Eigene Cloud mit Seafile

Bedingt einsatzbereit

Viele Anwender installieren für das kollaborative Arbeiten ihre eigene Cloud mit synchronisierten Datenbeständen. Dabei macht die chinesische Software Seafile dem Platzhirschen Owncloud zunehmend Konkurrenz.

Cloud-Dienste mit ihren zentralen Datenspeichern haben sich inzwischen auch im privaten Bereich fest etabliert. Sie ermöglichen nicht nur das ortsunabhängige Arbeiten mit stets synchron gehaltenen Daten auf verschiedenen Endgeräten, sondern auch das Teilen der eigenen Daten mit anderen Anwendern. Doch seit Edward Snowdens Enthüllungen über angloamerikanische Geheimdienste fragen sich viele Nutzer, ob ihre Daten, insbesondere bei US-Anbietern von Cloud-Diensten, gut und sicher aufgehoben sind. Vor allem für Unternehmen, aber auch für Privatpersonen mit ausreichenden eigenen Speicherkapazitäten bietet sich der Einsatz einer eigenen Cloud daher als sinnvolle Alternative an.

Neben der Software-Suite Owncloud [1] bemüht sich auch das in China entwickelte Programm Seafile darum, im boomenden Cloud-Markt Fuß zu fassen. Die Entwickler vertreiben Seafile unter der GPL v2 als freie Community-Variante. Sie beschränkt sich derzeit auf die Kernaufgaben eines Cloud-Diensts sowie einige Teamfunktionen. Dabei wendet das Projekt offensiv die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen Client und Server bei der Datensynchronisation an, die jegliches Ausspähen von Daten verhindern soll.

Da der Client die Daten verschlüsselt und nicht der Server, ist zudem ein Abgreifen von Inhalten auf diesem unmöglich. Der Seafile-Server steht für Debian 6 "Squeeze", Ubuntu 14.04 und CentOS 6.5 in Form von Binärpaketen für 32- und 64-Bit-Architekturen bereit [2]. Außerdem gibt es noch Pakete für den Raspberry-Pi-Einplatinencomputer sowie Versionen für Windows.

Zwar bietet das Projekt den Seafile-Client für deutlich mehr Plattformen an, für Linux-Anwender offeriert es jedoch lediglich Binärpakete des grafischen Clients für Ubuntu ab Version 12.04. Sofern Sie auf Ihrem Arbeitsplatzrechner nicht Ubuntu oder eines seiner Derivate einsetzen, beschränkt sich die Auswahl auf den Terminal-Client.

Server installieren

Laden Sie zunächst den Seafile-Server als Tarball von der Projektseite herunter und entpacken Sie ihn. Wechseln Sie dann in das dabei neu entstandene Unterverzeichnis seafile-server-4.2.2 und starten Sie dort das Setup-Shellskript (Listing 1). Sie benötigen dafür keine Administratorrechte. Zunächst prüft die Routine, ob das System alle Voraussetzungen erfüllt. Da Seafile für seine Arbeit die SQLite3-Datenbank-Engine benötigt, sollten Sie diese zuvor mit apt-get install sqlite3 (Debian und Ubuntu) oder yum install sqlite (Red Hat oder CentOS) installieren. Zusätzlich benötigt der Server mehrere Python-Bibliotheken, die Sie gegebenenfalls ebenfalls aus den Software-Archiven der verwendeten Distribution einrichten.

Anschließend weisen Sie dem zu installierenden Server einen Namen und eine IP-Adresse zu. Im nächsten Schritt definieren Sie den Pfad, in dem der Server die gespeicherten Daten ablegt. Danach legen Sie die Ports fest, auf denen der Seafile-Server und der Dateiserver lauschen. Nach Abschluss des Setups beginnt die Routine mit dem Einrichten und Konfigurieren von Seahub. Hierbei handelt es sich um die webbasierte Administrationsoberfläche für den Seafile-Server, die auf dem aktuellen Django-Framework 1.5.12 basiert. Danach endet das Programm mit einer kurzen Auflistung der Einstellungen und der Befehlssyntax, mit denen Sie den Seafile- und den Seahub-Server bedienen.

Listing 1

$ tar -xzvf Seafile-Server-Archiv
$ cd ./seafile-server-4.2.2
$ ./setup-seafile.sh

Start

Um den Seafile-Server zu konfigurieren, starten Sie diesen am Prompt aus dem Seafile-Installationsverzeichnis heraus zunächst mit dem Befehl ./seafile.sh start. Anschließend aktivieren Sie Seahub durch Eingabe von ./seahub.sh start. Seahub richtet jetzt das Administrator-Konto ein und fragt dazu die E-Mail-Adresse und ein Passwort für den Administrationszugriff ab. Danach startet die Software.

Im Anschluss beginnen Sie mit der Administration des Diensts, indem Sie im Webbrowser die IP-Adresse des Seafile-Servers, gefolgt von einem Doppelpunkt und der Portnummer von Seahub, eingeben. Der Seafile-Server fragt nun die Login-Daten ab und öffnet danach eine übersichtliche Konfigurationsoberfläche. Im Anmeldebildschirm stellen Sie zudem die Lokalisierung auf die deutsche Sprache um, indem Sie oben rechts auf den Button English klicken und dann Deutsch in der Auswahlliste anwählen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die einfach gestaltete Verwaltungsoberfläche Seahub lässt ein intuitives Bedienen zu.

Im nächsten Schritt richten Sie auf dem Server Benutzer ein, die den Server verwenden dürfen. Dazu klicken Sie oben mittig auf die Schaltfläche Organisation und anschließend links auf Mitglieder. Sobald Sie nun oben rechts auf die orangefarbene Schaltfläche mit dem Schraubenschlüssel-Symbol klicken, schaltet die Oberfläche in den erweiterten Administrationsmodus. Hier können Sie nun durch einen Mausklick auf den Schalter Benutzer hinzufügen einen neuen Anwender anlegen.

Gegebenenfalls erweitern Sie an dieser Stelle auch den Kreis der Administratoren, indem Sie auf die Schaltfläche Administratoren mittig oben im Fenster klicken und nach einem weiteren Klick auf den Button Admin hinzufügen einen neuen Verwalter erfassen (Abbildung 2). Nach dem Anlegen aller neuen Cloud-Nutzer schalten Sie aus dem erweiterten Modus zurück in die Standardoberfläche, indem Sie erneut oben rechts auf das orangefarbene Symbol klicken.

Abbildung 2: Gelungen: die übersichtliche Benutzerverwaltung von Seafile.

Die Seahub-Oberfläche erlaubt auch Anwendern ohne Administrationsrechte die Anmeldung am Server und das Arbeiten in der Cloud. Dabei unterstützt Seafile auch Drag & Drop zum Hochladen von Dateien und Ordnern. Beachten Sie, dass Anwender im Gegensatz zu Administratoren ausschließlich ihre eigenen Bibliotheken und Gruppen zu sehen bekommen. Admins dürfen darüber hinaus auch fremde Gruppen, Bibliotheken und ausgeschiedene Mitglieder über die erweiterte Administrationsoberfläche löschen.

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