In der Praxis

Beim Start des Live-Mediums erscheint eine Anmeldemaske, die Sie ohne Passworteingabe einfach wegklicken, um ins System zu gelangen (Abbildung 2). Das Einstellen der deutschen Lokalisierung für das Live-System geht einfach vonstatten: Ein Rechtsklick auf den Desktop und die Auswahl von Settings führt zu den Einstellungen, wo Region & Language die gewünschten Einträge enthält (Abbildung 3). Alternativ gelangen Sie über das Menü direkt zu diesem Punkt. Um die Einträge wirksam zu machen, melden Sie sich neu am System an, indem Sie rechts unten den Ausschalter klicken und dort Logout wählen. Der schlichte und einfach zu bedienende Installer von Solus beherrscht bisher noch keine fortgeschrittenen Szenarien wie RAID, LVM oder Verschlüsselung, ein Zeitplan hierzu soll in Kürze folgen.

Abbildung 2: Beim Live-Medium melden Sie sich ohne Passwortangabe an.
Abbildung 3: Eine deutsche Lokalisierung für System und Tastatur gelingt problemlos.

Nach der Installation fällt die angenehm kurze Startzeit auf. Beim Test auf einem Rechner mit einer Intel-i7-CPU und einer schnellen SSD bootete Solus in knapp über einer Sekunde. Das Systemmenü sieht derzeit noch etwas chaotisch aus, Doherty und seine Mannen wollen es aber bis zur stabilen Veröffentlichung noch aufräumen. Wie bereits angedeutet, findet sich hier für jede Aufgabe genau ein Programm. Darunter zählen neben einigen Apps aus dem Gnome-Repertoire auch Firefox und Thunderbird, Hexchat und Transmission sowie Rhythmbox und VLC. Das Software Center (Abbildung 4) hält für Büroarbeiten neben LibreOffice auch Abiword und Gnumeric vor. Zudem steht eine große Anzahl weiterer Gnome-Applikationen zur Installation bereit. Den Kernel will das Solus-Team stets aktuell halten und optimiert ihn zudem mit Werkzeugen aus dem Intel-Baukasten.

Abbildung 4: Über das Software Center installieren Sie per Mausklick zusätzliche Programme.

Fazit

Solus ist innovativ, modern, schnell, optisch attraktiv und … GTK. Wer daran nichts auszusetzen findet, kann mit Spannung auf den 1. Oktober warten: Solus wird ohne Zweifel Furore machen. Der charismatische Ikey Doherty hat es verstanden, auf Google+ [13] einen Spannungsbogen aufzubauen, der dem noch jungen Projekt nicht nur neue Entwickler bescherte, sondern auch eine treue Fangemeinde. Die wartet schon mit Spannung auf die Erstveröffentlichung.

Solus will jährlich ein neues Image veröffentlichen, das das Projekt dann für zwei Jahre unterstützt. Alle anwenderbezogenen Pakete aktualisiert die Distribution während dieses Zeitraums im Stil eines Rolling Release, während der Unterbau nur sehr vorsichtige Aktualisierungen erfahren soll. Ein fließendes Upgrade von einer Version auf die nächste soll dennoch Neuinstallationen überflüssig machen. 

Interview mit Solus-Initiator Ikey Doherty

LinuxUser: Ikey, Du baust Solus von Grund auf neu. Was missfällt Dir an der Art und Weise, wie Distributionen heute üblicherweise entstehen?

Ikey Doherty: Heutige Distributionen präsentieren sich als lose Sammlung von Paketen, die im Dateisystem des Anwenders ein mehr oder weniger kohärentes Betriebssystem ergeben – oder das zumindest sollen. Im Normalfall fließt bei der Zusammenstellung viel zu viel Zeit ins Paketieren ein und in Tausende Konfigurationen, die sicherstellen sollen, dass diese enorme Anzahl an Paketen konfliktfrei zusammenwirkt. Ich setze dagegen auf eine zweckgebundene Distribution für den Desktop. Das macht das Erstellen anhand eines überschaubaren Paketbestands wesentlich einfacher.

LU: Kannst Du für unsere Leser die anvisierte Anwendergruppe "Desktop" etwas genauer beschreiben?

ID: Bisher haben sich zwei interessierte Benutzergruppen herauskristallisiert: Linux-Langzeitanwender, die von den Versprechen bestehender Projekte enttäuscht sind, und Linux-Neulinge. Die Gruppe der enttäuschten Anwender teilt in etwa meine eigene Befindlichkeit: Wir wollen etwas, das einfach funktioniert, ohne Konfigurationsdateien zu editieren. Auch der schönste Desktop und die schnellste Bootzeit tragen eine Distribution nur für eine Weile. Bei Solus geht es darum, unter der Haube Probleme anzugehen, die das vielzitierte "Jahr des Linux-Desktops" bis jetzt immer wieder verhindern. Egal, ob zu kompliziertes Paketmanagement oder das Fehlen integrierter Backup- und Systemwiederherstellung: Wir arbeiten konkret an den Problemen, die entweder lange überpinselt oder einfach ignoriert wurden.

LU: Ikey, vielen Dank für den Einblick!

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Kommentare
Rakete läßt Firefox abstürzen
Karl Napp (unangemeldet), Sonntag, 20. September 2015 20:19:34
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Ein Logout nach der Einstellung der Tastaturbelegung zur Übernahme der Daten ist alles andrere als innovativ.

Reproduzierbar veranlassen manche Seiten (wie z.B. Strato) die installierte Firefoxvariante einfrieren.
Zwar erkennt das System diesen Zustand nach geraumer Zeit, macht ein Arbeiten auf den Seiten aber unmöglich.

Das der Installer ebenfalls einfriert und einen weiteren Test unmöglich macht, rundet das Bild ab.


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Re: Rakete läßt Firefox abstürzen
Ferdinand Thommes, Dienstag, 22. September 2015 12:31:19
Ein/Ausklappen

Hi,

ich habe Solus in den letzten sechs Monaten oft installiert, der Installer ist mir nie eingefroren. Probleme mit Firefox sind bekannt, ich habe strato.de als Testseite an die Entwickler weitergeleitet.

Ansonsten, falls Sie Solus noch eine Chance geben wollen, am 1. Oktober erscheint die erste stabile Version.

Ferdinand Thommes


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Re: Rakete läßt Firefox abstürzen
Ferdinand Thommes, Dienstag, 22. September 2015 12:42:02
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Antwort eines Entwicklers: Bitte einen Bugreport auf https://bugs.solus-project.com/ schreiben, dann kann man im direkten Kontakt Probleme besser reproduzieren und beheben.


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