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© Tito, 123RF

Webbrowser Vivaldi im Test

Opera reloaded?

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Opera änderte mit Version 15 seinen Kurs und gab seine Eigenständigkeit auf – und damit auch viele Funktionen. Vivaldi möchte den Anhängern des alten Opera eine neue Heimat bieten.

Viele Anwender trauern noch immer dem originalen Opera-Browser [1] nach, der von 1996 bis Ende 2012 mit seiner eigenständigen Art einen durchschnittlichen Marktanteil von rund 2 Prozent auf sich vereinte. Auf Webseiten, die besonders technikaffine Menschen ansprechen, lag der Anteil sogar bei 6 bis 8 Prozent. Das gilt auch für die Linux-Version, obwohl Opera, wie auch Vivaldi [2], keine freie Software ist.

Mit Presto pflegte Opera seine eigene HTML-Render-Engine, ein Mailclient war integriert, und auch ansonsten überzeugte die Software mit originellen Ideen. Deshalb verwenden noch heute viele Nutzer die letzte noch komplette Version 12.16, was nach über zwei Jahren aber schon aus Sicherheitsgründen wenig sinnig erscheint. Zwar hielten viele alte Funktionen inzwischen wieder in Opera Einzug, doch ändert das nichts an der an Chrome angelehnten Machart. Zudem gab es nach dem Neustart bis zu Opera 26 keine stabile Version für Linux.

Diese Umstände machten sich zwei Projekte zunutze: Der Otter-Browser [3] trat Mitte 2014 an, das Erbe von Opera 12 zu übernehmen. Allerdings erwies sich das Open-Source-Projekt personell als unterbesetzt, weswegen sich die bisherigen Ergebnisse nicht für den produktiven Einsatz eignen. Das zweite Projekt, das sich Anfang 2015 die Wiederauferstehung des alten Opera auf die Fahnen schrieb, heißt Vivaldi und wurde vom Mitbegründer und ehemaligen Opera-Vorstand John S. von Tetzchner ins Leben gerufen. Dieser Ansatz ließ viele Freunde von Opera aufhorchen, und die ersten Versionen lassen die Hoffnung auf eine Wiederkehr der Opera-Tugenden unter anderem Namen aufkeimen.

Gute Grundsätze

Vivaldi richtet sich an Anwender, die beruflich oder privat einen großen Teil ihrer Zeit im Webbrowser verbringen und dabei von ihrer bevorzugten Surf-Applikation etwas mehr verlangen als Einheitskost. Das unterstützt das Projekt auch mit einer optionalen Tastatursteuerung. Des Weiteren soll sich die Konfiguration so weit wie möglich an den Arbeitsfluss des Nutzers anpassen lassen. Darüber hinaus bezieht Vivaldi seine Nutzer in das Projekt mit ein. Dazu stellt das Projekt eine Wunschliste für Funktionen [4] bereit.

Das Projekt bietet seine Software derzeit für Linux, Mac OS X und Windows an. Die Entwicklung verläuft bisher zwar zügig, doch das Team um Tetzchner, das dieser laut inoffizieller Informationen privat bezahlt, fällt jedoch recht klein aus. Daher fanden noch nicht alle vorgesehenen Funktionen ihren Weg in den Browser; unter anderem fehlen noch der Mailclient und die Synchronisation über mehrere Geräte.

Dieser Artikel beschreibt die dritte "Technical Preview" von Vivaldi, die Ende April erschien. Der Download [5] erfolgt auf der Vivaldi-Webseite, wo für Linux DEB- und RPM-Pakete in 32- und 64-Bit-Ausführungen zur Verfügung stehen.

Erster Start

Vivaldi benutzt Googles quelloffene Render-Engine Blink. Operas ehemalige proprietäre Engine Presto durfte das Projekt aus rechtlichen Gründen nicht verwenden. Ein großer Teil des Einstellungen-Dialogs stammt ebenso von Chrome wie die beiden bisher einzigen Plugins Chrome-PDF-Reader und das Pepperflash-Plugin. Ansonsten lässt sich auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennen, dass Vivaldi auf Chrome aufsetzt. Beim ersten Start wartet der Browser mit einer eigenwillig eingefärbten Adressleiste auf (Abbildung 1).

Abbildung 1: Eigenwillig, aber nicht unpraktisch: Die Funktion namens Adaptive Interface färbt die Adressleiste in der im CSS der jeweiligen Webseite hinterlegten Primärfarbe ein.

Nach dem Öffnen einer weiteren Webseite relativiert sich der Eindruck und enthüllt das "Adaptive Interface" von Vivaldi, eine Funktion, um die Adressleiste in der Primärfarbe der jeweiligen Seite einzufärben. Lässt sich diese aus dem CSS nicht auslesen, verwendet der Browser Schwarz. Ganz links in der Tab-Leiste fällt das rote V von Vivaldi auf – ein Klick darauf öffnet das Menü. Unter Ansicht | Menüposition umschalten wechseln Sie zum gewohnten horizontalen Menü am Seitenkopf.

Die Tab-Leiste lässt sich an allen vier Seiten des Displays platzieren oder ganz abschalten. Da die Scrollfunktion für Tabs noch fehlt, gestaltet sich das Navigieren zwischen sehr vielen offenen Tabs derzeit noch etwas schwierig. Hier hilft die Funktion zum Gruppieren ähnlicher Tabs weiter, die Sie im Kontextmenü beim Rechtsklick auf die gewünschten Tabs unter Neue Tabgruppe aus der Auswahl erstellen finden (Abbildung 2).

Abbildung 2: Zum einfacheren Verwalten vieler geöffneter Tabs erlaubt es Vivaldi, diese zu Gruppen zusammenzuschließen.

Zusätzlich erlaubt es die Software, dem Stapel manuell weitere Tabs hinzuzufügen. Wählen Sie beim Rechtsklick auf den Stapel aus dem Kontextmenü Tabgruppe kacheln, so erscheinen die Seiten gleichmäßig im Browserfenster verteilt. In welcher Form das geschieht, legen Sie mit dem Icon Kacheldarstellung in der Mitte der Statusleiste fest (Abbildung 3).

Abbildung 3: Auf Wunsch verteilt Vivaldi die in einer Gruppe zusammengefassten Webseiten gleichmäßig im Browserfenster.

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