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OpenMandriva Lx 2014.2 "The Scion" im Test

Neues Spiel, neues Glück

Wenige Wochen nach dem Erscheinen von Mageia 5 gaben die Entwickler von OpenMandriva ebenfalls eine neue Version ihres Mandriva-Nachfolgers frei. Wir zeigen, was sie kann.

Mandrake und später Mandriva galt viele Jahre als einfach zu bedienende Desktop-Distribution, die sich auch bestens für Einsteiger eignete. Seit längerer Zeit jedoch machte das französische Unternehmen Mandriva fast nur noch durch finanzielle Engpässe von sich reden und musste seinen Geschäftsbetrieb schließlich Mitte Mai 2015 endgültig einstellen.

Bereits 2012 überführte Mandriva die Pflege und Entwicklung des Desktop-Systems in eine private Organisation, die Anfang 2013 einen gemeinnützigen Status erlangte [1]. Damit war die Weiterentwicklung des Betriebssystems, das seither unter dem Namen OpenMandriva firmiert, gesichert.

Von OpenMandriva [2] erschienen in den letzten Jahren mehrere neue Versionen, die stets in regem Austausch mit den Entwicklern des russischen Mandrake-Derivats ROSA Linux entstanden. Doch bei OpenMandriva handelt es sich nicht um eine Kopie von ROSA Linux, es setzt nach wie vor durchaus eigene Akzente. Die Ende Juni 2015 erschienene neue Version OpenMandriva Lx 2014.2 versteht sich dabei weniger als Betriebssystem mit revolutionären Neuerungen, sondern vielmehr als Aktualisierung der vor rund neun Monaten erschienenen Vorgängerversion 2014.1.

Live-System

Anders als frühere Mandriva-Versionen oder der Fork Mageia kommt OpenMandriva nicht in unzähligen unterschiedlichen Varianten, sondern nur noch in zwei jeweils rund 1,8 GByte großen ISO-Images für 32- und 64-Bit-Architekturen [3]. Diese enthalten neben den Installationsvarianten auch die früher gesondert veröffentlichten Live-Systeme. Als Desktop kommt KDE in Version 4.14.3 zum Einsatz (Abbildung 1). Der Systemstart gelingt dank des Hybrid-Images sowohl von optischen Datenträgern als auch von USB-Sticks.

Abbildung 1: Der aufgeräumte KDE-Desktop von OpenMandriva bietet einige optische Leckerbissen, sofern die Hardware nicht zu alt ist.

Falls Sie beabsichtigen, OpenMandriva zunächst ohne Festplatteninstallation zu testen, empfehlen wir dringend, das System von einem USB-Stick aus zu booten, da der Start von einer DVD unzumutbar lange dauert. Besitzen Sie einen Rechner, der älter als sechs oder sieben Jahre auf dem Buckel hat, sollten Sie die 32-Bit-Version verwenden. Bei unseren Versuchen, die 64-Bit-Variante auf solch betagter Hardware im Live-Betrieb einzusetzen, zeigte OpenMandriva deutliche Schwächen bei der Hardware-Unterstützung.

Nach dem Start des Live-Systems begrüßt Sie OpenMandriva in frischen Blautönen. Gleich zu Beginn erscheint der Willkommensbildschirm, der neben einigen allgemeinen Informationen auch Anleitungen zur Installation des Systems zeigt. Zusätzlich enthält er einen App-Store (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Willkommensbildschirm von OpenMandriva bietet zusätzliche Funktionen an, wie beispielsweise einen App-Store.

Die Plasma-Oberfläche von KDE erweist sich auch auf älteren Grafikkarten durch Transparenzeffekte und eine ästhetische Farbgebung als ein echter Hingucker, wobei Sie zwischen dem Kickoff-Startmenü und der traditionellen Variante per Mausklick wählen. Auch in anderen Belangen präsentiert sich OpenMandriva auf dem Stand der Technik: Insbesondere der Kernel 3.18.16 erzielt durch verschiedene Optimierungen für Desktop-Anwendungen eine deutlich bessere CPU-Auslastung und beschleunigt damit das System vor allem auf stärkeren Prozessoren spürbar. Auch mit neuer Hardware weiß OpenMandriva umzugehen: Das System unterstützt EFI und erlaubt die Installation auf sehr großen Massenspeichern sowie GPT-Partitionierung im BIOS-Modus.

Ein Blick in die Menüs offenbart, dass OpenMandriva von Haus aus sämtliche KDE-eigenen Applikationen mitbringt. Daher weisen die meisten Menüs einen sehr umfangreichen Softwarebestand auf. Lediglich Unterhaltungsmedien zeigt sich mit nur vier Einträgen gering bestückt, wobei sich jedoch mit dem Mediaplayer VLC 2.1.6 und dem Audioplayer Amarok 2.8.0 zwei Boliden für die Medienwiedergabe finden. LibreOffice 4.4.3.2 und Firefox 38.0.5 bringt OpenMandriva ebenso mit wie den Dokumentenbetrachter Okular 0.20.3 und die Xsane-Scanner-Software in Version 0.99. Das Bildbearbeitungsprogramm Gimp fehlt jedoch.

Verwaltungswerkzeuge

Die komplette Systemadministration erledigen Sie in OpenMandriva nach wie vor mit lediglich zwei Werkzeugen. Dazu zählt zum einen das KDE-Kontrollzentrum, das Sie unter Werkzeuge | Systemwerkzeuge als Die Arbeitsumgebung konfigurieren finden. Zum anderen zeichnet das schon seit Mandrake Linux bekannte Drakconf-Kontrollzentrum (Abbildung 3) für die Installation und Konfiguration der Hardware sowie das Software-Management verantwortlich. Allerdings hört es in OpenMandriva auf den Namen Den Computer konfigurieren. Die beiden Programme erleichtern die Systemkonfiguration signifikant, indem praktisch alle relevanten Einstellungen in nur zwei Bedienoberflächen bereitstehen.

Abbildung 3: Das Drakconf-Kontrollzentrum erlaubt auch Ein- und Umsteigern die äußerst einfache Verwaltung des Systems.

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