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© Vladimir Nikulin, 123RF

System sichern mit Mondo Rescue

Momentaufnahme

Hängt das System, stellt eine Neuinstallation oft die letzte Rettung dar, kostet aber je nach Anwendungsvielfalt sehr viel Zeit. Ein rechtzeitiger Schnappschuss mit Mondo Rescue erspart die Prozedur und bringt das System in wenigen Minuten wieder auf die Beine.

Linux-Distributionen bringen nicht zuletzt dank der angeschlossenen Repositories von Hause aus eine ganze Menge an Anwendungen mit. Doch je mehr Programme Sie nutzen, umso mühseliger gestaltet sich eine Rekonstruktion des Systems nach einem Defekt. Mit dem Snapshot-Programm Mondo Rescue verliert ein Systemausfall seinen Schrecken, denn die Software sichert und rekonstruiert komplette Installationen, ohne dass es aufwendiger Nacharbeiten bedarf.

Installation

Mondo Rescue unterliegt bereits einer jahrelangen Entwicklung und Pflege und steht daher für die gängigsten Distributionen in Form von Binärpaketen bereit [1]. Um die distributionsspezifischen Pakete mit ihren entsprechenden Abhängigkeiten bequem zu installieren, binden Sie die entsprechenden Repositories zunächst in die Softwareverwaltung ein.

Unter OpenSuse öffnen Sie dazu in YaST den Eintrag Software-Repositories und klicken darin auf den Button Hinzufügen. Im neuen Fenster wählen Sie FTP... als Medientyp an. Anschließend geben Sie einen wahlfreien Namen für das neue Repository ein, die zugehörige URL lautet ftp://ftp.mondorescue.org/opensuse/Release/. Nach einem Klick auf Weiter liest YaST die entsprechenden Daten ein. Sie finden anschließend das neue Repository in der Listenansicht. Im Anschluss installieren Sie Mondo, wie von anderen Programmen gewohnt, mit der Paketverwaltung von YaST. Bemängelt die Routine ein fehlendes Paket mkisofs, so suchen Sie zusätzlich nach dem Paket cdrkit-cdrtools-compat und installieren dieses ebenfalls.

Für Distributionen, die das Debian-Paketmanagement nutzen, öffnen Sie ein Terminalfenster und wechseln darin in das Verzeichnis /etc/apt/sources.list.d. Danach geben Sie am Prompt folgenden Befehl ein:

$ sudo wget ftp://ftp.mondorescue.org/Distribution/Release/*.sources.list

Danach rufen Sie sudo apt-get update auf. Die Paketverwaltung pflegt nun das Repository ins System ein. Rufen Sie anschließend die grafische Paketverwaltung Synaptic auf und suchen dort nach MondoRescue, erhalten Sie eine Liste mit mehreren Paketen (Abbildung 1). Installieren Sie hier zunächst das Paket mindi und anschließend mondo.

Abbildung 1: Nach dem Einbinden des Repositories steht der Installation von Mondo Rescue via Synaptic nichts mehr im Weg.

Achten Sie bei der Installation darauf, die korrekten Versionen der Repositories ins System einzubinden. Im Test gelang es nicht, trotz komplett aufgelöster Abhängigkeiten eine lauffähige ältere Version von Mondo Rescue unter dem neuen Debian 8 "Jessie" zu installieren. Auch unter Ubuntu 15.04 verweigerte die für Ubuntu 14.04 vorgesehene Variante von Mondo Rescue den Dienst. Hier traten nachvollziehbar Speicherzugriffsfehler auf oder es wurden veraltete Programmpakete bemängelt.

Erster Start

Bevor Sie Mondo Rescue nutzen, sollten Sie das System von unnötigem Ballast befreien, da das Tool diesen andernfalls mit sichert. Dazu zählen beispielsweise alte Protokolldateien, aber auch Cache-Speicher von Applikationen. Das Tool Bleachbit [2] ermöglicht ein schnelles und umfassendes Bereinigen der Datenbestände und spart in aller Regel dadurch mehrere Hundert MByte Speicherplatz ein.

Mit der Eingabe von mondoarchive als Nutzer root im Terminal begrüßt Sie Mondo Rescue mit einer rustikal wirkenden, aber weitgehend selbsterklärenden Ncurses-Oberfläche. Eine Menüleiste fehlt ebenso wie ein Konfigurationsdialog. Im ersten Schritt wählen Sie das Zielmedium aus, auf das Sie das System sichern möchten. Anders als viele Backup-Lösungen unterstützt die Software dabei nicht nur spezielle Bandlaufwerke, sondern auch unterschiedliche optische Medien sowie USB-Sticks und Festplatten. Zusätzlich erlaubt Mondo Rescue, durch Anwahl von Net mount das System auch auf einem NFS-Server im Netz zu sichern (Abbildung 2).

Abbildung 2: Optisch rustikal, aber effizient: die Oberfläche von Mondo Rescue.

Je nach Umfang des zu sichernden Datenbestands und Auswahl des Zielmediums dauert die Sicherung bis zu mehreren Stunden. Beachten Sie dabei, dass das Beschreiben von optischen Medien meist mehr Zeit in Anspruch nimmt als das Sichern auf eine Festplatte oder einem am USB-Bus angeschlossenen externen Flash-Medium. Beabsichtigen Sie, das System auf einem USB-Stick zu sichern, so empfiehlt es sich, diesen zuvor mithilfe des Programms F3 [3] auf seine Integrität hin zu überprüfen. Mondo Rescue gibt nämlich bei defekten Speicherzellen oder Placebo-Speichern keine entsprechenden Rückmeldungen, womit das Backup unbrauchbar wäre.

Vorsicht ist außerdem bei der Auswahl des Menüpunkts USB Key/Disk geboten: Im Test scheiterte auf mehreren Rechnersystemen mit verschiedenen Linux-Distributionen das Sichern der Datenbestände auf einer externen, via USB angeschlossenen Festplatte. Mondo Rescue brach dabei nachvollziehbar den Sicherungslauf während des Anlegens des ISO-Images ab und wies in den entsprechenden Protokolldateien auf Speicherprobleme hin. Dieser Fehler trat jedoch bei gleicher Systemkonfiguration beim Sichern der Daten auf einem USB-Stick nicht auf.

Nach Auswahl des passenden Zielmediums fragt die Software im nächsten Schritt die Kompressionsmethode ab, wobei sie vier verschiedene Varianten zur Auswahl stellt. Jede davon bietet im nächsten Bildschirm neben unterschiedlichen Kompressionsgraden auch die Option, die vorhandenen Daten unkomprimiert zu speichern. Diese Alternative beansprucht zwar den meisten Platz auf dem Zielmedium, beschleunigt jedoch auch das Backup.

Im nächsten Bildschirm geben Sie die Größe des Zielmediums in MByte ein. Bei optischen Datenträgern fordert das Tool nach Erreichen des Zielwertes weitere Datenträger an. Verwenden Sie einen USB-Stick, eine Festplatte oder ein Netzlaufwerk mit ausreichend freiem Speicher, prüfen Sie mit dem Befehl df -h im Terminal zunächst, wie groß der zu sichernde Datenbestand ausfällt, um dann anschließend diese Zielgröße anzugeben.

Danach folgt die Abfrage der Gerätebezeichnung des Zieldatenträgers. Üblicherweise lautet bei Einzelplatzrechnern mit einem eingebauten internen Massenspeicher die Bezeichnung der ersten Partition auf einem USB-Laufwerk /dev/sdb1, optische Laufwerke heißen häufig /dev/sr0. Um die korrekte Laufwerksbezeichnung abzufragen, geben Sie im Terminal den Befehl mount ein und suchen das gewünschte Ziellaufwerk aus.

Beim Sichern des Systems auf eine interne Festplatte fragt Mondo Rescue anstelle des Laufwerknamens den Sicherungspfad für die Images ab. Voreingestellt ist hier das Verzeichnis /var/cache/mondo. Dort legt die Software, je nach Datenbestand und angegebener Image-Größe, ein oder mehrere ISO-Images an. Diese transferieren Sie nach Abschluss der Sicherung direkt auf ein optisches Medium oder einen Flash-Stick und erhalten damit einen bootfähigen Snapshot.

Im nächsten Dialog geben Sie den zu sichernden Pfad ein. Die Software gestattet hier eine wahlfreie Eingabe, die es erlaubt, auch Datenpfade wie /home gesondert zu sichern. Voreingestellt ist das Wurzelverzeichnis / des Systems. Da sich im Verzeichnisbaum diverse Unterverzeichnisse befinden, die keiner Sicherung bedürfen, schließen Sie diese im darauf folgenden Dialog mit der Eingabe des Pfads vom Backup aus. Mehrere davon trennen Sie mit einem Pipe-Zeichen (|) voneinander. Mondo Rescue nimmt die beiden Unterverzeichnisse /tmp und /proc generell von der Sicherung aus.

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