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© Rossella Apostoli, 123RF

Daten zwischen Computern und mobilen Geräten mit Syncthing synchronisieren

Im Gleichtritt

Syncthing bietet sich als freie Alternative zu Bittorrent Sync für die Synchronisation von Daten auf lokalen und entfernten Rechnern sowie mobilen Geräten unter verschiedenen Betriebssystemen an.

Für den Abgleich von Daten zwischen verschiedenen Geräten sprechen mehrere Gründe: Einerseits lassen sich so auf einer Workstation und einem Notebook bestimmte Verzeichnisse auf demselben Stand halten und mit anderen teilen. Andererseits sichern Sie auf diese Weise wachsende Datenbestände wie Video- oder Musiksammlungen von Zeit zu Zeit auf verschiedenen Systemen.

Diese Szenarien erfüllen weit verbreitete Dienste wie Dropbox, Google Drive, Box und zahlreiche andere Anbieter. Dabei geben Sie als Nutzer Ihre Daten allerdings in die Cloud des jeweiligen Dienstes – und damit auch auf Server in Ländern wie den USA, deren Geheimdienste ein nur noch als pathologisch zu bezeichnendes Interesse an Daten aller Art besitzen. Über diese Tatsache sollten Sie sich vor Benutzung eines solchen Dienstes klar sein.

Freiheit ist Trumpf

Mit Bittorrent Sync [1] steht seit 2013 eine Alternative zur Verfügung, die auf dem Peer-to-Peer-System des Bittorrent-Protokolls basiert. Peer-to-Peer (P2P) steht für ein Modell eines gleichberechtigten Rechnerverbunds, der nicht zwingend zentrale Server benötigt [2]. Somit existiert bei Bittorrent Sync keine zentrale Instanz, die Daten vorhält und verteilt, womit ein wichtiger Kritikpunkt an dieser Software-Gattung entfällt.

Viele Linux-Anwender wünschen sich nun jedoch möglichst freie Software: Diesen Punkt erfüllt Bittorrent Sync nicht – das Programm wird als Freeware vertrieben, der Quellcode liegt nicht offen. Als freie Alternative bietet sich seit 2014 Syncthing [3] an (Abbildung 1), das wie Bittorrent Sync Peer-to-Peer-Technik einsetzt, dessen Quellcode jedoch unter der Mozilla Public Licence [4] steht.

Abbildung 1: Syncthing bietet von Haus aus nur eine schlichte Weboberfläche.

Im Gegensatz zu anderen freien Cloud-basierten Speicherlösungen wie etwa Owncloud lagert Syncthing wie Bittorrent Sync die hochgeladenen Daten nicht auf einem zentralen Server, sondern verteilt sie auf den am P2P-Netzwerk beteiligten Rechnern, im Fachjargon Nodes oder Knoten genannt. Für den dafür nötigen Datenaustausch entwickelte das Syncthing-Team das offene Block Exchange Protocol [5]. Starke Verschlüsselungsalgorithmen sorgen dafür, dass nur Sie als Benutzer an Ihre Daten kommen.

Syncthing gleicht Daten im lokalen Netzwerk sowie zwischen entfernten Rechnern ab. Um dies auch außerhalb des heimischen Netzes für den Anwender möglichst einfach zu gestalten, setzt die Software – wie das Vorbild Bittorrent Sync – auf UPNP [6], das Sie dazu gegebenenfalls im Router freischalten müssen. Bei den meisten Routern sollte diese Funktion von Haus aus aktiv sein und der Router die nötigen Portweiterleitungen automatisch einrichten. Bietet Ihr Router kein UPNP, müssen Sie das Port-Forwarding manuell konfigurieren. Hierzu reichen Sie für das Einbinden entfernter Rechner den TCP-Port 22000 zu Ihrem Rechner durch. Arbeitet der Computer hinter einer lokalen Firewall, so leiten Sie neben Port 22000/TCP und auch noch den UDP-Port 21025 weiter.

Das Syncthing-Team arbeitet ständig an der Entwicklung der Software und veröffentlicht regelmäßig im Turnus von etwa ein bis zwei Wochen Aktualisierungen. Syncthing unterstützt neben Linux, jeweils in 32- und 64-Bit, auch verschiedene BSD-Derivate, Solaris, Android, Windows und Mac OS X. Eine App für iOS steht demnächst zur Veröffentlichung an.

Unter Arch Linux installieren Sie Syncthing über das Community-Repository, bei aktuellen Ausgaben von Fedora und OpenSuse steht das Programm ebenfalls in den Paketquellen. Für Debian, Ubuntu und deren Abkömmlinge gibt es ein Repository zum Einbinden [7]. Syncthing versteht sich mit ARM-CPUs und läuft somit auf dem Raspberry Pi, Raspberry Pi 2 und anderen Mini-PCs sowie auf NAS-Systemen von Synology. Für Android finden Sie Syncthing im Google Play Store [8] oder im Open-Source-Market F-Droid [9].

Der erste Start

Nach der Installation in der jeweiligen Distribution rufen Sie Syncthing über das Menü oder in einem Terminal mit normalen Benutzerrechten auf. Das für diesen Test genutzte Szenario bestand aus einem System mit Debian "Sid", jeweils einem Notebook mit Fedora 22 und Siduction sowie einem Android-Smartphone.

Beim ersten Start generiert Syncthing Schlüssel und Zertifikate, die einen sicheren Austausch der Daten im Netz garantieren. Das Programm öffnet danach automatisch das Web-Interface in einem Browser – eine herkömmliche Oberfläche bietet Syncthing von Haus aus nicht. Diese müssten Sie mit Syncthing-GTK noch nachinstallieren (Abbildung 2). Auf GitHub [10] stehen Pakete für verschiedene Distributionen bereit. Beim Einrichten der Pakete sollten Sie allerdings darauf achten, dass die angegebenen Abhängigkeiten vorab installiert sind.

Abbildung 2: Optional installieren Sie mit Syncthing-GTK ein grafische Oberfläche.

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