Gnome 3.16

Die Einstellungen von Gnome kennen keine Option, um die Skalierung zu beeinflussen. In den Bildschirmeinstellungen lässt sich lediglich die Auflösung und Ausrichtung des Displays anpassen (Abbildung 2). Zum Ändern der Schriftgröße und des Skalierungsfaktors müssen Sie auf das Gnome Tweak Tool zurückgreifen (in der Regel findet es sich via Paketverwaltung unter gnome-tweak-tools).

Abbildung 2: Die Bildschirmeinstellungen von Gnome bieten aktuell noch keine Möglichkeit, die DPI-Einstellungen pro Monitor zu regeln.

Das Tweak Tool bietet unter Fenster | Fensterskalierung und Schriften | Skalierungsfaktor zwei Stellschrauben: Die Fensterskalierung vergrößert auf Wunsch sämtliche Fenster mitsamt Text um den Faktor 2. Gnome-Applikationen wie Dateien (ehemals Nautilus), der Gnome-Browser Internet (früher Epiphany) oder der Editor Gedit erscheinen so mit einem Klick samt Inhalten genauso groß auf dem Schirm wie bei einem Full-HD-Monitor – zumindest in der Theorie. Der Skalierungsfaktor wirkt sich nur auf die Texte in Menüs, Beschriftungen oder Inhalten aus (Abbildung 3); im Gegensatz zur Fensterskalierung verträgt die Schriftvergrößerung auch krumme Werte.

Abbildung 3: Zum Skalieren von Gnome-Anwendungen drehen Sie im Gnome Tweak Tool an den Optionen Fensterskalierung und Skalierungsfaktor.

Die Skalierung um den Faktor 2 macht Sinn, solange es sich um gängige Display-Größen handelt. Auf einem 13-Zoll-Notebook mit 4K-Bildschirm erscheinen die Fenster mitsamt der Inhalte genauso groß wie auf einem 13-Zoll-Gerät mit herkömmlichem Full-HD-Display. Dasselbe gilt für stationäre Rechner mit gewöhnlichen 23- oder 24-Zoll-Bildschirmen. Auf dem von uns im Test genutzten ViewSonic VP2780-4K mit einer Diagonalen von 27 Zoll wirken die auf das doppelte aufgeblasenen Fenster nun aber deutlich zu groß. Abbildung 4 zeigt im Originalmaßstab das Fenster eines Gnome-Terminals. Bei der auf das doppelte skalierten Anzeige wächst die Kombination aus Fenster- und Menüleiste auf über 2 cm Höhe an (Abbildung 5) – deutlich zu viel, um noch elegant und platzsparend zu wirken.

Abbildung 4: Ein Gnome-Terminal im Originalmaßstab auf einem 27 Zoll großen 4K-Monitor.
Abbildung 5: Auf das Doppelte skaliert, wirken die Menüs und Fensterleisten zu groß.

Der Vergleich des kompletten Desktops vor (Abbildung 6) und nach (Abbildung 7) den Anpassungen bestätigt diesen Eindruck. Um die gebotene Auflösung und den Platz auf dem 27 Zoll großen Display optimal auszunutzen, wäre eine Skalierung von etwa 1,5 optimal – Gnome erlaubt jedoch nur geradzahlige Faktoren. So bleibt nur die Möglichkeit, lediglich die Schrift über den Skalierungsfaktor zu vergrößern. In diesem Fall passt jedoch der Text in vielen Anwendung nicht mehr in die dafür vorgesehenen Bereiche, sodass Sie mit krummen Zeilenumbrüchen oder abgekürzten Texten leben müssen.

Abbildung 6: Der Gnome-Desktop wirkt auf einem 4K-Display ohne weitere Anpassungen der Schrift- oder Fenstergröße zu klein und schmächtig.
Abbildung 7: Mit einer Fensterskalierung um den Faktor 2 erscheinen Fenster und Schriften auf einem 4K-Monitor mit 27 Zoll nun zu groß.

Generell steht den Gnome-Entwicklern noch ein längerer Weg bevor. Neben der Unterstützung von nicht ganzzahligen Skalierungsfaktoren fehlt auch der Gnome-Shell selbst eine Skalierfunktion. Diese zeigt sich bisher von Änderungen durch das Gnome Tweak Tool unbeeindruckt. Sowohl die Top-Leiste mitsamt den Status-Icons, als auch die Aktivitätenübersicht bleiben bei Änderungen des Skalierungsfaktors klein wie zuvor. Besonders die Aktivitätenübersicht verschwendet in diesem Fall in der Horizontalen viel Platz.

Unity 7 (Ubuntu 15.04)

Ubuntu setzt seinen Unity-Desktop aus einer Reihe von Eigenentwicklungen, aus gepatchten Gnome-Programmen sowie aus GTK-Elementen zusammen. Aus diesem Grund orientieren sich auch die HiDPI-Einstellungen an denen von Gnome. Die Option zum Skalieren des gesamten Bildschirminhalts finden sich bei Unity unter Einstellungen | Anzeigegeräte | Vergrößerungsfaktor für die Menü- und Titelleisten. Im Gegensatz zu Gnome akzeptiert Unity hier Nachkommawerte (Abbildung 8) für den Skalierungsfaktor, allerdings wirken sich diese primär nur auf die Unity-Elemente aus, also das Unity-Startmenü oder das Dash. Erst wenn Sie den Faktor wie bei Gnome auf 2 setzen, skaliert die Oberfläche sprunghaft GTK-Anwendungen wie den Dateimanager oder den Bildbetrachter auf die doppelte Größe. Eine echte stufenlosen Skalierung bietet also auch Unity nicht an.

Abbildung 8: Unity erlaubt krumme Skalierungsfaktoren. Auf die Gnome-Elemente wirkt sich die Einstellung jedoch erst bei einem geradzahligen Faktor aus.

Den Skalierungsfaktor für Schriften erreichen Sie in Ubuntu nur über das Unity Tweak Tool (Paket unity-tweak-tool). Hier regulieren Sie zusätzlich die Schriftgröße anhand der Option Schriften | Text-Skalierungsfaktor. Wie bei Gnome kommt es aber schnell zu unschönen Effekten: So schneidet zum Beispiel schon das Tweak Tool bei vergrößerten Schriften Texte innerhalb von Schaltflächen frühzeitig ab. Je nach Einstellung lassen sich die Beschriftungen kaum mehr entziffern – wüssten Sie auswendig, welche Funktionen sich hinter den Optionen Aktiv... oder Zusät... verbergen?

Im Vergleich zwischen dem unveränderten Standard-Desktop (Abbildung 9) und dem Ubuntu-Desktop nach den HiDPI-Anpassungen um den Faktor 1,5 zeigt sich ein recht ausgewogenes Bild (Abbildung 10). Nutzen Sie nicht ganzzahlige Skalierungsfaktoren, müssen Sie allerdings auch bei Unity damit leben, dass innerhalb von Anwendungen Text nicht vollständig in die dafür angedachten Bereiche passt.

Abbildung 9: Ohne Skalierung passen auf einen 4K-Monitor zwar viele Fenster, doch Schriften und Bedienelemente geraten sehr klein.
Abbildung 10: Mit einem Skalierungsfaktor von 1,5 ergibt sich ein gut benutzbarer Unity-Desktop. Gnome-Anwendungen setzen die Skalierung jedoch erst bei einem Faktor von 2 vollständig um.

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