In der Praxis

Öffnen Sie eine der Arbeitsumgebungen, bekommen Sie eine dreigeteilte Ansicht zu Gesicht: In der Spalte links sehen Sie eine Übersicht mit Lesezeichen, Freigaben und den aktuellen Ordnern. Im größten Bereich in der Mitte zeigt Pydio die jeweiligen Ordnerinhalte an (Abbildung 4). In der rechten Spalte blendet es zusätzliche Informationen wie Vorschaubilder oder Metadaten zur gerade markierten Datei ein. Neue Inhalte fügen Sie am einfachsten per Drag & Drop aus dem Dateimanager in den Dateibereich zu Pydio hinzu. Die Upload-Routine verkraftet nicht nur den Transfer einer einzelnen Datei, bei Bedarf schieben Sie gleich eine ganze Auswahl an Dateien und Ordnern in das Browserfenster. Alternativ wählen Sie rechts oben die Schaltfläche Hochladen und dort Durchsuchen an.

Abbildung 4: In der Ordneransicht bietet das Webfrontend von Pydio ähnlichen Komfort wie ein lokal installierter Dateimanager.

In der Dateiansicht arbeiten Sie, wie Sie es von einem herkömmlichen Dateimanager her kennen. Mit [Strg] markieren Sie mehrere Daten gleichzeitig, mit der Umschalttaste wählen Sie gleich einen ganzen Bereich aus. Über die rechte Maustaste öffnen Sie ein Kontextmenü mit weiterführenden Aktionen, mit gehaltener linken Maustaste verschieben Sie die aktuelle Auswahl. Halten Sie zusätzlich [Strg] gedrückt, kopieren Sie die ausgewählten Dateien. Für Bilder, Videos und PDFs gibt es integrierte Betrachter; für Texte beinhaltet Pydio zudem einen Editor (Abbildung 5). Bilder schickt Pydio auf Wunsch an die webbasierte Bildbearbeitung Pixlr [3] weiter. Damit das funktioniert, muss die Pydio-Installation allerdings aus dem Internet zu erreichen sein (Abbildung 6) und der Browser Flash-Inhalte unterstützen.

Abbildung 5: Die Weboberfläche von Pydio beinhaltet einen einfachen Editor zum Anzeigen und Bearbeiten von Textdateien.
Abbildung 6: Die integrierte Bildbearbeitung greift auf den Onlinedienst Pixlr zurück und benötigt das Flash-Browserplugin.

Freigaben einzelner Dateien oder ganzer Ordner erstellen Sie über einen Rechtsklick auf das entsprechende Objekt und den Punkt Teilen aus dem Kontextmenü. In dem folgenden Dialog bietet Pydio bei Freigabe eines Ordners die Wahl zwischen dem Teilen als öffentlicher Link oder als Arbeitsumgebung. Auf dem ersten Weg erhalten Sie einen Link mit einer kryptisch langen URL wie etwa http://<I>beispiel<i>.<i>tld<I>/pydio/data/public/508b7b, den Sie zum Beispiel per Mail weiterleiten. Die zweite Option erstellt aus dem Ordner eine neue Arbeitsumgebung, die Sie weiteren Nutzern der Pydio-Instanz zur Verfügung stellen. Die neue Freigabe listet Pydio dann umgehend in der linken Seitenleiste unter Meine Freigaben auf.

Pydio-Clients

Erst ein Client, der im Hintergrund ausgewählte Verzeichnisse synchronisiert, bietet auch für Pydio ähnlichen Komfort wie etwa Dropbox oder Google Drive. Entsprechende Programme bieten die proprietären Cloudspeicher-Dienste üblicherweise an – im Falle von Google allerdings nicht für Linux. Auch Pydio stellt mit PydioSync [4] eine entsprechende Anwendung zur Verfügung.

Für Windows und Mac OS X steht sie als MSI- oder DMG-Paket bereit; die Linux-Variante des Programms gibt es zwar als Binary, allerdings fehlen DEB- oder RPM-Pakete für die Paketverwaltung. Das GitHub des Pydio-Projekts [5] bezeichnet PydioSync noch als "pre-alpha"; mit dieser Angabe untertreiben die Entwickler ausnahmsweise einmal nicht.

Kopflos

Sie müssen nicht zwingend die grafische Benutzeroberfläche von PydioSync nutzen. Der Agent kommt dank eines Webfrontends auch ohne sie aus. Starten Sie dazu den Hintergrund mit einer beliebigen Kombination aus Benutzername und Passwort:

$ pydio-agent --api_user=Benutzer --api_password=Passwort

Anschließend öffnen Sie die URL http://localhost:5556 in einem Browser und richten wie in der Pydio-UI die zu synchronisierende Arbeitsumgebung ein.

Der Client besteht aus einem Hintergrunddienst (agent) und einer eigenständigen Oberfläche (pydio-ui). Zur Installation des Clients entpacken Sie das heruntergeladene Archiv PydioSync-Linux-Version.tar.gz in ein neues Verzeichnis und machen den Pydio-Agent ausführbar (Listing 7). Anschließend starten Sie die Oberfläche für eine kurze Zeit und beenden sie gleich wieder mit [Strg]+[C] im Terminal oder über Quit im Kontextmenü des Status-Icons der Anwendung. Dieser Vorgang erzeugt die Konfigurationsdatei ~/.local/share/Pydio/ports_config im Home-Verzeichnis Ihres Benutzers, in der per Zufall generierte Zugangsdaten stehen (Listing 8).

Listing 7

$ mkdir pydio-sync
$ tar xzf PydioSync-Linux-0.8.12.tar.gz -C pydio-sync
$ chmod +x pydio-sync/agent/pydio-agent

Listing 8

$ pydio-ui/pydio-ui
### Pydio-UI mit [Strg]+[C] abbrechen
$ cat ~/.local/share/Pydio/ports_config
Pydio port config file
pydio:5556:5bBndNy3JTlDR3En:7CSPKEC8hmiaxlCz

Mit diesen Daten rufen Sie nun den Agent mitsamt der Pydio-Oberfläche auf (Listing 9). Färbt sich das Icon der Anwendung orange, können Agent und Oberfläche miteinander kommunizieren und die Menüeinträge Open local folder, Open remoute und Settings lassen sich anwählen. Zum Starten des Datenabgleichs tragen Sie nun in den Settings unter Create a new Synchronisation die Zugangsdaten der Pydio-Installation ein. Gleichzeitig wählen Sie eine Arbeitsumgebung sowie auf der Festplatte des Systems einen Zielordner, der synchronisiert werden soll. Wie von der proprietären Konkurrenz gewohnt, hält Pydio nun die Daten zwischen dem Server und den angebundenen Geräten synchron (Abbildung 7).

Listing 9

$ agent/pydio-agent --api_user=5bBndNy3JTlDR3En --api_password=7CSPKEC8hmiaxlCz
$ pydio-ui/pydio-ui
Abbildung 7: Unter Linux lässt sich der Client zum automatischen Abgleich der Daten nur mit vielen Klimmzügen installieren.

Neben den PC-Clients bietet Pydio auch Apps für mobile Geräte mit Android [6] und iOS [7] an. Die Anwendungen stehen bereits in den entsprechenden App-Stores zur Installation bereit. Im direkten Vergleich der Android-Version (Abbildung 8) mit der Dropbox-App fehlen Pydio für Android praktische Funktionen wie etwa der automatische Transfer der mit dem Handy geschossenen Bilder in den Cloud-Speicher. Des Weiteren scheint speziell die Entwicklung der Android-App ins Stocken geraten zu sein: Sie bekam Anfang Dezember 2014 das letzte Mal eine Aktualisierung spendiert. Die iOS-App erfuhr hingegen noch im März 2015 ein Update und macht generell einen besseren Eindruck.

Abbildung 8: Neben Clients für Linux, Mac OS X und Windows bietet Pydio auch Apps für iOS und – wie hier zu sehen – für Android an.

Im Test zeigte die Android-App zudem eklatante Bugs: So öffnet Pydio für Android Textdateien zwar in einem integrierten Editor, allerdings fehlt in diesem der Inhalt der Datei; es erscheint lediglich ein leeres Editorfenster. Tragen Sie hier nun irrtümlich einen neuen Text ein und speichern diesen ab, geht der ursprüngliche Text vollständig verloren. An dieser Stelle müssten die Entwickler daher schnellstmöglich eingreifen und ein Update der App veröffentlichen.

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