöbern lassen. Nach der Auswahl der zu restaurierenden Datentypen starten Sie die Suche und wählen das entsprechende Dateisystem aus. Mit den Pfeiltasten weisen Sie Photorec zudem eine Partition zum Wiederherstellen der Daten zu und bestätigen mit C. Photorec beginnt nun mit der Wiederherstellung (Abbildung 8).

Abbildung 7: Rettung geglückt: Alle drei Partitionen sind wieder sichtbar.
Abbildung 8: Photorec signalisiert während der Wiederherstellung seinen Fortschritt.

Im Test benötigte das Programm für das Restaurieren der gelöschten 600 GByte Daten mit zehn verschiedenen Dateitypen etwa sechs Stunden. Dabei stellte Photorec rund 214 000 Dateien wieder her, vorwiegend der Typen JPG, PNG, PDF und MP3 (Abbildung 9). Die geretteten Dateien lagert das Tool in durchnummerierten Ordnern mit der Bezeichnung recup_dir. Die einzelnen Dateien tragen allerdings kryptische Dateinamen wie f12345678.jpg – unvermeidlich, da die Software unterhalb der Dateisystemebene arbeitet (Abbildung 10).

Abbildung 9: Alle gut 200 000 gelöschten Dateien hat Photorec wieder aufgefunden.
Abbildung 10: Die kryptischen Namen der geretteten Dateien verursachen viel Nacharbeit.

Die grafische Variante QPhotorec (Abbildung 11) liegt den Linux-Versionen von Testdisk noch nicht bei. Sie findet sich in Version 1.0 aber schon in der aktuellen Ausgabe der mittlerweile kostenpflichtigen Parted-Magic-CD [7], für DEB- oder RPM-basierte Distributionen stehen Binärpakete zum Download bereit. Aufgrund des frühen Entwicklungsstadiums sollten Sie QPhotorec allerdings derzeit tunlichst noch nicht auf echte Daten ansetzen.

Abbildung 11: Photorecs GUI-Variante QPhotorec befindet sich noch in der Entwicklung.

Fazit

Das dynamische Duo Testdisk und Photorec erledigt bei entsprechender Vorbereitung das Restaurieren von defekten Partitionstabellen und gelöschten Dateien mit Bravour. Dabei brauchen sich die beiden freien Werkzeuge im Rahmen der gestellten Aufgaben nicht hinter Bezahlsoftware für Windows zu verstecken. Anstatt für Photorec, das in seinen Optionen ohnehin sehr übersichtlich ausfällt, würde man sich eher für das komplexe Testdisk eine grafische Oberfläche wünschen. Eine solche könnte insbesondere dem Laien bei der Datenrettung den Umgang mit der Vielfalt an teils mächtigen Funktionen erleichtern. In jedem Fall sollten Sie vor dem Einsatz von Testdisk dessen durchweg gute Dokumentation [8] zu Rat ziehen. 

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