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© Jörg Stöber, 123RF

KDE-Backups: Kup koppelt Git mit Rsync

Eng verzahnt

Backups sind Pflicht, sollen die Daten auch nach einem Crash noch verfügbar sein. Kup automatisiert unter KDE SC 4 und Plasma 5 diese Aufgabe elegant.

Sobald in Foren oder im IRC ein Anwender von Datenverlust berichtet, kommt unweigerlich als erster Ratschlag zurück, doch ein Backup einzuspielen. Fast ebenso unvermeidlich folgt dann das kleinlaute Bekenntnis des Betroffenen, kein Backup zu besitzen und sich noch nie mit dem Konzept auseinandergesetzt zu haben. Da gilt es dann mit dem sarkastischen Kommentar zu leben, dass wahre Männer/Frauen halt keine Backups brauchen.

Abseits des triefenden Sarkasmus ist jedoch an dem Spruch durchaus etwas Wahres dran, denn prinzipiell braucht man nur Git zur Datensicherung. So nutzt auch das Programm Etckeeper [1] zur Versionsüberwachung der Konfigurationsdateien unter /etc/ dieses Prinzip. Zugegeben handelt es sich hier um einen spartanischen Ansatz mit vielen manuellen Eingriffen und Nachteilen bei großen Dateien. Schließlich entstand Git zur Versionskontrolle des Kernels, wo die Aufgabe lautet, große Mengen kleiner Dateien platzsparend zu verwalten und jederzeit auf ältere Revisionen zurückgreifen zu können.

Git-basierte Backups

Das läge schon sehr nah am Konzept eines idealen Backups, wären da nicht die großen Dateien. So erreichen etwa die Festplatten von virtuellen Maschinen schnell Größen von 10 GByte und mehr. Git nutzt den Algorithmus Xdelta [2], um Unterschiede zwischen zwei Dateien zu bestimmen, sodass es sie nur inkrementell speichern muss. Xdelta zeigt sich jedoch von solch großen Dateien völlig überfordert.

Hier kommt Bup [3] als Grundlage von Kup [4] ins Spiel. Bup bedient sich rollender Prüfsummen, basierend auf dem Rolling-Checksum-Algorithmus aus Rsync [5], um die Differenz zweier Dateien zu ermitteln, und speichert nur die Unterschiede. Dieser Vorteil macht sich bei großen Dateien schnell bemerkbar: Statt einer Hash-Summe pro Datei teilt Bup große Files in viele kleine Teile zu je 128 Byte, die jeweils eine eigene Prüfsumme erhalten. So lassen sich auch kleine Unterschiede in großen Dateien effektiv identifizieren und speichern.

Im Gegensatz zu Rsync setzt Bup aber zusätzlich Deduplikation [6] unter Verwendung von SHA1-Hashes ein, um redundante Daten zu identifizieren und zu entfernen. Die Ergebnisse sichert es daraufhin im Git-Paketformat Packfile [7]. Weitere technische Einzelheiten vermittelt auf recht unterhaltsame Art das Designdokument zu Bup [8].

KDE-Oberfläche für Bup

Da sich nicht jeder Anwender für die Arbeit auf der Kommandozeile begeistern kann, gibt es für KDE eine Oberfläche, die sowohl volle Backups mittels Rsync als auch inkrementelle Sicherungen via Bup unterstützt. Ersteres eignet sich vor allem, um etwa umfangreiche Musik- oder Fotosammlungen auf mehreren Datenträgern zu synchronisieren. Für Sicherungen eines Home-Verzeichnisses oder andere sich oft ändernde Datenbestände eignet sich hingegen die Git-basierte inkrementelle Herangehensweise von Bup besser.

Kup besteht hauptsächlich aus einem Konfigurationsmodul, das sich in die Systemeinstellungen integriert, und einem Daemon, der überwacht, wann das in der Konfiguration definierte Backup-Ziel eingehängt oder angeschlossen ist, um sich dann als Icon im Systemabschnitt der Kontrollleiste zu zeigen. Zum Zugriff auf die gesicherten Daten steht ein KIO-Slave [9] zur Verfügung, der die Ansicht der gesicherten Dateien im Dateimanager erlaubt, sowie eine Applikation zum Rücksichern einzelner Dateien.

Im einfachsten Fall sichert Kup Änderungen der in der Konfiguration angegebenen Verzeichnisse und Dateien automatisch, sobald das definierte Ziel der Sicherung verfügbar wird. Das kann beim Rechnerstart durch das automatische Einhängen einer entsprechenden lokalen oder Netzwerk-Partition sein oder auch beim Anstecken einer USB-Festplatte zur Laufzeit erfolgen. Im Gegensatz zu vielen anderen Backup-Programmen spricht Kup eine externe Platte mit NTFS oder FAT32 als Dateisystem direkt und ohne Verwendung von Hardlinks an.

Kup läuft in der aktuellen Version 0.5.1 unter KDE SC 4, für Plasma 5 gibt es bereits Version 0.6. Während die Version für KDE SC 4 in vielen Distributionen in den Archiven liegt, findet man Kup 0.6 für Suse, Arch Linux und Fedora nur auf der Webseite KDE Apps.org als Download [10]. Für Debian oder Ubuntu gibt es noch keine Pakete für Plasma 5, hier müssen Sie das Paket selbst bauen. Die beiden Versionen von Kup arbeiten jeweils nur unter der designierten Version von KDE. Überprüfen Sie nach der Installation zusätzlich, ob die Pakete bup und rsync installiert sind.

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