Chrome, Firefox und Opera

Chrome und Chromium sollten in den aktuellen Versionen den Skalierungsfaktor der Desktop-Umgebung eigentlich aufgreifen und das komplette Anwendungsfenster mitsamt Inhalten und Fensterleisten entsprechend skalieren. Auf unserem Test-Setup funktionierte das mit Gnome unter Arch Linux nicht. Auf dem Ubuntu-System skalierte Chrome 44.0.2403.125 jedoch zuverlässig um den eingestellten Faktor.

Bei Bedarf setzen Sie den Skalierungsfaktor beim Aufruf des Programms von Hand über google-chrome --force-device-scale-factor=Faktor beziehungsweise chromium --force-device-scale-factor=Faktor. Üblich wäre hier ein Wert von 2, die Option akzeptiert aber auch ungeradzahlige Werte. Dauerhaft verankern Sie die Option, indem Sie Exec-Zeile in den Dateien google-chrome.desktop beziehungsweise chromium.desktop aus /usr/share/applications um die entsprechende Option erweitern.

Firefox und Thunderbird unterstützen ebenfalls HiDPI-Monitore. Entsprechend der GTK-Einstellungen greifen beide die DPI-Werte des Monitors auf. Allerdings basieren aktuelle Gnome-Desktops auf GTK3, und Firefox startet dementsprechend in den Standard-Einstellungen winzig klein [3]. Die entsprechenden Einstellungen sind jedoch manuell zugänglich. Dazu öffnen Sie http://about:config als URL und tragen im Schlüssel layout.css.devPixelsPerPx den gewünschten Skalierungsfaktor ein. Üblich wäre hier wieder die 2 zum Verdoppeln der Anzeige, Firefox nimmt an dieser Stelle jedoch ebenfalls Kommawerte an. In Thunderbird erreichen Sie den Konfigurationseditor über Bearbeiten | Einstellungen | Erweitert | Allgemein | Konfiguration bearbeiten....

Als Alternative zum manuellen Setzen des Skalierungsfaktors bietet sich das Addon AutoHiDPI [4] an. Es aktiviert ab einer einstellbaren horizontalen Auflösung automatisch die Skalierung um einen konfigurierbaren Wert. Umgekehrt setzt es die Skalierung auch wieder auf Normalgröße, sobald Sie das Firefox-Fenster auf einem herkömmlichen Monitor anzeigen. Das erleichtert den Betrieb des Browsers auf einer Multi-Monitor-Kombination aus einem HiDPI- und einem Standardbildschirm. In der Praxis bringt allerdings auch diese Automatik noch nicht viel, da das Addon zwar die Inhalte automatisch anpasst, jedoch das von einem 4K-Monitor auf ein Full-HD-Display verschobene Fenster das niedriger auflösendere Display bei Weitem überragt.

Auch Opera greift aufgrund seiner Abstammung von Chromium die DPI-Werte der Desktop-Umgebung auf. Allerdings funktionierte diese Automatik im Test auch wieder nur unter KDE. Dazu müssen Sie vorab die Option DPI für Schriften erzwingen setzen. Verwenden Sie Gnome oder einen simplen Fenstermanager, dann geben Sie Opera mit dem Aufruf von opera --alt-high-dpi-setting=DPI von Hand den gewünschten Wert mit. Bei Bedarf verankern Sie die Option ähnlich wie bei Chrome in /usr/share/applications/opera.desktop.

Fazit

Aktuell gehören 4K-Displays noch nicht zur Standardausstattung bezahlbarer Laptops oder Monitore – mit Blick auf den Linux-Desktop ist das wohl auch gut so. Das Arbeiten mit solch einem Display erinnert an den verzweifelten Versuch, unter einer deutlich zu kleinen Bettdecke einzuschlafen, unter der stets ein zu Eis erstarrtes Körperteil hervorlugt. Die Elemente und Inhalte des Desktops erscheinen zu groß oder zu klein, bei manuellen Fensterskalierungen passen Fensterelemente oft nicht mehr zueinander. Mischen Sie Anwendungen auf Basis unterschiedlicher Toolkits (GTK2/3, Qt, Motif, etc.) möchten diese extra konfiguriert werden. Anwendungen mit eigenen grafischen Toolkits wie Chrome, Firefox oder Thunderbird sowie Java-Programme wie die Mediathek und proprietäre Apps wie Skype machen zudem ihr eigenes Ding. Stellen Sie die Fensterskalierungen des Öfteren im laufenden Betrieb um, stürzen gerne auch einmal Anwendungen ab.

Summa summarum: Hier gibt es noch viel zu tun. Steht die Anschaffung eines hochqualitativen Laptops oder eines guten Monitors an, dann finden sich wahrscheinlich auch Modelle mit 4K-Auflösung oder anderen hochauflösenden Formaten auf dem Einkaufszettel. Achten Sie in diesem Fall darauf, dass die Grafikleistung des Rechners zur hohen Auflösung passt – eventuell müssten Sie sogar in einen neuen Rechner investieren. Soll ein zweiter Monitor das 4K-Display ergänzen, überlegen Sie genau, ob es wirklich solch ein Monitor sein muss. Im kombinierten Dual-Monitor-Betrieb warten die größten Herausforderungen auf Sie – auf diesen Punkt gehen wir in der kommenden Ausgabe im Detail ein. Ansonsten schadet die Investition in die Zukunft mit Sicherheit nicht: Die Entwickler der zahlreichen Desktop-Umgebungen bleiben nicht untätig, die wichtigsten Grundlagen sind bereits gelegt. 

Infos

[1] KDE-To-Do-Liste für hohe Auflösungen: https://community.kde.org/KDE/High-dpi_issues

[2] DPI Calculator / PPI Calculator: https://www.sven.de/dpi

[3] "HiDPI support for Linux/GTK3": https://bugzilla.mozilla.org/show_bug.cgi?id=975919

[4] Firefox-Addon AutoHiDPI: https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/autohidpi

[5] Cirrus7 Nimbini: http://www.cirrus7.com/produkte/cirrus7-nimbini/overview

[6] ViewSonic VP2780-4K: http://www.viewsoniceurope.com/de/products/lcd/VP2780-4K.php

[7] Sintel in 4K-Auflösung: https://download.blender.org/durian/movies

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF
Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Kombiniert
    Notebooks mit 4K-Displays und entsprechende Monitore sollen die Schärfe und Bildqualität hochauflösender Smartphone-Bildschirme auf den PC bringen. Der Betrieb eines solchen Monitors stellt das System allerdings vor einige Herausforderungen, besonders bei einem Dual-Monitor-Aufbau.
  • Eine Nummer zu groß
    Große Monitore mit hoher Auflösung sind stark im Kommen. Sie bieten viel Komfort und hohe Bildqualität. Ihr Einsatz unter Linux stellt Nutzer jedoch vor einige unerwartete Hürden.
  • Blitz und Donner
    Klein, leicht und trotzdem viel Kraft unter der Haube: Der Dell XPS 13 vereint kompakte Ausmaße mit schnellen CPUs und läuft in der Developer Edition von Haus aus mit Ubuntu. Im Test zeigt sich jedoch, dass der Namenszusatz durchaus ernst gemeint ist.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Broadcom Adapter 802.11n nachinstallieren
Thomas Mengel, 31.10.2017 20:06, 2 Antworten
Hallo, kann man nachträglich auf einer Liveversion, MX Linux auf einem USB-Stick, nachträglich...
RUN fsck Manually / Stromausfall
Arno Krug, 29.10.2017 12:51, 1 Antworten
Hallo, nach Absturz des Rechners aufgrund fehlendem Stroms startet Linux nicht mehr wie gewohn...
source.list öffnet sich nicht
sebastian reimann, 27.10.2017 09:32, 2 Antworten
hallo Zusammen Ich habe das problem Das ich meine source.list nicht öffnen kann weiß vlt jemman...
Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 6 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...