Rechenschwäche

Der Mathematikmodus zeigt bei LaTeXila Schwächen. An einigen Stellen scheint ein mangelndes Verständnis für die bei LaTeX verwendeten Strukturen durch. Das folgende Beispiel ist typisch: LaTeXila erlaubt das Einfügen von $...$ und $$..$$. Das Problem mit diesen von LaTeX an sich unterstützten TeX-Strukturen: Sie hebeln die internen Mechanismen zum horizontalen und vertikalen Ausgleichen aus.

Das große Problem für viele weniger erfahrene Anwender beim Einsatz von LaTeX ist und bleibt das Fehlen einer direkten Vorschau. Hier kann LaTeXila bisher nichts bieten, was die anderen LaTeX-Editoren nicht mindestens genauso gut beherrschen. Es gibt keine eingebettete Vorschau, sondern nur die Möglichkeit, das gesamte Dokument wiederholt zu übersetzen. Die meisten PDF-Dokumentenbetrachter wie Evince oder Okular lesen das geänderte PDF-Dokument wenigstens automatisch neu ein und ersparen Ihnen so einen weiteren Mausklick.

Im Detail

In gewisser Weise stellt LaTeXila einen Assistenten zur Eingabe von LaTeX-Quelltexten dar. Das zeigt sich beispielsweise, wenn es um das Einfügen von Bildern und Tabellen geht. Für Bilder genügt im Prinzip ein Mausklick auf den mit einem entsprechenden Icon versehenen Schalter in der Mitte der unteren Werkzeugleiste: An der aktuellen Position des Textcursors erscheint dann der in Listing 4 gezeigte Code. Er ist zwar formal vollständig korrekt, aber nicht wirklich ausgereift und für LaTeX-Einsteiger vorbereitet.

Listing 4

\begin{figure}
  \begin{center}
    \includegraphics{}
    \caption{}
    \label{fig:}
  \end{center}
\end{figure}

Die Umgebung \begin{figure} verfügt über ein optionales Argument, mit dem sich die Platzierung der Abbildung steuern lässt. In den allermeisten Fällen ist dieses Argument zwingend erforderlich oder erweist sich zumindest als hilfreich; bei Dokumenten mit vielen Bildern kommen Sie so gut wie nie ohne es aus. Auch der Aufruf von \includegraphics{} sollte von Haus aus ein Argument beinhalten, das festlegt, wie groß die eingebundene Grafik erscheinen soll oder ob und wie sie rotiert oder gestreckt wird. Zudem bräuchte es für den Aufruf des Befehls das Makropaket Graphicx – ohne ein \usepackage{graphicx} in der Präambel des Dokuments scheitert das Kompilieren daher.

Bei Tabellen geht LaTeXila ähnlich vor. Auch hier fügt ein Mausklick auf den entsprechenden Schalter ein Template (Listing 5) ein. Allerdings gilt auch beim Tabellencode wieder: Wirklich schlecht ist er nicht, doch guter LaTeX-Code sieht anders aus. Tabellen müssen nicht unbedingt zentriert in einer Gleitobjektumgebung \begin{table} stehen; die Beschriftung \caption{table} muss nicht unbedingt über der Tabelle erscheinen; die Ausrichtung in den Spalten sollte klarer als frei wählbar gekennzeichnet sein. Für erfahrene Anwender stellt all dies keine Herausforderung dar, weniger erfahrene Nutzer jedoch lässt der Editor an dieser Stelle im Stich.

Listing 5

\begin{table}
  \caption{table}
  \label{tab:1}
  \begin{center}
    \begin{tabular}{cc}
       & \\
       & \\
    \end{tabular}
  \end{center}
\end{table}

Um LaTeXila an Ihre Anforderungen anzupassen, rufen Sie aus den Menüs Bearbeiten, Erstellen und Projekte heraus unterschiedliche Einstellungsfenster auf. Den für das Bauen von PDF-Dokumenten wichtigsten Dialog finden Sie unter Erstellen | Erstellungswerkzeuge verwalten. Dort schalten Sie auf der linken Seite unter den Default Build Tools über die Haken vor den Einträgen einzelne Funktionen ab beziehungsweise neu hinzu oder kopieren bestehende Einträge über die Werkzeugleiste unterhalb der Liste zu Ihren Personal Build Tools.

Diese Einträge lassen sich im Gegensatz zu den schreibgeschützten Default Build Tools auch individuell anpassen, sodass Sie eigene Build-Befehle oder andere Dokumentenbetrachter bequem per Mausklick starten (Abbildung 4). Von Haus aus setzt LaTeXila beim Übersetzen auf das Perl-Skript latexmk [4] und öffnet den in der Desktop-Umgebung definierten Dokumentenbetrachter. Deaktivierte Einträge verschwinden automatisch aus der Werkzeugleiste unter dem Menü. Tastatur-Jockeys vermissen in den Einstellungen allerdings mit Sicherheit die Möglichkeit, einzelnen LaTeX-Makros oder den Build-Routinen Tastenkommandos zuweisen zu können.

Abbildung 4: In den Einstellungen zu den Erstellungswerkzeugen passen Sie die vorkonfigurierten Build-Kommandos an.

Dass LaTeXila die geöffneten Quelltextdateien überwacht und damit Veränderungen an ihnen erkennt, eröffnet Ihnen die Möglichkeit, zwischenzeitlich auch andere, für eine spezielle Aufgabe besser geeignete Editoren einzusetzen. Nach dem Bearbeiten und Speichern mit einem externen Editor registriert LaTeXila die Änderung und fragt, ob es die Datei neu einlesen soll. Ansonsten fährt es mit der aktuell geladenen Version fort – achten Sie bei solch einem Hin und Her darauf, nicht die Übersicht zu verlieren.

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