Ausblick

IPython Notebook beschränkt sich schon lange nicht mehr nur auf die Skriptsprache Python: Es unterstützt mittlerweile weit über 40 Programmiersprachen. Deshalb wandern alle seine unabhängigen Teile in ein neues Projekt namens Jupyter, wobei die Entwickler auch neue Funktionen einbauen. Der Schwerpunkt liegt zurzeit auf der Möglichkeit der Zusammenarbeit von mehreren Anwendern, ähnlich wie bei Google Docs. Als weitere Großbaustelle nimmt das Team das Erstellen von GUI-Elementen für die Eingabe in Angriff.

Fazit

Bei IPython handelt es sich zweifellos um eine "Killer-App": Auf wissenschaftlichen Python-Konferenzen gilt es als Standard-Werkzeug für Tutorials und setzt sich auch in Vorträgen mehr und mehr durch. Aufgrund seiner Vielseitigkeit eignet es sich daneben auch bestens zum Ausprobieren von Ideen. Nicht zuletzt erleichtert es dank seiner flachen Lernkurve Einsteigern den Zugang zum Programmieren. Ein ständig geöffnetes Notebook gehört schon jetzt zu den wichtigsten Tools für Python-Anwender – dem tragen die Entwickler durch ständige Pflege Rechnung (siehe Kasten "Interview mit IPython-Entwickler Thomas Kluywer"). 

Interview mit IPython-Entwickler Thomas Kluywer

LinuxUser: Hallo, Thomas! Du bist ein Mitglied des IPython-Entwicklerteams. Was ist dein Hintergrund, und wie kamst du zum IPython-Projekt?

Thomas Kluywer: Mein akademischer Hintergrund ist Biologie, zu IPython bin ich in meiner Freizeit gekommen. Ohne zu wissen, auf was ich mich da einlasse, habe ich angefangen, es auf Python 3 zu portieren. Das IPython-Team hat mich herzlich aufgenommen, und so trug ich mehrere Jahre in meiner Freizeit zum Projekt bei. Vor zwei Jahren bekamen die Entwickler dann finanzielle Förderung und luden mich ein, in Berkeley fest an IPython zu arbeiten.

LU: Was ist an IPython so besonders, und wie unterscheidet sich speziell IPython Notebook von den traditionellen Ansätzen?

TK: IPython zielt vor allem auf das entdeckende Arbeiten mit dem Computer. Im Vergleich zu einer IDE oder einem Editor ist es viel interaktiver. Klappt etwas nicht auf Anhieb, kann man das Ganze unkompliziert noch einmal mit geänderter Eingabe wiederholen. Im Unterschied zu anderen interaktiven Umgebungen baut der Nutzer aber schrittweise ein Dokument auf, das er dann im Internet veröffentlichen und anderen zeigen kann.

LU: Wie viele Leute zählen zum Team, und wie läuft die Förderung?

TK: Das Kern-Team umfasst heute neun Voll- und Teilzeit-Entwickler. Darüber hinaus tragen mehr als 400 Leute in ihrer Freizeit etwas bei – die meisten aber nur punktuell, nur wenige regelmäßig. Der größte Teil des Teams wurde von einer Zuwendung der Sloan Foundation finanziert, die aber gerade zu Ende geht – wir suchen im Moment aktiv nach neuen Sponsoren. Daneben bezahlen Microsoft und Google je einen Entwickler; Rackspace und Bloomberg steuern je eine Teilzeitstelle bei.

LU: Kannst du uns mehr über den aktuellen Stand des Projekts, die nächsten Releases und die Pläne für die Zukunft erzählen?

TK: Als größte Neuerung vereinfacht das kommende IPython 3 die Unterstützung für verschiedene Programmiersprachen. Ursprünglich war eine Client-Server-Architektur mit mehreren Frontends für einen Kernel geplant. Es stellte sich aber schnell heraus, dass der umgekehrte Weg sinnvoller wäre, also ein Notebook-Frontend mit mehreren Kerneln. Alle sprachübergreifenden Teile heißen nun "Jupyter", nur die Python-spezifischen Komponenten laufen weiter unter IPython. Für die Version 4 fassen wir die Unterstützung einer Live-Zusammenarbeit ins Auge, ähnlich wie bei Google Docs. Ein Entwickler widmet sich ausschließlich dieser Aufgabe.

LU: Hättest du einen Wunsch frei: Was würdest du dir für dieses Projekt wünschen?

TK: Mich interessiert besonders, Code aus einer grafischen Schnittstelle heraus zu generieren. Anstatt mit einer leeren Datei anzufangen, sollten Nutzer einfach durch Klicken mit der Maus ein Gerüst erstellen, das sie später erweitern – so wie beim Aufzeichnen von Makros in Excel. Mein Traum ist es, so etwas in IPython umzusetzen.

Der Autor

Dr.-Ing. Mike Müller ist Geschäftsführer der Python Academy [8], erster Vorstandsvorsitzender des Python Software Verband e.V. und ein erfahrener Python-Trainer. Seitdem er Python 1999 entdeckt hat, ist es seine bevorzugte Programmiersprache.

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