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Kali Linux 2.0

Vielseitig talentiert

Mitte August stellten die Entwickler Version 2.0 der auf System- und Netzwerksicherheit spezialisierten Distribution Kali Linux vor. Sie beschränkt sich nicht auf kosmetische Veränderungen, sondern bringt viele wichtige Innovationen mit.

Das auf Debian basierende Kali Linux hat sich in den letzten Jahren zu einer der besten Linux-Distributionen für IT-Sicherheits-Audits entwickelt und erfreut sich dementsprechend großer Beliebtheit bei Netzwerk- und Systemadministratoren. Mit der kürzlich freigegebenen Version 2.0 haben die Entwickler das Betriebssystem nicht nur in wesentlichen Teilen runderneuert und optisch aufgewertet, sondern auch unter der Haube einige Innovationen eingeführt.

Als feste Konstante bietet Kali Linux sowohl die Möglichkeit des Live-Betriebs als auch der Installation auf einem lokalen Datenträger. Als Basissystem kommt nach wie vor Debian zum Einsatz, was allerdings nicht nur Vorteile mit sich bringt. Das liegt in erster Linie daran, dass Debian grundsätzlich keine proprietären Treiber und Dateien bereitstellt. Bei der lokalen Installation startet eine Routine zur Konfiguration des Netzwerkzugangs, die auch den Anschluss an ein WLAN gestattet. Besitzt der Rechner eine WLAN-Karte, die proprietäre Firmware benötigt, so steht diese entsprechend erst nach dem Einbinden der entsprechenden Firmware-Dateien bereit. Insbesondere mit sehr aktuellen Hardware-Komponenten treten daher gelegentlich Probleme auf.

Kali Linux steht in einer Vielzahl angepasster Varianten bereit [1]: Neben den rund 3,1 GByte großen Komplettversionen für 32- und 64-Bit-Architekturen gibt es auch deutlich schlankere Light- und Mini-Varianten, ebenfalls jeweils für die gängigen Intel-Prozessorarchitekturen. Naturgemäß bringen diese jedoch eine abgespeckte Software-Ausstattung mit, sodass es sich empfiehlt, auf neueren Computersystemen mit entsprechenden Speicherkapazitäten die Vollversion zu nutzen.

Die herkömmlichen ISO-Images für Standard-PCs eignen sich sowohl zum Brennen auf optische Datenträger als auch zum Einsatz von USB-Sticks. Letztere können Sie zudem bei Bedarf mit persistenten Speicherbereichen nutzen, was die Flexibilität des Systems deutlich erhöht [3]. Für Kleincomputer wie den Raspberry Pi sowie für Chromebooks bietet das Projekt ISO-Images für ARM-Rechner an [2]. Angepasste Varianten zum Betrieb in virtuellen Maschinen wie VMware und Virtualbox komplettieren das Angebot.

Einstieg

Nach dem Start der Live-Variante in den Gnome-Desktop stechen gegenüber der Vorgängerversion einige optische Änderungen ins Auge: So änderten die Entwickler die komplette Menüstruktur. Insgesamt 13 Programmgruppen, die Sie bequem über das Hauptmenü erreichen, fassen jetzt die sicherheitsspezifischen Applikationen zusammen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Einer der wichtigsten Aspekte der Runderneuerung betrifft das neue Menü, das für deutlich mehr Ordnung sorgt als bisher.

Alle herkömmlichen Anwendungsprogramme finden Sie erst an zweiter Stelle unter dem Menüeintrag Usual applications. Optisch wurde der Gnome-Desktop durch von Haus aus aktivierte 3D-Effekte aufgewertet, sodass Sie jetzt auch auf leistungsschwächerer Grafikhardware Transparenzeffekte und teils animierte Fenster erscheinen. Diese Effekte setzt der Desktop erfreulicherweise so zurückhaltend ein, dass sie bei der Arbeit nicht stören (Abbildung 2).

Abbildung 2: Optisch wie funktionell bietet Kali Linux schon in der Live-Variante einiges.

Software

Auch an der Softwareausstattung änderte sich einiges. Wie bisher sind alle relevanten Tools zur Ermittlung von Sicherheitsproblemen in Netzen in den jeweils aktuellen Versionen mit an Bord. Abstriche gibt es aber bei Metasploit: Während die Vorgängerversionen von Kali Linux neben dem eigentlichen Framework auch Metasploit Pro und Community mitbrachten, fehlen diese in der aktuellen Version. Alle zusätzlichen Spielarten gilt es entsprechend manuell zu installieren, da die Entwicklerfirma Rapid7 ihre Software noch nicht für die neue Variante von Kali Linux freigab. Eine entsprechende Installationsanleitung findet sich online [4].

In den einzelnen Menüs fällt ein deutlich reduzierter Softwarebestand auf: Die Entwickler entfernten konsequent alle mehrfachen Einträge sowie einige selten genutzte Applikationen. Eine weitere gravierende Neuerung stellen die Aktualisierungszyklen dar: Mit Version 2.0 stellt die Distribution auf das Rolling-Release-Modell um, sodass neue Paketversionen nun fortlaufend in Kali Linux auftauchen. Dies schließt auch Updates der einzelnen Werkzeuge mit ein, Versionssprünge gehören damit der Vergangenheit an.

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