Schlank und scharf

Von der Verarbeitung her macht das Gerät einen guten Eindruck. Optisch übernimmt das Meizu MX4 ganz klar wesentliche Stilelemente des iPhones – ob das gefällt, bleibt Geschmackssache. Die Front besteht aus robustem Corning Gorilla Glas 3; der Rahmen ist aus Metall, die Rückseite aus Kunststoff. Letztere macht im Gegensatz zum Aquaris E4.5 einen weniger wertigen Eindruck. Der rückseitige Deckel lässt sich schon mit wenig Druck deutlich eindrücken. Der kapazitive Taster unter dem Display beherbergt die Benachrichtigungsleuchte. Der Knopf fungiert zudem als Home-Button, schiebt die gerade aktuelle Anwendung in den Hintergrund und blendet die Anwendungsübersicht ein.

Als ein wenig unpraktisch fällt nach längerer Nutzung der schmale Rand des Handys auf (Abbildung 3). Der häufig kritisierte, breitere und optisch daher weniger ansprechende Display-Rand des Aquaris E4.5 ist für das Ubuntu-Phone-Betriebssystem, dessen Bedienung im Wesentlichen aus vom Bildschirmrand ausgehenden Wischgesten besteht, aber durchaus vorteilhaft. Das Wischen vom Bildschirmrand des Meizu MX4 fühlt sich so an, als würde der Finger quer über eine stumpfe Messerklinge gleiten. Setzen Sie den Finger andererseits etwas weiter zum Display hin an, erkennt das System die Wischgeste häufig nicht mehr richtig. Mit einer Schutzhülle wird das Bedienen des MX4 dann endgültig zum Geduldsspiel.

Abbildung 3: Der extrem schmale Rand macht die Bedienung des Geräts mit den Ubuntu-Touch-Gesten mühsam.

Fazit

Unterm Strich bekommen Käufer des Meizu MX4 Ubuntu Edition zu einem Preis von knapp 300 Euro ein solides, leistungsstarkes Gerät, das rein optisch eine Menge hermacht.

Allerdings trüben eine Reihe von Kleinigkeiten das ansonsten gute Gesamtbild: Der Akkudeckel, der sich bei unserem Gerät um gut einen Millimeter merklich eindrücken lässt; die Kamera, die verrauschte Bilder liefert und deren Auflösung sich mangels Softwareunterstützung nicht ausnutzen lässt; der nur schlecht unterstützte Grafik-Prozessor, der dazu führt, dass das Gerät trotz der enormen Rechenkraft deutlich ruckelt.

Es bleibt zu hoffen, dass die Software bald den Rückstand auf die Hardware aufholt. Derzeit wirkt die Veröffentlichung des Ubuntu Phones durch Meizu etwas überhastet. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Canonical und Meizu mit dem Gerät unbedingt auf den Markt wollten. Offenbar gilt hier das berüchtigte Bananenprinzip: Die Software reift beim Kunden.

Als Trostpflaster bleibt das Fazit, dass das Meizu MX4 auf den ersten Blick die Anmutung eines iPhones erfüllt. Zudem dürfen Käufer des Handys mit Stolz behaupten, Besitzer des bis dato schnellsten und besten Ubuntu-Handys zu sein – zumindest auf dem Datenblatt. Benutzbar ist das Meizu MX4 allemal, nur eben nicht ganz rund und nicht in dem Umfang, wie es die technischen Eckdaten erwarten lassen. 

Der Autor

Jacob Dawid ist Unterstützer und aktiver Entwickler in der Free-Software-Community. Hauptberuflich arbeitet er als Softwaredesigner bei 9elements und entwickelt dort Webanwendungen und native Apps für sämtliche Plattformen.

Infos

[1] Verteilung Smartphone-Markt: http://www.forbes.com/sites/dougolenick/2015/05/27/apple-ios-and-google-android-smartphone-market-share-flattening-idc/2/

[2] "Apple enteilt der Smartphone-Konkurrenz": http://www.n-tv.de/wirtschaft/Apple-enteilt-der-Smartphone-Konkurrenz-article15501211.html

[3] Firefox OS: https://www.mozilla.org/de/firefox/os/2.0

[4] Sailfish OS: https://sailfishos.org

[5] Tizen: https://www.tizen.org

[6] "Firefox OS sinks its teeth into low-end smartphones": http://www.cnet.com/news/firefox-os-sinks-its-teeth-into-low-end-smartphones

[7] Ubuntu Touch: http://www.ubuntu.com/phone

[8] "Meizu MX4 Ubuntu & Convergence Demo": https://youtu.be/dl4R-iI9JHQ

[9] Technische Daten auf der Herstellerseite: http://www.meizu.com/en/ubuntu/features.html

[10] Meizu MX4 Ubuntu Edition im MeizuMart: http://ubuntu.meizumart.com

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