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© Ivan_Mateev, 123RF

LaTeXila verspricht Hilfe beim LaTeX-Einstieg

Eisgekühlt

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Ein guter LaTeX-Editor macht vieles leichter und senkt vor allem für Neulinge die Einstiegshürden. LaTeXila platziert sich vom Leistungsumfang zwischen Profi-Werkzeugen und WYSIWYG-Editoren.

LaTeX-Editoren stellen eine ganz spezielle Software-Spezies dar: Sie versuchen, die Eingabe der komplexen Formatierungssprache LaTeX so weit wie möglich zu vereinfachen, sodass auch Office-gewöhnte Anwender mit dem leistungsfähigen Textsatzsystem zurechtkommen. Dazu gibt es unterschiedliche Strategien. Einige Editoren versuchen, den LaTeX-Code möglichst komplett vor dem Anwender zu verbergen, wie etwa LyX. Andere vereinfachen lediglich die Eingabe der oft umständlich einzutippenden Befehle und zeigen mit mehr oder weniger gelungenen Methoden eine Vorschau des bereits eingegebenen Textes an.

Die Idee, direkt mit dem LaTeX-Code zu arbeiten (zu "dealen", wie es der Entwickler nennt), begrüßen vor allem erfahrene und ambitionierte LaTeX-Nutzer: Nur so lässt sich das Maximum aus der Programmiersprache herauskitzeln. Diese Funktion ist umso interessanter, als dass LaTeX-Dokumente im Quelltexte entstehen, der noch wenig über die spätere Form verrät – was dem Autor die Möglichkeit einräumt, sich ohne Ablenkung durch das Layout auf den Inhalt zu konzentrieren. Irgendwann kommt jedoch der Zeitpunkt, an dem das Dokument in seine mehr oder weniger endgültige Form gegossen werden muss. Dabei fällt es allerdings oft nicht leicht, zwischen dem angezeigten Dokument und dem Quelltext einen Bezug herzustellen. Hier hilft SyncTeX weiter (siehe Kasten "Verknüpft").

Verknüpft

Die heute bevorzugt eingesetzten TeX-Engines (also die Programme zum Kompilieren der LaTeX-Quelltexte) unterstützen zusammen mit gängigen Dokumentenbetrachtern wie etwa etwa Evince oder Okular Verknüpfungen der Anzeige von Quelltext und PDF-Dokument mittels SyncTeX [3] über Anwendungen hinweg. Sofern Editor und Betrachter SyncTeX unterstützen, springt der Cursor im Editor automatisch an die entsprechende Stelle des Quellcodes, sobald Sie im PDF-Betrachter an eine Stelle des Dokuments wechseln – umgekehrt funktioniert das genauso. Bei manchen Programm-Kombinationen müssen Sie dabei [Strg] gedrückt halten. Im Falle von LaTeXila funktioniert der Abgleich besonders gut mit GTK-Viewern wie etwa Evince, das auch beim Entwickler des LaTeX-Editors zum Einsatz kommt.

LaTeXila

LaTeXila [1] versucht viele der oben beschriebenen Anforderungen unter eine Oberfläche zu bringen. In den Repositories von Arch Linux, Debian, Fedora, Gentoo, OpenSuse und Ubuntu finden sich passende Pakete, sodass Sie die Software in aller Regel bequem über den jeweiligen Paketmanager installieren.

Nach dem Start mit einem LaTeX-Quelltext zeigt sich der Editor aufgeräumt, sein Fenster teilt sich dabei in mehrere Bereiche: Oben findet sich das obligatorische Menü mit den wichtigsten Standard-LaTeX-Befehlen (Abbildung 1). Diese Ansicht hilft besonders LaTeX-Einsteigern. Für Profis macht sie weniger Sinn, weil diese zum Einfügen eines LaTeX-Befehls die Tastatur mit der Maus vertauschen müssten, nur um unmittelbar danach wieder weiter mit der Tastatur zu arbeiten.

Abbildung 1: Viele Standard-LaTeX-Befehle finden Sie nach Funktionsgruppen sortiert in den Menüs von LaTeXila.

Ebenfalls nur für Maus-Fans eignen sich die beiden Werkzeugleisten unter dem Menü mit Standardfunktionen zum Öffnen oder Speichern der LaTeX-Datei oder dem Kompilieren des PDF-Dokuments. In der zweiten Werkzeugleiste finden Sie häufig benötigte Textsatzfunktionen wie Schriftschnitte, Aufzählungen oder mathematische Formelelemente. Den restlichen Platz teilen sich der Editorbereich, eine bei Bedarf links einblendbare Seitenleiste mit zusätzlichen, umschaltbaren Funktionen sowie ein Ausgabefenster am unteren Rand. Dort erscheinen Meldungen, die der Compiler beim Übersetzen erzeugt, oder die Ausgaben von Makro-Paketen.

In der Praxis

Neue Projekte legen Sie unter Projekte | Neues Projekt an. Für größere Unternehmungen speichern Sie das Projekt am besten gleich in einem neuen Unterordner ab. Die Masterdatei (Listing 1) legen Sie anschließend über den ersten Schalter in der oberen Werkzeugleiste an. Das dabei verwendete Template ist zwar korrekt, der Code reicht aber aber in den meisten Fällen nicht aus, zumal es auf dem Standard-LaTeX-Compiler PDFLaTeX basiert. Dabei bleiben das inzwischen weitverbreitete XeLaTeX und Lua(La)TeX außen vor, sofern Sie die erforderlichen Anpassungen nicht selbst vornehmen.

Listing 1

\documentclass[a4paper,11pt]{book}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[utf8]{inputenc}
\usepackage{lmodern}
\usepackage{ngerman}
\title{}
\author{}
\begin{document}
\maketitle
\tableofcontents
\chapter{}
\end{document}

Für das Gestalten eines professionellen Dokuments benötigen Sie meist noch einige zusätzliche LaTeX-Pakete. Diese binden Sie nach dem Schema \usepackage[Paketoptionen]{Paketname} ein. Damit Sie das Makro nicht immer wieder neu eintippen müssen, starten Sie mit der Eingabe von \u und rufen danach die Komplettierungsfunktion mit [Strg]+[Leerzeichen] auf (Abbildung 2). Für das Anlegen eines neuen Kapitels genügt es, etwa mit \ch zu beginnen und mit [Eingabe] den Komplettierungsvorschlag zu übernehmen. Der Cursor springt danach automatisch in die Klammern des LaTeX-Befehls \chapter{}, in dem der Editor weitere Optionen bei Eingabe wieder von sich aus ergänzt.

Abbildung 2: LaTeXila bietet zahlreiche LaTeX-Kommandos zum Vervollständigen an, die in der Präambel eigentlich nichts zu suchen haben.

Im nächsten Schritt füllen Sie für einen ersten Test die vom Template vorbereiteten Makros \title{}, \author{} und \chapter{} aus und erzeugen probehalber ein PDF-Dokument – die dafür nötige LaTeX-Umgebung darf selbstverständlich nicht fehlen (Listing 2). Dazu stellt LaTeXila eine Reihe von Optionen über mit Getriebe-Symbolen versehene Schaltknöpfe in der oberen Werkzeugleiste zur Verfügung: Der erste Button links in der Reihe startet die PDFLaTeX-Umgebung, der letzte ruft den XeLaTeX-Compiler auf. Bei Bedarf passen Sie die Kommandos unter Erstellen | Erstellungswerkzeuge verwalten an oder fügen eigene LaTeX-Befehle hinzu. Nach dem Kompilieren öffnet LaTeXila das neue Dokument automatisch mit dem in der Desktop-Umgebung verknüpften Dokumentenbetrachter.

Listing 2

### LaTeX in Form von Tex Live installieren
### Debian oder Ubuntu:
$ sudo apt-get install texlive texlive-lang-german texlive-latex-extra
### Arch Linux:
$ sudo pacman -Syu texlive-most texlive-lang
### Fedora 22:
$ sudo dnf install texlive texlive-latex texlive-collection-langgerman

Das Gelingen kommentiert LaTeXila unterhalb der Quelltextansicht. Die Ausgaben des Compilers liefern beim Bauen der finalen Version eines Dokuments wichtige Informationen über problematische Dokumententeile. Mit den Icons aus der Werkzeugleiste neben dem Protokollbereich stoppen Sie das Kompilieren umfangreicher Dokumente, lassen sich zusätzliche Details anzeigen, filtern bestimmte Meldungen heraus und öffnen das komplette Log in einem Extra-Reiter im Editorbereich. Dort fehlen allerdings eine direkte Vernetzung mit dem Quelltext sowie eine effektive Suchfunktion für Warnungen und Fehlermeldungen.

Abbildung 3: Bei Fehlern führt ein Klick auf die Meldung zur problematischen Stelle im Code. Bei Warnungen funktioniert das allerdings nicht immer.

Für weniger erfahrene Anwender unbedingt sinnvoll wäre ein Parser für die Log-Ausgabe. Auszüge des Protokolls wie in Listing 3 lassen LaTeX-Einsteiger nicht erkennen, ob es sich um eine Warnung oder einen Fehler handelt. In diesem Fall ist es keines von beiden, sondern lediglich der Hinweis, dass an dieser Stelle ein neuer Kanal geöffnet wurde.

Listing 3

\tf@toc=\write3
\openout3 = `tmp.toc'

Auch die besonders gekennzeichneten Warnungen sollten Sie aufmerksam studieren. Hinter ihnen verstecken sich Hinweise, warum beispielsweise Umlaute nicht korrekt erscheinen und vieles mehr. Bei gravierenden Syntaxfehlern stoppt LaTeXila den Build-Vorgang, ein Klick auf die Meldung im Log führt Sie zu der dafür verantwortlichen Codezeile – bei Warnungen klappt dies allerdings nicht immer. Bei logischen Fehlern wäre es manchmal wünschenswert, dass LaTeXila zunächst das fehlerhafte Dokument weiter übersetzt, um grundsätzliche Fehler erkennen und beseitigen zu können, bevor man die logischen Fehler behandelt. Diese Strategie scheint LaTeXila allerdings nicht zu unterstützen.

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