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© Mikhail Starodubov, 123RF

Cirrus7 Nimbini auf Basis von Intels NUC-Boards im Test

Wölkchen sieben

Laptops versprechen ungestörtes Arbeiten ohne Lärm, doch sobald die mobilen Computer kräftig rechnen, drehen die kleinen Miefquirle im Inneren lautstark ihre Runden. Der Cirrus7 Nimbini braucht dank eines ausgeklügelten Gehäuses auch mit leistungsstarken Intel-Core-Prozessoren keine Lüfter.

Selbst in Zeiten stromsparender Prozessoren und somit immer leiserer PCs bleibt das komplett lautlose Büro ein Traum. Selbst wer laut telefonierende Kollegen, das fiepende Fax und die vor sich hin blubbernde Kaffeemaschine ausklammert, hört immer noch das Geräusch eines mehr oder weniger stark surrenden Rechnerlüfters im Raum. Auch mit einem Laptop auf dem Schreibtisch bleibt die ersehnte Stille meist ein Wunschtraum: Kleine Lüfter machen meist deutlich mehr Lärm als große, langsam vor sich hin drehende Propeller in Desktop-PCs.

Ein wenig Recherche fördert durchaus lüfterlose Rechner zutage, doch diese glänzen selten mit einem Übermaß an Leistung. Ein Kriterium, bei dem viele Anwender keine Kompromisse eingehen möchten – schließlich gehört zu den Aufgaben des neuen Arbeitspferds das Entwickeln von RAW-Fotos, das Kompilieren von Programmen oder die Analyse physikalisch-chemischer Modelle.

Der von der Esslinger Firma Cirrus7 entwickelte Nimbus [1] macht dies möglich. Der aus Aluminium-Profilen und einem ausgeklügelten Heat-Spreader zusammengesetzte Nimbus beherbergt schnelle Intel-CPUs bis hin zum 3,9 GHz schnellen Intel Core i7 mit vier Kernen. Der Cirrus7 Nimbini [2] packt nun ähnliche Rechenleistung in ein noch kleineres Gehäuse mit einer Grundfläche von gerade einmal 15 mal 15 Zentimetern (etwa das Abmaß einer CD-Hülle), bei 7,5 Zentimetern Höhe (Abbildung 1). Das sieht schick aus, birgt aber in einigen Fällen Probleme (siehe Kasten "Funkstörung").

Abbildung 1: Die Standfläche des Nimbini nimmt nur wenig mehr Platz ein als eine CD-Hülle. Für ein optisches Laufwerk bietet der Rechner allerdings keinen Platz.

Funkstörung

Die hochintegrierte Bauweise moderner Boards, wie etwa der Intel-NUC-Systeme, hat zur Folge, dass die einzelnen Komponenten immer näher zusammenrücken und somit Störungen auftreten. Beim Nimbini, aber auch bei anderen Kompaktrechnern, macht sich das in Bezug auf per Funk angeschlossene Tastaturen und Mäuse bemerkbar. USB-3.0-Ports strahlen im Bereich bis 3 GHz so stark in die unmittelbare Umgebung ab, dass die von Logitech, Microsoft und anderen Herstellern genutzten Sender im 2,4-GHz-Band massive Störungen erfahren [7]. In der Praxis zeigt sich das Problem durch nicht registrierte Tastenanschläge oder eine ruckelnde Maus. Bemerken Sie diese Probleme, dann trennen Sie den Empfänger über ein USB-Verlängerungskabel vom Rechner oder nutzen zum Beispiel die USB-Ports Ihres Monitors.

Kraftklotz aus Alu

Cirrus7 vertreibt seinen Mini-Rechner in drei Varianten (Tabelle "Cirrus7 Nimbini"). In jeder kommt ein kompaktes, hoch integriertes Intel-NUC-Mainboard [3] zum Einsatz. Intel stattet diese mit unterschiedlichen Prozessortypen aus. Das reicht von recht schwachen Celeron-CPUs bis hin zu aktuellen Core-i7-Prozessoren, die den Vergleich mit den Desktop-Varianten nicht zu scheuen brauchen. Damit deckt Intel viele Einsatzszenarien und eine große Bandbreite an Preisklassen ab. Als Einstiegsmodell setzt die Office-Edition des Nimbini auf ein NUC mit einer Celeron-CPU N2820 (Bay-Trail) mit zwei Cores und einer Taktrate von 2,13 GHz.

Cirrus7 Nimbini

  Office-Edition Business-Edition Media-Edition
NUC Bay-Trail Maple Canyon Rock Canyon
CPU Intel Celeron N2820 Intel Core i3 bis i5 Intel Core i3 bis i7
GPU Intel HD Graphics HD-5500 Graphics Intel HD-5500/6000/6100 Graphics
Hauptspeicher ab 2 GByte ab 4 GByte ab 4 GByte
SSD (mSATA, M.2) ab 120 GByte für 79 Euro1 ab 120 GByte für 99 Euro1 ab 120 GByte für 99 Euro1
2,5-Zoll-Plätze für SSD 1 1 1
WiFi/Bluetooth Wireless-N, Bluetooth 4.0 ab 29 Euro1 Wireless-AC, Bluetooth 4.0 ab 39 Euro1 Wireless-AC, Bluetooth 4.0
Linux Ubuntu 14.04/15.04 Ubuntu 14.04/15.04 Ubuntu 15.04
Windows ab 99 Euro1 ab 99 Euro1 ab 99 Euro1
Schnittstellen 1 HDMI, 1 USB 3.0, 2 USB 2.0, 1 Gbit-LAN, Stereo Klinke, IR-Empfänger 2 Mini-DisplayPort, 4 USB 3.0, 1 Gbit-LAN 1 Mini-DisplayPort, 1 Mini-HDMI, 4 USB 3.0, 1 Gbit-LAN
Sonstiges Serielle Schnittstelle(1)
Grundpreis 399 Euro 599 Euro 599 Euro
(1) gegen Aufpreis

Wesentlich mehr Leistung versprechen die Business- und Media-Edition des Nimbini. Erstere nutzt einen Maple-Canyon-NUC mit Prozessoren bis hin zu einem Intel Core i5 und zwei mit 2,10 GHz getakteten Kernen. Die Media-Edition erlaubt sogar einen Intel NUC Broadwell i7-5557U mit ebenfalls zwei Kernen, aber bis zu 3,40 GHz Taktrate.

Zudem bekommt diese CPU durch eine Intel-HD-6100-GPU tatkräftige Unterstützung, sodass auch grafische Anwendungen und Spiele ordentliche Ergebnisse erzielen. Mit schnellen, dedizierten Grafikkarten von AMD oder Nvidia halten Intel-GPUs allerdings bei Weitem nicht mit. Zusammen mit einem Massenspeicher kommt die günstige Office-Edition auf mindestens 519 Euro, die Business- oder Media-Edition kosten zusammen mit einer 120 GByte großen SSD mindestens 719 Euro.

Der von Cirrus7 für den Test bereitgestellte Rechner entstammt der Media-Edition und arbeitet mit einer bis zu 2,70 GHz schnellen Core-i5-5250U-CPU und 8 GByte Arbeitsspeicher. Die Daten finden auf einer 128 GByte großen Samsung-SSD XP941 ihren Platz. Diese interne Solid State Disk im M.2-Formfaktor verbraucht im Gehäuse kaum Platz, was es erlaubt, das System mit einer weiteren Disk im 2,5-Zoll-Format auszubauen. Die interne SSD verspricht mit einer Datenrate von bis zu 16 GByte/s schnelles Arbeiten und kurze Ladezeiten.

Aufgrund der kompakten Bauform halten sich die Anschlussmöglichkeiten in Grenzen. Abgesehen vom obligatorischen Gigabit-Ethernet-Port bieten die Business- und Media-Editionen noch vier USB-3.0-Anschlüsse: zwei auf der Rückseite und zwei auf der Front, wobei einer von diesen bei abgeschaltetem Rechner noch Strom liefert.

Aufgrund der kompakten Bauform gilt bei den Bildschirmanschlüssen der NUC-Boards: je kleiner, desto besser. Die Media-Edition bietet je einen Mini-HDMI-Anschluss (siehe Kasten "Wackelkontakt") und einen Mini-Displayport (Abbildung 2). Die Business-Edition wartet dagegen mit zwei Mini-Displayports auf. Achten Sie bei der Wahl der Monitore daher auf entsprechende Eingänge – zur Not sorgt ein etwa 10 Euro teurer Displayport-auf-HDMI-Adapter für Kompatibilität.

Abbildung 2: Aufgrund der kompakten Bauform bietet der Nimbini nur wenige Anschlussmöglichkeiten. Auf der Rückseite finden sich zwei USB-3.0-Ports, Ethernet, Mini-HDMI und Mini-DP sowie zwei Anschlüsse für WLAN-Antennen.

Wackelkontakt

Aufgrund des sehr eingeschränkten Platzes auf der Rückseite der NUC-Boards verwendet Intel die platzsparenden Mini-Versionen von HDMI und Displayport zum Anschluss der Anzeigegeräte. Was bei MiniDP durchaus Vorteile mit sich bringt, sorgt bei Mini-HDMI jedoch für Ärger: Die meist sehr dicken und starren HDMI-Kabel zerren kräftig an der fragilen Mini-HDMI-Buchse. In der Folge versagte der Mini-HDMI-Ausgang des Testgeräts nach wenigen Tagen mit einem Wackelkontakt, den ein Austauschgerät nicht mehr zeigte. Für den Nimbini (und ähnliche Mini-Rechner mit NUC-Boards) sollten Sie daher eher zu Monitoren mit Displayport-Anschlüssen greifen oder zumindest für eine ordentliche Zugentlastung des HDMI-Kabels sorgen.

Test-Parcours

Cirrus7 liefert den Nimbini wahlweise mit Ubuntu 14.04 oder 15.04 aus. Aufgrund des Boards bleibt Käufern der Media-Edition keine Wahl: Auf diesem Gerät funktioniert nur Ubuntu 15.04. Das System spielt Cirrus7 per OEM-Installation ein, sodass die Wahl des Rechnernamens und des ersten Benutzerkontos beim ersten Start des Systems bei Ihnen bleibt. Ansonsten bestehen keine Unterschiede zu einem selbst installierten Ubuntu-System (Abbildung 3). Ein vorinstalliertes Windows kostet hingegen mindestens 99 Euro Aufpreis. Auf Wunsch installiert Cirrus7 Windows parallel zu Ubuntu als Dual-Boot-System. Gegen Absprache richtet der Hersteller auch andere Linux-Distributionen ab Werk ein.

Abbildung 3: Cirrus7 installiert auf den angebotenen Rechnern wie dem Nimbini ab Werk Ubuntu oder auf Wunsch auch andere Linux-Distributionen.

Intel sorgt bekanntermaßen schon seit einer geraumen Zeit für gute Linux-Kompatibilität seiner Hardware. So funktioniert beim Nimbini alles wie gewünscht: Für Ethernet, WLAN, Bluetooth, Standby und beschleunigte Grafikwiedergabe müssen Sie keine proprietären Treiber installieren oder andere Klimmzüge vollziehen. Einzig Canonical sorgte bei Ubuntu 15.04 mit einem Bug [4] im per Update eingespielten Kernel 3.19.0-18 für Misstöne. Dieser führte dazu, dass das System den HDMI-Audioausgang nicht mehr erkannte und somit auch keinen Sound mehr ausgab. Booten Sie den vorinstallierten Kernel 3.19.0-15 als Fallback, gibt der Nimbini wieder Ton aus.

Auch an anderen Stellen glänzt Ubuntu 15.04 nicht gerade mit Stabilität: Der hauseigene Bug-Reporter Apport [5] meldet frisch nach der Inbetriebnahme und auch noch nach Installation aller verfügbaren Aktualisierungen beim Booten Fehler in den Systemkomponenten (Abbildung 4) – allerdings ohne dass es dabei zu Beeinträchtigungen kommt. Ähnliche Fehler lassen sich auch auf anderen Ubuntu-Systemen beobachten. Ein zum Vergleich eingespieltes Fedora 22 Workstation oder Arch Linux arbeiteten im Test hingegen von Anfang an solide.

Abbildung 4: Das vorinstallierte Ubuntu 15.04 läuft an sich stabil. Das System zeigt allerdings immer wieder Fehler beim Booten an.

Aktuelle Hardware wie die aus den Nimbinis kommt mit den Desktop-Effekten von Ubuntu locker klar, das Booten dauert dank der schnellen SSD nur wenige Sekunden. Tuxracer zeichnet mithilfe des Intel-HD-Graphics-6000-Chips (Broadwell GT3) in der Media-Edition in höchster Auflösung und Detailstufe des Spiels bis zu 60 fps auf den Bildschirm. Ebenso lassen sich über Steam installierte Spiele wie Civilization V oder Half-Life bei Full-HD-Auflösung und höchsten Details ohne Ruckeln spielen (Abbildung 5). Bei aktuellen Grafikbrocken dürfen Sie die Details allerdings nicht zu hoch drehen, mit dedizierten Grafikkarten von Nvidia oder AMD hält die Intel-Lösung nicht mit.

Abbildung 5: Der Grafikchip aus der Media-Edition des Nimbini bietet selbst für leistungshungrigere Spiele ausreichende Grafikleistung.

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