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© Vladimir Voronin, 123RF

Diskordianisches Datum mit Ddate

Neue Zeitrechnung

Der Diskordianische Kalender glättet augenzwinkernd die verbleibenden Unebenheiten unserer heutigen Zeitrechnung. Mit dem Programm Ddate rechnen Sie die aktuelle Zeit in das "neue System" um.

Schon lange leben wir nach dem Gregorianischen Kalender, der schon vor Jahrhunderten päpstlich verordnet wurde. Die Wanderung der Tage durch die Jahreszeiten, die Julius Cäsars Kalenderversion verursacht hatte, war damit vorerst entschärft. Dieser hatte seinerseits den vorherigen Mondkalender begradigt, der ein Jahr in 354 Tagen durchlief, und daher immer wieder manuell an den tatsächlichen Stand der Dinge angepasst werden musste.

Zwölfmonatige Jahre mit Sieben-Tage-Wochen stellen zwar einen durchaus brauchbaren Kompromiss der Zeitzählung dar, aber in vieler Hinsicht auch einen faulen. Die Sechs-plus-eins-Regel erscheint zwar praxisgerecht, aber vier Woche füllen nur einmal im Jahr einen ganzen Monat, die anderen enden nach 30 oder 31 Tagen. Diese Unregelmäßigkeit führt zum Beispiel dazu, dass wir jedes Jahr an einem anderen Wochentag Geburtstag feiern.

Kalender der Zwietracht

Der Diskordianische Kalender [1] (von lat. discordia, Zwietracht) räumt gründlich mit dieser Schieflage auf und verfolgt einen komplett anderen Ansatz: Er teilt das Jahr in fünf Monate, die allesamt 73 Tage haben. Es bleibt dabei, dass das Jahr 365 Tage hat und alle vier Jahre ein Schalttag hinzukommt, denn die Erde verlässt nur schwerlich ihre Bahn um die Sonne. Die heute üblichen Wochen schrumpfen auf fünf Tage. Doch schauen Sie sich zunächst die Ausgabe des Befehls ddate an, wenn Sie diesen ohne Argumente aufrufen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Ausgabe des Befehls ddate.

Zunächst fällt die fehlende deutsche Übersetzung auf, die Software ist dafür nicht vorbereitet. Das spielt aber keine Rolle, denn bei den Bezeichnungen für Tage und Monate handelt es sich ohnehin um Kunstprodukte, die sich wohl kaum vernünftig ins Deutsche übertragen ließen. Wie die Software mitteilt, ist im Beispiel "Pungenday" der fünfte des Monats "Discord" im Jahr 3181.

Der Zusatz "Celebrate Mojoday" erinnert schließlich daran, den anstehenden Feiertag – den Sie wie alle anderen diskordianischen Feiertage am fünften des Monats begehen und am fünfzigsten noch einmal wiederholen – nicht ungefeiert verstreichen zu lassen.

Die Abkürzung "YOLD" steht für "Year Of Our Lady Of Discord", was eine ziemlich ungenierte Anspielung auf die christliche Formel "Year Of Our Lord" darstellt. Die an orthodoxe Zeitrechnungen erinnernde Jahreszahl setzt das gregorianische Jahr 1166 v.Chr. als Epoche, die sich auf wundersame Weise aus dem Gesetz der Fünf [2] ableitet: 1959 wird als das Gründungsjahr des Diskordianismus angesehen, und durch Potenzieren der Fünf mit sich selbst und Erstellen der Differenz ergibt sich besagtes Jahr.

Wie schon diese ungefilterte Ausgabe zeigt, nehmen sich die Diskordianer selbst nicht wirklich ernst. Alles lebt von Metaphern, Negierungen, Anspielungen auf den real existierenden Kalender. Der Diskordianismus gilt als die Anti-Religion schlechthin, versteht sich aber keineswegs als Pseudo-Atheismus. Es ist einfach eine Parodie auf diverse Rituale und Tabus und letztendlich irgendwie auf sich selbst. Augenzwinkernd nehmen sich die Jünger der Göttin der Zwietracht selbst aufs Korn. Wer hier auch nur einen Funken Seriösität hineinzuinterpretieren versucht, liegt sicherlich falsch.

Trotz fehlender Übersetzung übertragen Sie mit dem Befehl aus Listing 1 das diskordianische Datum ein Stück weit ins Deutsche; das Ergebnis sehen Sie in Abbildung 2. Eine Erläuterung der zahlreichen Platzhalter für die Ausgabe finden Sie im Handbuch (Abbildung 3). Dessen deutsche Version liefert das Programm selbst nicht mit, Sie finden sie in neueren Versionen des Pakets manpages-de (der Name des Pakets variiert je nach Distribution etwas).

Listing 1

$ ddate +'Heute ist %{%A, der %d. %B%}, %Y. %N%nWir feiern heute %H.'
Abbildung 2: Schon etwas besser: die ausführliche Ausgabe des Programms in Deutsch.
Abbildung 3: Die Formatierungsoptionen stehen hinter denen von Date kaum zurück, typische Optionen im GNU-Stil finden sich dagegen nicht.

So einfach, wie Sie in der Befehlszeile eine ansprechende Ausgabe des Datums erzeugen, klappt dies auch in der grafischen Oberfläche: Einfache Skript-GUIs wie Kdialog oder Zenity erlauben es, mit wenig Aufwand ein kleines Fenster auf den Desktop zu zaubern (Abbildung 4). Den zugehörigen Bash-Code finden Sie in Listing 2.

Listing 2

#!/bin/sh
DDATETODAY=$(ddate +'Heute ist %{%A, der %d. %B%}, %Y. %N%nWir feiern heute %H.')
zenity --info --title="Diskordianisches Datum" --text="$DDATETODAY"
Abbildung 4: Mit Zenity erstellen Sie einen einfachen Dialog, der das aktuelle Datum des Diskordianischen Kalenders anzeigt.

Bis Version 2.23 war Ddate Bestandteil des Pakets util-linux, allerdings ist es schon seit Version 2.21 deaktiviert. Auf älteren Systemen mit Langzeit-Support findet es sich aber oft noch. Aktuelle Versionen des Programms liegen in einem Repository bei Github [3]. Pakete für aktuellere Versionen gibt es derzeit für Fedora, Debian "Sid" oder ROSA 2014.1. Das Debian-Paket ist in den meisten Fällen mit Ubuntu und dessen Ablegern kompatibel, für Arch Linux steht ein Archiv im Arch User Repository (AUR) bereit.

Für andere Distributionen kompilieren Sie die Software. Das ist recht einfach und erfordert kaum Abhängigkeiten. Der Dreischritt weicht vom GNU-Standard ab, da cmake anstatt der GNU-Autotools zum Einsatz kommt: Mit cmake && make && make install gelangen Sie zum Ziel.

Fazit

Schon vor dem Rauswurf aus Utillinux wirkte Ddate unzureichend gepflegt. Eine Gettext-Implementation zum Übersetzen fehlt ebenso wie brauchbare Optionen für die Befehlszeile, wie sie Date bietet. Damit bleibt Ddate weit hinter seinem Pendant zurück. Dennoch könnte das genannte Zenity-Anwendungsbeispiel der besondere Kick für den Desktop sein, wenngleich der praktische Nutzen gegen Null geht.

Ohne Karel Zak recht geben zu wollen, der das Programm aus util-linux entfernt hat (siehe Kasten "Vertreibung aus dem Paradies"), ist Ddate nicht mehr als eine Spielerei. Andererseits bietet es ein attraktives Betätigungsfeld für angehende Programmierer und solche, die es werden wollen. 

Vertreibung aus dem Paradies

Der Red-Hat-Entwickler Karel Zak hat Ddate regelrecht hinausgeworfen, als er die Pflege des Pakets util-linux übernahm. Das brachte ihm nur spärlichen Applaus ein, zog aber ziemlich harsche Kritik von einigen Benutzern nach sich, die Zak in gewissem Sinne Totalitarismus vorwarfen ([4],[5]).

Das Ende von Ddate in util-linux war besiegelt, doch recht schnell fand sich jemand, der das verstoßene Kind in Github aufnahm und ihm schon zu einigen Releases verhalf. Ursprünglich war die neue Heimat nur dazu bestimmt, das Programm davor zu bewahren, gänzlich in der Versenkung zu verschwinden. Inzwischen haben sich aber weitere Programmierer gefunden, die mit an der Software arbeiten.

Glossar

Gesetz der Fünf

Im Diskordianismus basiert alles auf dieser Ziffer, zum Beispiel die Anzahl der Monate des Jahres, basierend auf der Teilbarkeit der Tage des Jahres durch Fünf. Auch als Quersumme von 23 ist die Fünf von besonderer Bedeutung.

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