Zusätzliche Paketquellen

Manche unabhängigen Arch-Entwickler und Communities betreiben eigene, nicht offiziell abgesegnete Paketquellen, die sich relativ einfach zum System hinzufügen lassen. Diese Repos enthalten in der Regel Binärpakete, sodass ein langwieriges Kompilieren der Anwendungen entfällt. Die Installation eines alternativen Kernels oder gar einer kompletten Desktop-Umgebung beschleunigt sich auf diese Weise ganz wesentlich.

Das Arch-Linux-Wiki führt eine ganze Reihe solcher inoffizieller Paketquellen auf [5]. Zudem erleichtern Paketbetreuer wie etwa die Mitglieder des Gnome-Teams die Installation von Testversionen über die Paketverwaltung mit einem eigenen Repository. Solche Informationen verbergen sich jedoch oft tief in den Arch-Foren [6] – schließlich sollen nur interessierte Tester diese Paketquellen nutzen, nicht aber Anwender, die so ein paar Tage früher an die neuste Gnome-Version kommen möchten.

Zum Einfügen einer neuen Paketquelle öffnen Sie die Pacman-Konfigurationsdatei /etc/pacman.conf in einem Editor und übernehmen den jeweiligen Eintrag, bestehend aus einer [Definition] in eckigen Klammern und der Server-Zeile mitsamt einer URL, unter der die Quelle zu erreichen ist. Listing 9 zeigt als Beispiel die Paketquelle für das Infinality-Bundle [7], das durch Einbringen mehrerer Änderungen an den Freetype2-Bibliotheken [8] die Darstellung von Schriften erheblich verbessert [9]. Teile dieser Änderungen kollidieren allerdings mit einer Reihe von Softwarepatenten, daher lassen sich diese Verbesserungen nicht in die Originalbibliotheken von Haus aus implementieren.

Listing 9

[infinality-bundle]
Server = http://bohoomil.com/repo/$arch

Nach dem Sichern der Änderungen an der pacman.conf müssen Sie bei signierten Paketquellen (im englischen "signed") der Schlüsseldatenbank von Pacman den öffentlichen Schlüssel des Entwicklers hinzufügen. Dies gelingt mittels des Befehls pacman-key -r Key-ID, bei dem Sie die Key-ID entsprechend anpassen – die Liste mit den inoffiziellen Arch-Repos im Wiki listet die IDs immer mit auf. Anschließend quittieren Sie den Schlüssel mit der Option --lsign-key, lesen die Paketquellen mit Pacman neu ein und installieren dann das Bundle – oder bei einer anderen Paketquelle eben das gewünschte Paket (Listing 10).

Listing 10

# pacman-key -r 962DDE58
# pacman-key --lsign-key 962DDE58
# pacman -Syu
# pacman -S infinality-bundle

Eine Übersicht über alle Pakete eines Repositories erhalten Sie bei Bedarf mittels pacman -Sl Quelle. Der Befehl listet alle in der angeführten Quelle verfügbaren Pakete auf und markiert die bereits installierten (Listing 11), sodass sich diese dann gezielt löschen lassen. Um das Repository dann endgültig zu löschen, entfernen Sie den entsprechenden Eintrag in der pacman.conf. Im Fall des Infinality-Bundles sollten Sie jedoch besser mit pacman -S freetype2 fontconfig cairo die ungepatchten Bibliotheken installieren und die dann im Konflikt stehenden Infinality-Pakete entfernen lassen, sodass es nicht zu unzähligen fehlenden Abhängigkeiten kommt.

Listing 11

$ pacman -Sl infinality-bundle
infinality-bundle cairo-infinality-ultimate 1.14.2-1 [Installiert]
infinality-bundle fontconfig-infinality-ultimate 2.11.1-28 [Installiert]
infinality-bundle fontconfig-iu-comp 2.11.1-4
infinality-bundle jdk8-openjdk-infinality 8.u45-2
[...]

Arch User Repository

Nun erstreckt sich das Open-Source- und Linux-Universum über weitaus größere Dimensionen, als die Stammentwickler und Trusted User von Arch Linux abdecken können. Zahlreiche interessante aktuelle Programme und Entwicklungen müssen sich erst bewähren, bevor sie den Weg in die Community-Repos und später vielleicht einmal nach Extra finden. In diese Kategorie fallen beispielsweise brandneue Programme direkt vom Entwickler, experimentelle Patches oder kommerzielle Anwendungen, die gar nicht frei verteilt werden dürfen.

Arch begegnet diesem Problem mit dem Arch User Repository [10] oder kurz AUR. Das AUR agiert nicht als weitere Paketquelle, sondern stellt eine Sammlung aus "Kochrezepten" dar, die beschreiben, wie das System eine Anwendung installieren soll. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Programm vorliegt: ob als Tarball, als Quellcode bei Github, als DEB- oder RPM-Paket oder in Form eines Archivs, das ein statisch kompiliertes Binary eines proprietären Programms enthält.

Eine Reihe [11] verschiedener AUR-Helper unterstützen Sie dabei, solche Anwendungen möglichst ohne Aufwand zu installieren. Sie übernehmen die Arbeit, die PKGBUILD-Datei zu interpretieren, die jedes AUR-Paket definiert. Dabei arbeitet der Helper das Kochrezept Schritt für Schritt ab und installiert am Ende das fertige Programm im System. Viele AUR-Helper arbeiten mit einer weitgehend zu Pacman identischen Syntax und leiten den Aufruf bei der Installation von Programmen aus den regulären Quellen zu Pacman durch. Für alltägliche Aufgaben, wie die Installation eines neuen Pakets oder dem Update des Systems, müssen Sie daher nicht extra Pacman starten.

Die Mutter aller AUR-Helper nennt sich Yaourt [12]. Der Name steht als Akronym für "Yet AnOther User Repository Tool". Das Programm findet sich nicht in den Arch-Paketquellen, Sie müssen es aus dem AUR installieren. Hier beißt sich die Schlange quasi in den Schwanz: Schließlich wollen Sie gerade den ersten AUR-Helper installieren. Die Lösung findet sich in der manuellen Installation des Programms mitsamt seiner Abhängigkeiten. Detaillierte Hinweise dazu finden Sie im Arch-Wiki [13]. Noch simpler klappt es, wenn Sie Paketquellen der französischen Arch-Community einbinden und Yaourt so direkt als Binary installieren.

Öffnen Sie dazu, wie schon zuvor beschrieben, die /etc/pacman.conf mit Root-Rechten in einem Editor und fügen am Ende den Inhalt aus Listing 12 ein. Anschließend lesen Sie mit pacman -Syu yaourt die Paketquellen neu ein und spielen im selben Zug Yaourt auf das System. Falls Sie sudo zum Erlangen von Root-Rechten aus dem aktuellen Benutzerkontext noch nicht installiert haben sollten, holen Sie dies für den bequemen Gebrauch der meisten AUR-Helper noch nach [14]. Der Hintergrund liegt darin, dass Sie Yaourt und Co. immer nur mit Benutzerrechten aufrufen, sodass das Laden und Bauen der Anwendung im Userspace geschieht. Erst bei der Installation des Pakets fordert Yaourt administrative Rechte an.

Listing 12

[archlinuxfr]
SigLevel = Optional TrustAll
Server = http://repo.archlinux.fr/$arch

Zur Installation eines Programms orientieren Sie sich an der Syntax von Pacman und tauschen einfach nur den Programmnamen aus. Mit yaourt -Ss Suchbegriff starten Sie zum Beispiel die Suche und spielen einen der Treffer mit yaourt -S Paket ein (Listing 13). Dabei durchsucht Yaourt nicht nur das AUR, sondern führt an erster Stelle immer Treffer aus den herkömmlichen Paketquellen auf. Daher können Sie auch diese Pakete dann mit Yaourt installieren beziehungsweise mit yaourt -Syu gleich das gesamte System auf einen aktuellen Stand bringen. Achten Sie bei den AUR-Treffern auf die Zahl hinter dem Eintrag (im Beispiel die 1046), auf Zusätze wie Out of Date sowie auch die Farbkennzeichnung der Versionsnummer.

Listing 13

$ yaourt -Ss chrome
extra/chromium 43.0.2357.134-1 [installed]
    The open-source project behind Google Chrome, an attempt at creating a
    safer, faster, and more stable browser
infinality-bundle-fonts/ttf-croscore-fonts-ibx 1.23-9 (infinality-bundle-fonts-extra)
    Google Chrome OS core fonts.
[...]
aur/google-chrome 43.0.2357.134-1 [installed] (1046)
    An attempt at creating a safer, faster, and more stable browser (Stable
    Channel)
[...]
aur/chromeos-devkeys R30.4537-1 (Out of Date) (0)
    Chrome OS vboot keys
[...]
$ yaourt -S google-chrome

Die Zahl beziffert die Anzahl an Stimmen, die Arch-Nutzer dem AUR-Eintrag gegeben haben. Je mehr Stimmen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Sie dieses Programm ohne Komplikationen installieren können. Out of Date markiert Anwendungen, zu denen es eine neue Version gibt, sodass die PKGBUILD-Datei vom Betreuer des Pakets angepasst werden müsste (Abbildung 2). Eine rote Versionsnummer signalisiert, dass das Paket keinen Betreuer mehr hat – erwarten Sie hier also nicht zu viel. Bei einer grünen Versionsnummer kümmert sich hingegen nach wie vor jemand um das Paket.

Abbildung 2: Achten Sie bei der Installation von Paketen aus dem AUR immer auf die Anzahl der Votes. Rot hinterlegte Versionsnummern markieren veraltete Versionen.

Bei der Installation eines AUR-Pakets mit Yaourt flutet Sie das System nun mit Nachfragen und Warnungen wie Nicht unterstütztes Paket: Potenziell gefährlich!, PKGBUILD bearbeiten?, Mit dem Erstellen von google-chrome fortfahren?. Zudem müssen Sie oft noch Abhängigkeiten aus den normalen Paketquellen oder aus dem AUR nachziehen. Bei einem Programm mit vielen Anwendungen erfordert Yaourt immer wieder manuelle Eingriffe (siehe Kasten "Sicherheit"). Kontrollieren Sie daher stets die PKGBUILD-Datei dahingehend, ob zumindest die Quelle oder die URL stimmt, von der sich Yaourt die Software holen soll. Listing 14 zeigt den entsprechenden Ausschnitt für das Google-Chrome-Paket.

Sicherheit

Das Arch User Repository unterliegt relativ laxen Sicherheitsregeln. Trotz des Mehr-Augen-Prinzips könnte daher eventuell ein bösartiger Entwickler Malware ins AUR einschmuggeln. Auch garantiert niemand dafür, dass die Software aus dem AUR zuverlässig funktioniert oder nicht mit Anwendungen aus den normalen Paketquellen kollidiert, etwa die aus regulären Paketen stammende Dateien überschreibt (was allerdings nicht passieren sollte).

Listing 14

[...]
source_i686=("google-chrome-${_channel}_${pkgver}_i386.deb::https://dl.google.com/linux/direct/google-chrome-${_channel}_current_i386.deb")
source_x86_64=("google-chrome-${_channel}_${pkgver}_amd64.deb::https://dl.google.com/linux/direct/google-chrome-${_channel}_current_amd64.deb")
[...]

Umstieg auf AUR4

Anfang August 2015 aktualisiert das AUR-Team die Software hinter dem Repository. AUR4 nutzt mit Git ein neues Versionsverwaltungssystem. Durch den Umstieg bedingt, benötigen auch die AUR-Helper entsprechende Updates. Achten Sie daher darauf, entsprechende Updates für Yaourt, Pacaur und Co. einzuspielen.

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