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© Michal Bednarek, 123RF

E17-Fork: Bodhi Linux und der Moksha-Desktop

Erleuchtung

Bodhi Linux 3.1.0 vereint die Vorzüge von Ubuntu mit dem brandneuen Moksha-Desktop, einem Fork von Enlightenment E17. Dabei eignet sich das System ganz ausgezeichnet für den Einsatz auf älterer Hardware.

Bodhi Linux setzt als einzige Ubuntu-basierte Distribution seit Langem auf den schlanken und optisch ansprechenden Enlightenment-Desktop als Standard-Arbeitsoberfläche. Mit dem neuen Release 3.1.0 präsentiert das Projektteam jetzt nicht nur ein runderneuertes System, das auf Ubuntu 14.04 mit LTS-Support aufsetzt, sondern nutzt erstmals auch den Enlightenment-Fork Moksha. Moksha (Sanskrit für "Erleuchtung" oder "Befreiung") knüpft an die positiven Eigenschaften von Enlightenment E17 an, wie Schnelligkeit, geringen Ressourcenbedarf und Stabilität, und wurde zusätzlich von unnötigem Ballast befreit.

Vorbereitungen

Moksha glänzt trotz der noch sehr niedrigen Versionsnummer 0.1.0 nicht nur durch gute Konfigurierbarkeit und ein elegantes Erscheinungsbild. Aufgrund der moderaten Hardware-Anforderungen gelingt es damit, selbst ältere Computersysteme mit einer ansprechenden und zeitgemäßen grafischen Oberfläche wieder produktiv zu nutzen. Sogar auf sehr betagten Maschinen, auf denen ein originales Ubuntu schon gar nicht mehr starten würde, ist Bodhi Linux noch agil unterwegs.

Sie erhalten das Betriebssystem als ISO von der Projekt-Website [1]. Neben 32- und 64-Bit-Varianten steht auch ein Image für Legacy-Systeme bereit. Letzteres eignet sich insbesondere für Pentium-Systeme der ersten Generationen und unterstützt auch Prozessoren ohne hardwareseitige PAE-Erweiterungen. Als minimale Systemvoraussetzungen geben die Entwickler eine CPU mit mindestens 500 MHz Taktfrequenz an, 128 MByte Arbeitsspeicher sowie 3 GByte freien Speicherplatz auf der Festplatte. Somit lassen sich also auch bereits ausgemusterte Computersysteme mit einem Alter von zehn oder mehr Jahren wieder reanimieren.

Die Images von Bodhi Linux fallen allesamt deutlich kleiner als 600 MByte aus, Sie können sie problemlos auch auf älteren USB-Speichersticks mit geringer Kapazität oder auf CD-R-Datenträgern verwenden. Um das ISO-Image auf einem Speicherstick abzulegen, geben Sie bei angeschlossenem USB-Stick mit Administratorrechten einfach den Befehl aus Listing 1 im Terminal ein, wobei Sie den Laufwerksnamen /dev/sdX durch den aktuell für Ihren Speicherstick vergebenen Device-Namen ersetzen. Viele Systeme sprechen den USB-Stick als zweites Speichergerät (/dev/sdb) an.

Beachten Sie bitte, dass der Installationsvorgang mehrere Minuten Zeit beansprucht, da die Schreibgeschwindigkeiten gängiger USB-Sticks relativ gering ausfallen. Alternativ zur Installation per Terminal können Sie auch ein grafisches Tool wie Unetbootin verwenden [2].

Listing 1

# dd if=/Pfad-zum-ISO/Image of=/dev/sdX bs=512k<C>

Erster Start

Beim ersten Start vom USB-Stick oder vom optischen Datenträger gestattet der Bootloader Grub lediglich den Live-Betrieb des Systems. Die Installation auf einem in den Computer eingebauten Massenspeicher aus Grub heraus ist nicht vorgesehen. Für den Fall, dass das Betriebssystem in der üblichen Live-Variante nicht starten sollte, bietet das Menü einen zusätzlichen Modus an, in dem es Bodhi Linux mit einem VESA-kompatiblen Grafiktreiber lädt.

Nach Auswahl eines der beiden Startmodi präsentiert sich Bodhi Linux erfreulich schnell mit einem überraschend unauffällig wirkenden Moksha-Desktop (Abbildung 1). Außer einer unten auf der Arbeitsoberfläche horizontal angeordneten Leiste befindet sich kein weiteres Element auf dem Desktop. Das Panel selbst beherbergt lediglich ganz links den Knopf für das Startmenü, daneben zwei Applikationsstarter und rechts einen kleinen Systembereich. Dort zeigt es Uhrzeit, Datum, virtuelle Desktops und Netzwerkverbindungen an.

Abbildung 1: Der flinke, unauffällig wirkende Moksha-Desktop lässt sich detailliert an die eigenen Vorstellungen anpassen.

Die einzelnen Untermenüs tragen englischsprachige Bezeichnungen und weisen nur einen sehr begrenzten Softwarebestand auf: So findet sich in den Menüs weder eine Bürosuite noch ein Bildbearbeitungsprogramm. Auch auf einen Mailclient haben die Entwickler verzichtet, als Webbrowser fungiert der aus dem Fundus des XFCE-Desktops stammende schlanke Midori. Die verfügbaren Programme umfassen fast ausschließlich native Applikationen für den Enlightenment-Desktop: ePhoto dient als Bildbetrachter, ePad fungiert als einfacher Texteditor, und der schnelle Dateimanager PcmanFM rundet das grundlegende Angebot ab.

Im Untermenü Settings jedoch manifestiert sich eindrucksvoll die Entwicklungsphilosophie der Moksha-Programmierer: Hier finden Sie unzählige Einträge zum individuellen Anpassen der Arbeitsoberfläche. Entgegen dem derzeitigen Trend von Gnome, Unity und Co., möglichst wenig Konfigurationsoptionen zu bieten, um den Anwender nicht zu verwirren, geht Moksha ähnlich wie KDE den entgegengesetzten Weg: Hier lässt sich das Erscheinungsbild bis in das kleinste Detail individualisieren, sodass jeder Desktop fast ein Unikat darstellt.

Das stationäre Einrichten des Systems stoßen Sie aus dem Live-Desktop über den Schalter Install Bodhi an. Diesen rufen Sie entweder links unten im Panel auf oder über das Menü Applications | Preferences. Der sich daraufhin öffnende grafische Installer führt in wenigen Schritten zu einem einsatzfähigen Betriebssystem auf der Festplatte, wobei das Tool auch verschlüsselte Datenträger und Verzeichnisse sowie das Einrichten eines LVM-Systems ermöglicht.

Im Gegensatz zu anderen Installationsroutinen lässt sich kein nutzbares Root-Konto anlegen, und auch andere Optionen fehlen, wie die Auswahl eines Bootloaders und dessen Konfiguration. Im Test fiel zudem in der 64-Bit-Variante ein Bug der Routine auf: Der Installer ignorierte die von uns angewählte deutsche Lokalisierung, sodass Bodhi Linux nach wie vor in englischer Sprache startete – lediglich die deutsche Tastatureinstellung funktionierte.

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