Überwachungsfrei im Internet surfen

Ausgesperrt

Wer das Internet nutzen möchte, ohne dabei seine Identität preiszugeben oder Spuren zu hinterlassen, kommt um das Tor-Netzwerk nicht herum. Das Tor-Browser-Paket bietet eine einfache Möglichkeit, die Privatsphäre zu schützen.

Das Internet bietet Datensammlern jeglicher Couleur ein wahres Eldorado: Geheimdienste, Werbeagenturen und Kriminelle liegen überall auf der Lauer, um persönliche Daten der ahnungslosen Surfer zu ergattern und zu ihren Zwecken zu missbrauchen. In vielen Fällen dienen der Browser beziehungsweise die von ihm genutzten Addons als Zugang für die Spione, die durch raffinierte Methoden beim Programmieren von Webseiten die Privatsphäre zunehmend aushöhlen.

Die gängigen Webbrowser bieten in den Standardeinstellungen und ohne schützende Erweiterungen vielfältigste Möglichkeiten, das Verhalten beim Surfen auszukundschaften und Ihnen womöglich Schadsoftware unterzuschieben. Hier gilt es, die Software manuell zu härten, was wiederum detaillierte Kenntnisse im Bereich möglicher Angriffe voraussetzt. Einfacher geht es mit dem Tor-Browser, der der Neugier und Datensammelwut im Internet einen wirkungsvollen Riegel vorschiebt.

Funktionsweise

Das Bundle kombiniert bewährte Technologien freier Software miteinander, um so ein hohes Maß an Sicherheit zu erreichen. Als zentrale Komponenten fungieren dabei das Tor-Netzwerk einerseits und der Webbrowser Firefox andererseits. Dabei hat das Tor-Team Letzteren um mehrere vorkonfigurierte Addons angereichert und ihn so konfiguriert, dass er ausschließlich via Onion-Routing den Zugang zum Internet sucht. Beide Komponenten könnte man auch manuell installieren, wobei allerdings in beiden Fällen ein erheblicher Aufwand beim Einrichten entsteht. Daher eignet sich das Tor-Browser-Paket bestens gerade für sicherheitsbewusste Anwender ohne Detailkenntnis.

Das bereits ab dem Jahr 2000 entwickelte Konzept und 2002 erstmals in einer Pre-Alpha-Version der Öffentlichkeit vorgestellte Tor-Projekt dient dem Anonymisieren von Verbindungsdaten im Internet. Es eignet sich zum sicheren Browsen, aber auch für IRC-, E-Mail und Messaging-Dienste. Die Funktionsweise ist dabei dem Zwiebel-Prinzip nachempfunden: Der Datenverkehr des Tor-Clients gelangt zunächst zum sogenannten Entry Guard, also dem Eingangsknoten. Der übergibt ihn an einen weiteren Tor-Knoten, den sogenannten Relay Node, der wiederum die Informationen zum Exit Node weiterleitet, der als Tür zum normalen Internet dient.

Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass keiner der Knoten die kompletten Informationen zu einer Verbindung kennt. Zwar weiß der Entry Guard, von wem die Anfrage stammt, nicht jedoch, an wen sie sich richtet. Dieses Detail kennt nur der Exit Node, der wiederum nicht weiß, woher sie stammt (Abbildung 1). Die sogenannte Mix-Kaskade ändert alle zehn Minuten ihre Route, wodurch die Pakete permanent über neue Knoten laufen. Da vorher nicht bekannt ist, über welche, fallen Angriffe zum Offenlegen der Verbindung außerordentlich schwer.

Abbildung 1: Beim Onion-Routing kennt keiner der drei Relays alle Informationen zu einer Verbindung.

Allerdings verschlüsselt Tor prinzipbedingt nur innerhalb seiner eigenen Gefilde. Nutzen Sie das unverschlüsselte HTTP-Protokoll, bleiben die darin übertragenen Informationen außerhalb des Netzwerks unverschlüsselt. Ein Angreifer wäre so in der Lage, damit übertragene Passwörter mitzuschneiden.

Der Tor-Browser

Das Bundle aus dem vorkonfigurierten Tor-Client und dem modifizierten Browser Firefox erhalten Sie in Versionen für unterschiedliche Sprachen [1]. Nach dem Herunterladen der für die jeweils vorliegende Architektur passenden Variante entpacken Sie das Archiv mit dem Befehl tar -xvJf tor-browser-linuxVersion.tar.xz im Terminal. Danach verschieben Sie das neu entstandene Verzeichnis tor-browser_de in einen Ordner, etwa /opt, und wechseln dort nach tor-browser_de/Browser.

Durch die Eingabe von ./start-tor-browser beginnen Sie das Setup der Software. Das Tool mit grafischer Oberfläche fragt zunächst ab, wie Sie Kontakt mit dem Tor-Netzwerk aufnehmen möchten. In Deutschland wählen Sie dazu die direkte Verbindung aus und klicken darunter auf die Schaltfläche Verbinden. Nach dem Zugriff auf das Netzwerk startet der modifizierte Browser, der auf Firefox in Version 31.6.0 ESR basiert. Im oberen Bereich finden Sie das Menü mit Optionen, in dem Sie die Sicherheitsstufe des Browsers per Schieberegler einstellen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Per Schieberegler stellen Sie komfortabel die gewünschte Sicherheitsstufe ein.

Dieses Differenzieren ist nötig, weil beim rigorosen Abschalten aller heutzutage gebräuchlichen modernen Webtechniken viele, vor allem Multimedia-Inhalte im Browser nicht mehr korrekt erscheinen. Wenn Sie häufig Seiten mit vielen optischen Gimmicks und multimedialen Inhalten besuchen empfiehlt es sich daher, den Schieberegler nicht auf die höchste Stufe einzustellen. Oberhalb des Reglers finden Sie zusätzlich einige Einstellungen zur Privatsphäre, die bereits alle aktiviert sind, um Tracking-Diensten die Möglichkeiten zum Ausspähen zu nehmen.

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