AA-123RF-21194356-Dave_Broberg-123RF.jpg

© Dave Broberg, 123RF

Fedora 22 fast pünktlich erschienen

Großer Wurf

Fedora 22 erscheint zwar mit einer Woche Verspätung, glänzt dafür aber mit Gnome 3.16 und dem neuen Paketmanager DNF. Lediglich der Installer Anaconda könnte Neueinsteigern Kopfschmerzen bereiten.

Fedora dient nicht nur als Testlabor für die Business-Distributionen von Red Hat, sondern liefert auch ständig neue Impulse und Entwicklungen für Linux insgesamt – damit nimmt es eine gewisse Sonderstellung in der Linux-Welt ein. Aus Red Hats Portokasse stammt unter anderem der Lohn einer Reihe von Gnome-Entwicklern, und auch die Macher von Systemd beziehen von dort ihr Geld.

Fedora erfindet sich ständig neu und ließ sich zwischen den Versionen 20 und 21 ein ganzes Jahr Zeit, um im Rahmen des Projekts Fedora.next [1] die Gewichtung neu zu setzen und künftig drei Editionen zu veröffentlichen anstatt nur einer. Um für die Zukunft gerüstet zu sein und aktuelle Entwicklungen in einem nativen Umfeld gedeihen zu lassen, teilt sich die Distribution nun in Spielarten für Workstation, Cloud und Server auf, wobei Workstation die Variante für den Desktop-Anwender darstellt.

Gnome als Standard

Mit Fedora 22 [2] steht die erste Veröffentlichung im regulären halbjährlichen Zyklus nach dem neuen Schema bereit. Den gemeinsamen Unterbau der drei Sparten bilden die Grundkomponenten Kernel 4.0, GCC 5.0, Systemd 219, das Installationsprogramm Anaconda und der neue Paketmanager DNF, der das bewährte Yum ablöst. Die Workstation-Variante nutzt nach wie vor Gnome als Desktop-Umgebung, mit der Version 3.16 setzt Fedora auf die neueste Ausgabe (Abbildung 1). Daneben gibt es erstmals noch eine Reihe von sogenannten Spins, die andere Desktopumgebungen wie KDE, XFCE, LXDE oder Maté mitbringen oder sich gezielt an spezielle Anwender wie Musiker, Elektronikbastler, Penetrationstester oder andere Spezialisten richten [3]. Die Spins bringen, wie von Fedora nicht anders zu erwarten, die jeweils neueste stabile Version des entsprechenden Desktops mit. Im Rahmen des Artikels konzentrieren wir uns jedoch auf den Standard-Desktop der neuen Fedora-Ausgabe.

Abbildung 1: Gnome setzt nach wie vor auf die Anwendungsübersicht Aktivitäten und verzichtet auf ein klassisches Anwendungsmenü.

Gnome 3.16 beinhaltet viele für Anwender sichtbare und einige unsichtbare Neuerungen. In die Entwicklung flossen binnen sechs Monaten über 33 000 Änderungen ein. Dabei sticht besonders das neue Benachrichtigungssystem der Gnome Shell als augenfälligste Änderung hervor (Abbildung 2). Die Nachrichten erscheinen anstatt in einer eigenen Leiste am unteren Bildschirmrand nun im Kalender-Widget, das bei einem Klick auf das mittig angezeigte Datum in der Kopfleiste auftaucht.

Abbildung 2: Die Benachrichtungen der Gnome Shell wandern mit Gnome 3.16 nun von einer eigenen Fußleiste in das Kalender-Widget in den Kopfbereich.

Als weitere Neuerung blenden sich GTK3-Anwendungen wie Gedit oder Nautilus Bildlaufleisten nur noch dann ein, wenn Sie mit der Maus in dem Fenster aktiv sind. Die Icons von im Hintergrund aktiven Anwendungen wie etwa Dropbox oder Skype finden jetzt endlich in der einfahrbaren Statusleiste ein ordentliches Zuhause (Abbildung 3). Insgesamt floss viel Arbeit in das Aufräumen des Desktops und die Politur der Gnome-Anwendungen ein, wie der Wetter-App (Abbildung 4), um Störungen und überflüssige Elemente weit möglichst vom Anwender fernzuhalten.

Abbildung 3: Im Hintergrund aktive Anwendungen wie Dropbox oder Skype finden in Gnome 3.16 nun in der neu gestalteten Statusleiste ein Zuhause.
Abbildung 4: Die Gnome-Anwendungen, wie hier die Wetter-App, überzeugen mit guter Funktionalität und chickem Aussehen.

In der neuesten Ausgabe des Gnome-Desktops fanden auch noch einige in der Entwicklung befindliche Programme als technische Vorschau einen Platz. Es handelt sich dabei um den E-Book-Reader Books, die Zeichentabelle Zeichen und eine neue Kalender-App gleichen Namens. Eher an Entwickler richtet sich der über Indiegogo finanzierte Gnome-IDE Builder [4].

Fedora verzichtet darauf, die Vorschau-Anwendungen von Haus aus zu installieren, über die Software-Verwaltung gelingt dies allerdings mit wenigen Klicks (Abbildung 5). Hier findet sich auch die neueste Version von Cockpit, dem Server-Administrationswerkzeug, das der Server-Edition entstammt. Das Frontend für die Paketverwaltung, Gnome Software, bekam neue Funktionen spendiert und erlaubt nun zum Beispiel auch das Installieren von Codecs. Als Bürosuite dient LibreOffice 4.3.2, Firefox steht bei Version 37.0.2.

Abbildung 5: Gnome-Software setzt mithilfe von PackageKit auf die Paketverwaltung von Fedora auf und erlaubt das Installieren von Software per Mausklick.

DNF statt Yum

Fedora 22 macht beim Paketmanager den Schwenk von Yum hin zu DNF, der sich bereits seit Fedora 18 als Alternative installieren lässt. DNF steht für Dandified Yum und soll schneller als das Original arbeiten; am RPM-Paketformat ändert sich dabei nichts. DNF bringt auch einen neuen Resolver namens Libsolf mit, der Abhängigkeiten schneller und besser auflösen soll. Zudem bietet DNF eine Schnittstelle, um es funktionell zu erweitern.

Die Bedienung fällt Fedora-Kennern nicht weiter schwer: In der Regel müssen Sie bei entsprechenden Kommandos lediglich das yum gegen ein dnf tauschen. Ein sudo dnf install Paket installiert ein Paket, sudo dnf distro-sync aktualisiert das komplette System (Abbildung 6). Ein simples dnf listet alle Optionen auf. Eine grafische Oberfläche steht ebenfalls zur Verfügung. Dazu passten die Entwickler den bisherige Yum Extender an DNF an. Das Ergebnis nennt sich yumex-dnf (Abbildung 7). Ein einfaches sudo dnf install yumex-dnf richtet das Paket ein.

Abbildung 6: Fedora-Kenner müssen sich mit Fedora 22 kaum umstellen: Die Syntax von DNF-Kommandos ist zu jener von Yum identisch.
Abbildung 7: Als Alternative zu Gnome Software bietet sich Yum Extender als grafisches Frontend für die Paketverwaltung an.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 6 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Fedora-Projekt hat erste Alpha-Version veröffentlicht
    Das Fedora-Projekt hat die erste Alpha-Version seiner gleichnamigen Distribution veröffentlicht. Sie gibt einen Einblick in den aktuellen Entwicklungsstand. Die größten Änderungen erfährt dabei Gnome.
  • Blutende Kante?
    Ob Desktop, Server oder Cloud, ob x86 oder ARM – Fedora 25 und seine Spins bieten ein wahres Füllhorn an moderner und topaktueller Software. Dank der Fedora-Next-Initiative wandelt sich die Distribution nun von "Bleeding Edge" zu "Leading Edge".
  • Teile und herrsche
    Mit Fedora 21 teilt sich Red Hats Community-Distribution in drei spezialisierte Varianten auf. Das erlaubt Entwicklern wie Anwendern, besser auf die jeweilige Aufgabe zu fokussieren.
  • Fedora 21 veröffentlicht
    Das Fedora-Projekt hat die Version 21 seiner Distribution freigegeben. Erstmals gibt es Fedora in drei verschiedene Varianten, die sich an unterschiedliche Nutzer richten.
  • Fedora 23 veröffentlicht
    Das Fedora-Projekt hat Version 23 ihrer Distribution freigegeben. Wie immer gibt es die drei Varianten Workstation, Server und Cloud.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 10/2017: Daten retten & sichern

Digitale Ausgabe: Preis € 8,50
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 2 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...
Backup mit KUP unter Suse 42.3
Horst Schwarz, 24.09.2017 13:16, 3 Antworten
Ich möchte auch wieder unter Suse 42.3 mit Kup meine Backup durchführen. Eine Installationsmöglic...
kein foto, etc. upload möglich, wo liegt mein fehler?
kerstin brums, 17.09.2017 22:08, 5 Antworten
moin, zum erstellen einer einfachen wordpress website kann ich keine fotos uploaden. vom rechne...
Arch Linux Netzwerkkonfigurationen
Franziska Schley, 15.09.2017 18:04, 0 Antworten
Moin liebe Linux community, ich habe momentan Probleme mit der Einstellung des Lan/Wlan in Arc...