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© Konstantin Sutyagin, 123RF

Scribus 1.5 weckt neue Hoffnungen auf ein freies DTP-Programm

Lebenszeichen

Scribus sendet mit Version 1.5 ein neues Lebenszeichen. Das Release gibt zwar nur einen Vorgeschmack auf Kommendes, macht aber Appetit auf mehr.

Desktop Publishing gehört zum harten Kern der PC-Anwendungen: Noch vor zehn Jahren ließen sich nicht ganz so computeraffine Menschen vielleicht mit Dokumenten aus Microsoft Word begeistern, garniert mit ein paar Cliparts. Das zieht heute nicht mehr, denn selbst einfache Anwender streben professionelle Ergebnisse an. Waren für Flyer und Broschüren früher Grafiker zuständig, entstehen solche Produkte heute regelmäßig auf dem Heim-PC. Das führt nicht in jedem Fall zu ansprechenden Resultaten; treffen jedoch Geschmack, Kreativität und das richtige Werkzeug aufeinander, sind gute Ergebnisse vorprogrammiert.

Scribus bietet sich als Werkzeug für diese Aufgabe an: Das quelloffene Programm versprach vor Jahren als Erstes DTP-Funktionen, die bis dahin bloß aus dem professionellen Bereich bekannt waren. Das klappte nicht auf Anhieb, wie Anwender, die mit den ersten Versionen von Scribus gearbeitet haben, aus erster Hand wissen. Doch einige Jahre Entwicklungsarbeit und das Bemühen der Entwickler, die Software zu stabilisieren, tragen mittlerweile Früchte.

Zwar bietet Scribus nicht jede Funktion, die Tools wie Adobe Indesign beherrschen – das tut der Sache aber keinen Abbruch, denn die großen Profi-Werkzeuge bringen ohnehin viele Funktionen mit, auf die sich gerade bei einfachen DTP-Aufgaben gut verzichten lässt. Dass aber mit Scribus durchaus professionelle Arbeiten gelingen, beweist das Magazin "Le Tigre" [1], das komplett mithilfe des freien DTP-Pakets entsteht.

Ein Lebenszeichen

Viele Beobachter gaben sich in letzter Zeit skeptisch, sobald Scribus zur Sprache kam. Das Projekt schien sich seit einiger Zeit im Dornröschenschlaf zu befinden: Die aktuelle Major-Version 1.4 erschien Anfang 2012, das letzte Bugfix-Release datiert auf den Januar 2015. Auch seitdem hat sich nicht viel getan: Die Oberfläche, diverse Funktionen und die Integration in aktuelle Desktop-Umgebungen wirken allesamt etwas altbacken.

In der Szene kommen unter solchen Umständen schnell Gerüchte auf – Scribus wurde bereits als Fall für den digitalen Friedhof gehandelt. Ende Mai traten die Entwickler solchen Rants entgegen, indem sie die Version 1.5 der Software veröffentlichten. Die gilt zwar ausdrücklich als Vorabversion, und die Entwickler raten vom produktiven Einsatz ab, doch darum geht es gar nicht: Scribus 1.5.0 stellt die Grundlage für die bereits angekündigte Version 1.6.0 dar.

Die Entwickler wollen also nicht nur unter Beweis stellen, dass die Software grundsätzlich lebt; sie wollen auch klar machen, dass es bei Scribus weitergeht und Anwender in Zukunft mit neuen Versionen rechnen dürfen. Grund genug, die Version 1.5.0 genauer daraufhin unter die Lupe zu nehmen, was sich getan hat und was die nächste Major-Version voraussichtlich bietet. Im Kasten "Scribus 1.5 ausprobieren" lesen Sie, wie Sie die Software installieren.

Scribus 1.5 ausprobieren

Falls Sie bereits mit Scribus gearbeitet haben und Lust bekommen, sich mit den neuen Funktionen von Scribus 1.5 zu befassen – auf der Website des Programms finden Sie die Version 1.5 für Windows sowie für Mac OS X zum Download [2]. Allerdings funktionieren unter beiden unfreien Betriebssystemen möglicherweise nicht alle Features wie erwartet. Vorbildlich zeigt sich Scribus in Sachen Linux-Support: Ein tagesaktuelles PPA [3], das Pakete für Ubuntu enthält, gehört genauso zum Standard wie der OpenSuse-Build-Service, der für OpenSuse, Red Hat, Fedora und ähnliche Systeme Pakete anbietet. Sogar Gentoo unterstützen die Entwickler mittels eines eigenen Ebuilds.

Des Kaisers neue Kleider

Nach der Installation fällt eines sofort auf: Das Programm sieht anders aus (Abbildung 1). Das ist vorrangig der Tatsache geschuldet, dass Scribus 1.4 noch auf Qt4 basiert, während die Entwickler für die Version 1.5 die grafische Oberfläche in Qt5 geschrieben haben. Damit profitiert die Software nicht nur in Sachen Geschwindigkeit, sondern passt sich deutlich besser in Desktops ein, die auf das gleiche Framework setzen.

Abbildung 1: Scribus 1.5.0 kommt mit einer neuen Oberfläche daher, die der alten aber in vielerlei Hinsicht ähnelt – allerdings nicht optisch.

Wer die Arbeit mit der Applikation gewohnt ist, braucht an dieser Stelle aber nicht komplett umzulernen: Zwar wirkt alles etwas runder und die Icons sehen anders aus; bis auf wenige Ausnahmen finden sich die Knöpfe für alle wichtigen Funktionen aber in Version 1.5 dort, wo sie sich schon in Version 1.4 befanden (Abbildung 2). Gut möglich, dass sich die Anordnung bis Version 1.6 noch ändert – eine völlig neue Oberfläche steht aber nicht ins Haus.

Abbildung 2: Der Dialog zum Anpassen eines Dokuments wurde von Grund auf neu geschrieben und wirkt intuitiver, aber nicht unbedingt fremd.

Stattdessen fallen dem versierten Betrachter Änderungen im Detail auf: So schrumpfte etwa das Kontextmenü der rechten Maustaste deutlich (Abbildung 3). In der Vorgängerversion erschien je nach gewählter Aufgabe oft ein riesiges Menü auf dem Bildschirm, in dem sich nur per Scrollen überhaupt alle Einträge einsehen ließen.

Abbildung 3: Das Kontextmenü unter der rechten Maustaste ist jetzt aufgeräumt. Gut zu erkennen ist, dass die Applikation Tabellen jetzt als solche behandelt.

Komplett neu gestaltet ist auch das Menü, über das Sie die Eigenschaften einer einzelnen Seite festlegen. Gleiches gilt für dessen Kollegen, über den Sie das Verhalten der Applikation insgesamt steuern (Abbildung 4). Im Gegensatz dazu wirkt der Dialog, der das Bearbeiten der Eigenschaften von einzelnen Objekten ermöglicht, durch die vielen neuen Features fast schon unübersichtlich – die Entwickler versprechen aber, ihn bis zur finalen Version 1.6 noch zu straffen.

Abbildung 4: Hand legten die Scribus-Entwickler auch beim Konfigurationsdialog an, der überarbeitet daherkommt – allerdings nicht sehr übersichtlich.

Die Software erlaubt es nun, Paletten am gesamten Rand von Scribus anzudocken, etwa für den Einsatz von Farben oder Formen. Der Vorschau-Dialog zeigt nun Vektor- oder BMP-Dateien an. Wer von der Arbeit mit seinem Browser Tabs gewohnt ist, dem kommt der Tab-Modus in der aktuellen Version entgegen: So öffnen Sie mehrere Dokumente, um diese im Wechsel zu bearbeiten.

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