Lieber mit GUI?

In vielen Fällen merken Benutzer gar nichts davon, dass hinter den Kulissen ein Machtwechsel vor sich ging. Wer nur mit grafischen Werkzeugen zur Paketverwaltung arbeitet, wird sanft migriert. Die meisten grafischen Paketverwaltungswerkzeuge setzen weder auf Yum noch auf DNF auf, sondern nutzen PackageKit [4] als Zwischenschicht. Das erleichtert den Entwicklern durch eine einheitliche und distributionsübergreifend funktionierende API oberhalb von Kommandozeilen-Tools wie Yum, DNF oder Apt und Pacman die Arbeit. Als einziger grafischer Paketmanager kommt das aus dem ursprünglichen Yum-Frontend entstandene Yumex-DNF [5] ohne PackageKit aus. Das GTK3-basierte Programm passt sich optisch und bedientechnisch gut in Gnome ein, lässt sich aber auch unter anderen Benutzeroberflächen verwenden.

Gegenüber dem alten Yumex bietet Yumex-DNF hinsichtlich seiner Funktionalität wenig Neues. Beim Start des Programms ruft das Programm im Hauptfenster (Abbildung 2) die neuesten Paketversionen ab und zeigt sie in der Übersicht an. Beim Klick auf eines der Pakete erscheinen im unteren Fensterteil weitere Informationen zum ausgewählten Eintrag. Über das Plus-Symbol in der Kopfzeile der Paketliste wählen Sie die gefundenen Pakete aus und führen mit dem Zahnrad-Knopf oberhalb der Liste übliche Aktionen wie Installieren, Aktualisieren oder Löschen aus. Praktischerweise fragt Yumex-DNF erst beim Ausführen einer Aktion nach dem Root-Passwort, was das Programm auch für gewöhnliche Benutzer für das Durchsuchen der Paketquellen und der lokalen Paketdatenbank interessant macht.

Abbildung 2: Alter Bekannter im neuen Gewand: Yumex-DNF hält die Fahne des direkten Zugriffs auf DNF hoch, ohne PackageKit zu benötigen.

Ansonsten kommt DNF über das PackageKit-Backend mit jeder darauf basierenden Paketverwaltungssoftware zurecht. In der neuesten Distributionsversion ersetzt DNF in der PackageKit-Konfiguration Yum und versieht seither dort seinen Dienst. Hier könnten Sie wieder händisch eingreifen und auf Yum ausweichen, aber die grafischen Programme würden davon kaum profitieren. Wie so oft gilt auch hier, dass grafische Frontends den ihnen zugrunde liegenden Befehlszeilenprogrammen funktionell mehr oder weniger hinterherhinken. Etwas Einarbeitung vorausgesetzt, kommen Sie mit dem puren DNF genauso komfortabel und oft schneller ans Ziel.

Ausblick

In DNF steckt noch viel Potenzial, insbesondere im Hinblick auf einige exotische Yum-Plugins, die noch nicht den Weg in die schöne neue Welt gefunden haben. Auch die zukunftssichere Python-3-fähige Basis und die problemlose Migration der Yum-Datenbank sprechen für sich.

In der Vergangenheit geriet Fedora schon öfter in Verruf, weil es kompromisslos technologisch vorpreschte, obwohl es Alternativen gegeben hätte. Ein typisches Beispiel aus den letzten Jahren war die halbherzige Einführung von Systemd in Fedora 15, die so manchem Administrator den Schweiß auf die Stirn trieb: Lange nicht alle relevanten Pakete waren bereits auf Systemd migriert, im Ernstfall musste man sich gleich mit zwei Init-Systemen herumschlagen. Die Ankündigung eines neuen Standardwerkzeugs sorgte auch im Fall von DNF wieder für Unmut bei altgedienten Benutzern, deren Lamentieren verstummte jedoch recht schnell. Freilich müssen Sie als Anwender ein wenig umlernen, das grundlegende Verhalten hat sich jedoch nicht wesentlich geändert.

Gespannt darf man auch darauf sein, wie sich DNF auf zukünftige Systemaktualisierungen auswirkt. Der Sprung von einer Distributionsversion zur nächsten war bei Fedora oft ein Glücksspiel. Schon kleinste Problemchen brachten das frühere Preupgrade und später Fedup gehörig aus dem Tritt. Entweder endete die Aktion in einem Neuaufsetzen des Systems, oder man griff doch lieber auf das nicht offiziell unterstützte, aber genügsamere Skript fedora-upgrade [6] zurück, das ohne viel Schnickschnack allein mit Yum das System auf den neuesten Stand brachte. Sollte es dank des offensichtlich fehlertoleranteren DNF gelingen, den Anteil zufriedener Nutzer nach einem Upgrade mit Fedup zu erhöhen, dann wäre viel gewonnen und Fedora um einen schlechten Ruf ärmer.

Die Vor- und Nachteile von DNF und Yum gegeneinander abzuwägen, um eine Empfehlung auszusprechen, wäre hier fehl am Platz. Wie man es auch dreht und wendet: Ihnen bleibt sowieso nichts anderes übrig, als umzusteigen. Yum steht bis auf Weiteres noch in den Paketquellen zur Verfügung, aber allein das biblische Alter dessen neuester Programmversion und die schlechten Aussichten auf weitere Pflege sollten Sie dazu bewegen, DNF eine faire Chance zu geben. Wer Fedora 22 neu installiert, wird ohnehin nicht mehr ohne händische Nachinstallation mit Yum in Berührung kommen. 

Glossar

Dot-Format

Grafisches Format zur Visualisierung von Objekten und deren Relationen. Es wird unter Linux von Graphviz [3] erzeugt und lässt sich in zahlreiche andere, von gewöhnlichen Bildbetrachtern verarbeitbare Formate sowie in Postscript und PDF umwandeln.

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